Skoda zeigt sein bisher größtes Elektroauto
Mit dem Peaq bringt Skoda ein neues elektrisches Topmodell auf den Markt, das in praktisch jeder Disziplin eine Nummer größer ausfällt als alles, was die Marke bisher im Angebot hatte. Sieben Sitzplätze, ein Platzangebot, das selbst den Kodiaq übertrifft, und eine Reichweite, die im Alltag kaum noch Anlass zur Sorge gibt - der Peaq tritt selbstbewusst gegen etablierte Wettbewerber aus Korea, China und den USA an. Wie schlägt sich das neue Flaggschiff in der Praxis, und an welchen Stellen wird deutlich, dass auch dieses Auto Kompromisse eingeht? Wir ordnen die wichtigsten Daten ein und fassen zusammen, was erste Tests zum Fahrgefühl, zur Ausstattung und zur Ladetechnik zeigen.
Wie groß ist der Skoda Peaq?
Der Skoda Peaq ist 4,87 Meter lang, 1,87 Meter breit und 1,67 Meter hoch, der Radstand beträgt 2,97 Meter.
Mit diesen Maßen stellt der Peaq das bislang größte Elektroauto der Marke dar. Die Breite von 1,867 Metern wächst mit ausgeklappten Außenspiegeln auf gut 2,12 Meter. Bei der Höhe gibt Skoda 1,674 Meter an. Diese Proportionen positionieren den Peaq spürbar oberhalb der bisherigen Elektro-SUVs der Marke und bringen entsprechend viel Raumangebot im Innenraum mit sich, was sich vor allem in der zweiten Sitzreihe bemerkbar macht. In ersten Tests machte die massive Statur des Peaq auf manche Betrachter gehörig Eindruck, der Wagen scheint wie für den US-Markt gemacht - Vergleiche zu großen amerikanischen SUVs wurden mehrfach gezogen.
Trotz der wuchtigen Erscheinung ist der cw-Wert mit 0,25 erstaunlich gut und der Wendekreis bleibt mit 10,7 Metern in einem für diese Fahrzeugklasse üblichen Rahmen. Technisch basiert der Peaq auf der bekannten MEB-Plattform des Volkswagen-Konzerns, die auch im VW ID.7 und im ID. Buzz mit langem Radstand zum Einsatz kommt.
Welche Antriebsvarianten und Akkugrößen bietet der Skoda Peaq?
Skoda bietet den Peaq in drei Versionen an: 60, 90 und 90x (die Zahlen deuten die Akkukapazität an), mit Leistungen von 150 bis 220 kW.
Den Einstieg bildet der Peaq 60 mit Hinterradantrieb. Er leistet 150 kW (204 PS) und 350 Nm Drehmoment, gespeist aus einem Akku mit 59 kWh netto (63 kWh brutto). Damit beschleunigt er in 8,4 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.
Die mittlere Variante, der Peaq 90, ist ebenfalls heckangetrieben, bringt es aber auf 210 kW (286 PS) und 545 Nm. Hier kommt der größere Akku mit 86 kWh netto (91 kWh brutto) zum Einsatz. Der Sprint auf 100 km/h dauert 7,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h.
An der Spitze steht der Peaq 90x mit Allradantrieb. Er nutzt denselben 86-kWh-Akku wie der 90er, kommt aber durch die zusätzliche Asynchronmaschine an der Vorderachse auf 220 kW (299 PS). Das macht sich vor allem bei der Beschleunigung bemerkbar: 6,7 Sekunden auf 100 km/h, ebenfalls bei 180 km/h abgeregelt.
Bemerkenswert ist, dass beide Akkugrößen durchgängig auf NMC-Zellchemie (Nickel-Mangan-Kobalt) setzen. Bei den kleineren Schwestermodellen Elroq und Enyaq hat Skoda die Einstiegsvariante bereits auf die günstigere LFP-Technik umgestellt - im Peaq bleibt es beim etablierten NMC-Akku, was mehr Energiedichte, aber auch höhere Herstellungskosten bedeutet.
Für die Zukunft ist noch eine stärkere RS-Version mit 250 kW Leistung geplant.
Wie weit kommt der Skoda Peaq mit einer Akkuladung?
Je nach Variante erreicht der Skoda Peaq 389 bis 642 Kilometer WLTP-Reichweite.
Der Peaq 60 mit dem kleineren Akku kommt nach den WLTP-Daten von Skoda auf bis zu 456 Kilometer, je nach Ausstattung und Rädergröße auch etwas weniger. Der Stromverbrauch liegt im Mittel bei 16,2 kWh auf 100 Kilometer.
Mit dem großen Akku steigt die Reichweite deutlich: Der heckgetriebene Peaq 90 schafft laut Skoda bis zu 642 Kilometer, bei einem mittleren Verbrauch von 16,35 kWh auf 100 Kilometer. Der Allradler Peaq 90x kommt durch das höhere Gewicht und den entsprechend höheren Verbrauch (im Mittel 17,2 kWh auf 100 Kilometer) auf etwas weniger, aber immerhin bis zu 609 Kilometer. Beide Versionen mit der großen Batterie liegen damit über der 600-Kilometer-Marke.
Damit bewegt sich der Peaq in beiden Akkugrößen auf einem Niveau, das im Alltag kaum noch Reichweitenangst aufkommen lässt - selbst die Basisversion liegt über vielen aktuellen Kompakt-Elektroautos.
Wie schnell lädt der Skoda Peaq und warum verzichtet Skoda auf 800-Volt-Technik?
Der Peaq lädt in ca. 27 Minuten von 10 auf 80 Prozent.
Beim kleinen Akku dauert der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent 27 Minuten, bei maximal 160 kW Ladeleistung. Die beiden Versionen mit dem großen Akku benötigen dafür 28 Minuten, hier liegt die maximale Ladeleistung bei rund 200 kW. Die Ladekurve bleibt bis etwa 35 Prozent Akkustand auf einem Plateau nahe der Maximalleistung, selbst bei 75 Prozent Ladestand sollen laut ersten Tests noch rund 100 kW anliegen.
Diese Werte fallen aber hinter aktuelle 800-Volt-Systeme zurück, wie sie etwa einige koreanische und chinesische Wettbewerber bereits anbieten. Skoda bleibt noch bei der bewährten 400-Volt-Technik der MEB-Plattform, statt auf die neuere, schnellere Architektur zu setzen, die der Konzern für künftige Modelle vorbereitet. Der Unterschied zu 800-Volt-Fahrzeugen beträgt unter vergleichbaren Bedingungen oft nur wenige Minuten pro Ladestopp - in der Praxis dürfte das vor allem auf längeren Strecken kaum auffallen, technisch bleibt der Peaq damit aber hinter dem, was inzwischen möglich ist.
Über das reine AC- und DC-Laden hinaus bietet der Peaq zwei zusätzliche Funktionen: Per Vehicle-to-Load (V2L) lassen sich externe Geräte direkt über den Ladeanschluss mit Strom versorgen, etwa E-Bikes oder Campingausstattung. In Kombination mit einer speziellen Wallbox ist außerdem bidirektionales Laden nach dem Vehicle-to-Home-Standard (V2H) möglich - der Peaq kann dann als Pufferspeicher dienen und Energie wieder zurück ins Haus speisen.
In ersten Tests wurde die Entscheidung gegen 800 Volt unterschiedlich bewertet: Während einige Stimmen den Verzicht als Rückschritt gegenüber der Konkurrenz einordnen, relativieren andere den praktischen Nachteil und verweisen darauf, dass die paar zusätzlichen Minuten beim Laden im Alltag - etwa während einer ohnehin nötigen Pause - kaum ins Gewicht fallen.
Skoda Peaq Innenraum
Wie viel Platz bietet der Skoda Peaq als Siebensitzer?
Der Peaq bietet je nach Konfiguration zwischen 299 und 2.150 Liter Kofferraumvolumen, plus einen 37-Liter-Frunk.
Als Fünfsitzer fasst der Kofferraum laut Skoda 935 Liter, bei umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf bis zu 2.150 Liter. In der Siebensitzer-Konfiguration sieht die Aufteilung anders aus: Bei voller Bestuhlung mit allen drei Sitzreihen bleiben rund 299 Liter, bei umgeklappter dritter Reihe stehen etwa 890 Liter zur Verfügung. Zusätzlichen Stauraum liefert der 37 Liter große Frunk unter der Fronthaube, der allerdings eher knapp bemessen ist und sich vor allem für Ladekabel eignet.
Beim Platzangebot in der zweiten Reihe zeigen sich erste Tests einig: Selbst große Personen sitzen dort sehr bequem. Die dritte Sitzreihe ist dagegen erwartungsgemäß enger zugeschnitten - ein 1,75 Meter großer Tester fand dort nur Platz, nachdem die zweite Reihe etwas nach vorne verschoben wurde. Die zweite Sitzreihe lässt sich serienmäßig längs verschieben.
Positiv hervorgehoben wurde in den Tests auch, dass sich der Peaq auch ganz ohne dritte Sitzreihe bestellen lässt.
Skoda Peaq Cockpitansicht
Was bietet der Innenraum des Skoda Peaq an Komfort und Technik?
Der Innenraum bietet Massagesitze, ein 13,6-Zoll-Zentraldisplay und kabelloses Laden für zwei Smartphones gleichzeitig.
Zentrales Element im Innenraum ist der hochkant stehende 13,6 Zoll große Touchscreen, ergänzt durch ein Head-up-Display. Darunter sitzt ein digitales Fahrerdisplay, das verschiedene Ansichten wie Navigationskarten oder Assistenzsystem-Informationen anzeigen kann. In der Mittelkonsole stehen zwei beleuchtete, kabellose Ladeflächen für Smartphones bereit, die sich unabhängig voneinander an- und ausschalten lassen. Für Sound sorgt eine Anlage mit bis zu 16 Lautsprechern und 755 Watt Leistung.
Bei den Sitzen geht Skoda über das bisherige Niveau der Marke deutlich hinaus: Optional gibt es eine Massagefunktion sowie eine elektrische Relax-Liegefunktion mit ausfahrbarer Beinauflage. In ersten Tests wurde dieser Sitzkomfort mehrfach hervorgehoben - ein Tester beschrieb das Gefühl als vergleichbar mit einer Premium-Kabine im Flugzeug. Ein ausklappbarer Tisch in der Mittelarmlehne ergänzt das Angebot für Arbeiten oder Essen während der Fahrt.
Für viel Helligkeit im Innenraum sorgt das große Panoramadach mit rund 2,1 Quadratmetern Fläche. Es lässt sich nicht mechanisch verschatten, sondern nur elektrochrom abdunkeln. Es ist segmentweise einstellbar.
Bei den Materialien setzt Skoda auf weiche Dekorleisten, Stoffbezüge und, dazu kommen optional Velours- und Mikrofaser-Oberflächen. Auf Klavierlack im Innenraum wurde bewusst verzichtet. In ersten Tests wurde dieser Materialmix als deutlicher Qualitätssprung gegenüber den kleineren Modellen Enyaq und Elroq wahrgenommen. Ein Detail, das positiv auffiel: Die vorderen Türfächer sind komplett mit Filz ausgekleidet, um Klappergeräusche zu vermeiden. In den hinteren Türen fehlt diese Auskleidung allerdings.
Bei den Assistenzsystemen kommt der weiterentwickelte Travel Assist zum Einsatz, der nun auch Ampeln und Stoppschilder erkennen kann. In ersten Tests wurde dieses System als eines der aktuell besten am Markt bezeichnet. Neu ist außerdem ein überarbeitetes Bremssystem mit One-Pedal-Funktion, das die Verzögerung über ein einzelnes Pedal steuerbar macht.
Was kostet der Skoda Peaq und wann kommt er auf den Markt?
Der Skoda Peaq startet bei 49.900 Euro, die Markteinführung ist für 2026 vorgesehen.
Der Einstieg in die Peaq-Welt gelingt mit der Basisversion 60 ab 49.900 Euro. Die Mittelstufe Peaq 90 mit Hinterradantrieb und großem Akku ist ab 57.900 Euro zu haben, das Topmodell Peaq 90x mit Allradantrieb startet bei 60.400 Euro. Diese Preise gelten jeweils für die Basisausstattung "Selection" - mit zusätzlichen Ausstattungslinien wie Sportline oder größeren Rädern dürfte der tatsächliche Kaufpreis je nach Konfiguration deutlich höher liegen.
Skoda hat den Peaq inzwischen offiziell vorgestellt, die Weltpremiere ist für Sommer 2026 geplant. Konfigurierbar soll das Fahrzeug ab August 2026 sein, im Herbst 2026 soll es dann bei den Händlern stehen.
Vor der offiziellen Preisbekanntgabe kursierten in ersten Einschätzungen unterschiedliche Schätzungen zu möglichen Topversionen, die teils deutlich über den jetzt bestätigten Einstiegspreisen lagen. Mit den nun vorliegenden offiziellen Zahlen zeigt sich: Der Peaq positioniert sich preislich oberhalb des Enyaq, aber im Rahmen dessen, was für ein Fahrzeug dieser Größe und Ausstattung zu erwarten war.
Wo zeigt der Skoda Peaq noch Schwächen?
Trommelbremsen hinten, fehlendes ISOFIX in der dritten Reihe und eine Plattform ohne technische Neuerungen sind die auffälligsten Schwachpunkte.
Auch beim neuen Topmodell bleibt Skoda bei Trommelbremsen an der Hinterachse - eine Lösung, die der Hersteller damit begründet, dass im Modus mit stärkerer Rekuperation ohnehin rund 95 Prozent aller Bremsvorgänge im Alltag über die Rekuperation abgedeckt werden. Technisch ist das nachvollziehbar, wirkt bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse und Größe aber nicht mehr ganz zeitgemäß.
In der dritten Sitzreihe fehlt zudem ein ISOFIX-Anschluss, was die Nutzung von Kindersitzen auf die ersten beiden Reihen beschränkt - bei einem als Familienauto positionierten Siebensitzer ein nachvollziehbarer Kritikpunkt.
Bei den Materialien fällt vor allem die Hochglanz-Schwarz-Verkleidung an Radläufen und Ladekante auf, die in ersten Tests als kratzempfindlich beschrieben wurde - eine Schutzfolierung wurde hier mehrfach empfohlen.
Grundsätzlich bleibt der Peaq technisch auf dem Stand der bekannten MEB-Plattform: Eine neue, mit Rivian entwickelte Elektronik-Architektur ist für spätere Modelle vorgesehen, im Peaq kommt sie noch nicht zum Einsatz. Einige sehen das als Schwäche, wir sehen hier zwar technologisch keinen Sprung, der aber nicht unbedingt nätig erscheint.
Eine leistungsstärkere RS-Version mit mehr als den aktuell verfügbaren 220 kW ist laut ersten Ankündigungen für 2027 geplant - bis dahin bleibt der Peaq 90x die stärkste verfügbare Variante.
Fazit: Lohnt sich der Skoda Peaq?
Mit dem Peaq bringt Skoda sein bislang größtes und geräumigstes Elektroauto auf den Markt - und liefert damit ein überzeugendes Argument für alle, die viel Platz, solide Reichweiten und einen vernünftigen Einstiegspreis suchen. Besonders das Platzangebot in der zweiten Sitzreihe und der Sitzkomfort wurden in ersten Tests durchweg positiv hervorgehoben, ebenso der spürbare Qualitätssprung im Innenraum gegenüber den kleineren Modellen der Marke.
Technisch bleibt der Peaq dagegen vorsichtig: Die MEB-Plattform ohne 800-Volt-Ladearchitektur, Trommelbremsen hinten zeigen, dass Skoda hier eher auf Bewährtes setzt als auf den neuesten Stand der Technik. Wer auf maximale Ladegeschwindigkeit Wert legt, findet bei einigen koreanischen oder chinesischen Wettbewerbern inzwischen schnellere Lösungen.
Trotzdem bleibt festzuhalten: Elektromobilität macht in diesem Segment sichtbare Fortschritte. Ein Siebensitzer mit über 600 Kilometern Reichweite, der unter 60.000 Euro startet, war vor wenigen Jahren kaum vorstellbar. Dass dabei nicht jede Komponente auf dem allerneuesten Stand ist, schmälert diesen Fortschritt nicht grundsätzlich - es zeigt eher, an welchen Stellen die nächste Modellgeneration noch nachlegen kann.
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Simona Marino
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