Leapmotor B05 Testerfahrungen: 482 km Reichweite & 27.900 €

Leapmotor B05 Testerfahrungen INSTADRIVE ecarso

Ein neuer Player mischt die Elektro-Kompaktklasse auf

Kaum ein Elektroauto sorgt aktuell für so viel Gesprächsstoff wie der Leapmotor B05. Mit einem Einstiegspreis weit unter vielen etablierten Modellen und einer Ausstattung, die woanders Aufpreis kostet, mischt der chinesische Hersteller die europäische Kompaktklasse auf.
Die YouTube-Kanäle Car Maniac, JÖNOHS und the car crash review haben den B05 im Alltag getestet. Wir fassen zusammen, wo sich ihre Einschätzungen decken, wo sie auseinandergehen, und ob das Auto seine Käufer finden wird. Los geht's!

Leapmotor B05 Testerfahrungen Heck INSTADRIVE ecarso

Was ist der Leapmotor B05 und was kostet er?

Der Leapmotor B05 startet ab 27.900 Euro und ist ab 31.900 Euro in der besser ausgestatteten Variante zu haben. Car Maniac bezeichnet das als das schlagkräftigste Argument des Autos.


Der kompakte Stromer aus dem Joint Venture zwischen dem chinesischen Hersteller Leapmotor und Stellantis ist 4,43 Meter lang, 1,80 Meter breit und kommt auf einen Radstand von 2,74 Metern - Maße, die ihn in direkte Konkurrenz zum VW Golf und zum kommenden ID Polo bringen. JÖNOHS sieht im B05 sogar den wahrscheinlich größten Konkurrenten für genau diese beiden Modelle. Unter der Haube, beziehungsweise im Heck, sitzt ein Elektromotor mit 160 kW (218 PS), der den B05 laut Werksangabe in 6,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h.

Zur Wahl stehen zwei LFP-Akkus mit offiziell 56,2 kWh (Einstiegsversion "Life") und 67,1 kWh (Topversion "Design"). Damit kommt der B05 laut offiziellen Angaben auf 401 beziehungsweise 482 Kilometer WLTP-Reichweite. Geladen wird laut Werksangabe mit bis zu 140 kW (kleiner Akku) oder 168 kW (großer Akku), eine Ladung von 30 auf 80 Prozent soll je nach Variante 16 bis 18 Minuten dauern. Für Wechselstrom steht ein 11-kW-Onboard-Lader bereit.

Technische Basis ist die LEAP-3.5-Plattform mit Cell-to-Chassis-Technologie: Die LFP-Batterie ist strukturell in die Karosserie integriert, was Gewicht spart und die Steifigkeit erhöht. Trotzdem bringt der B05 nur 1.855 Kilogramm auf die Waage.

Zum Vergleich: Konkurrenten wie der Opel Astra Electric (ab 39.990 Euro) oder der VW ID.3 (ab 33.995 Euro) liegen preislich deutlich höher.

Wie fährt sich der Leapmotor B05 laut den Testern?

Beim Fahrverhalten sind sich alle drei Tester auffallend einig: Der B05 fühlt sich nicht wie ein typischer China-Import an.


JÖNOHS hebt besonders die Fahrwerksabstimmung hervor, die von Stellantis-Ingenieuren gezielt für den europäischen Markt angepasst wurde. Er beschreibt das Fahrgefühl als europäisch straff, vergleichbar mit einem Opel Astra oder VW Golf - deutlich differenzierter als bei typischen China-Importen, die seiner Erfahrung nach oft zum Wanken neigen. Auch Car Maniac bestätigt den agilen Charakter, merkt aber an, dass das Fahrwerk bei schnellen Richtungswechseln etwas schwammig wirkt und auf der Autobahn zum Hoppeln neigt. the car crash review wiederum lobt ein direktes Lenkgefühl und eine gute Dämmung gegen Wind- und Regengeräusche und stuft das Fahrwerk insgesamt als solide ein - besser als bei einem Tesla, wenn auch erwartungsgemäß unterhalb von Porsche-Niveau.
Technisch bietet der B05 One-Pedal-Driving mit einer "Smoothstop"-Funktion, in der das Fahrzeug sanft bis in den Stillstand rekuperiert. JÖNOHS kritisiert allerdings, dass diese Funktion bei jedem Fahrzeugstart manuell neu aktiviert werden muss. An der Abregelgrenze bei 174 km/h bemerkt er außerdem ein unschönes Vibrieren und ein Tänzeln des Motors, das er auf die Softwareabstimmung zurückführt.

Wie sind Design, Materialien und das Platzangebot beim Leapmotor B05?

Beim Design gehen die Eindrücke der Tester leicht auseinander, treffen sich aber in einem Punkt: Der B05 wirkt europäischer, als man es von einem chinesischen Hersteller erwarten würde.


the car crash review beschreibt das Design des B05 als gefällige Mischung aus VW Polo und Golf, ausgelegt darauf, einer breiten Masse zu gefallen - die Front erinnert ihn dabei sogar an den 2017 ausgelaufenen VW Scirocco. Car Maniac sieht hingegen eine Mischung aus europäischen Modellen und Fahrzeugen von Nio. Zu den Exterieur-Highlights zählen rahmenlose Türen vorne und hinten, versenkte Türgriffe (die manuell bedient werden müssen) sowie 19-Zoll-Felgen. Der cW-Wert von 0,26 trägt laut the car crash review entscheidend zur Effizienz bei.
Im Innenraum zeigt sich das Team von Car Maniac beeindruckt von der Verarbeitung: Die Sitze empfinden Kameramann Juri und Chris als extrem weich und bequem. the car crash review geht noch weiter und beschreibt die verwendeten Ökotex-Kunstledersitze als so weich, dass sie sich fast wie menschliche Haut anfühlen. Allerdings dominiert im unteren Bereich des Innenraums Hartplastik, wie Car Maniac anmerkt. JÖNOHS und the car crash review heben übereinstimmend die enorme Beinfreiheit im Fond hervor, die durch den langen Radstand und den fehlenden Mitteltunnel zustande kommt - mehr Platz, als man von einem klassischen Verbrenner-Golf gewohnt ist.
Die "Design"-Variante punktet zusätzlich mit einem großen Glaspanoramadach mit elektrischer Jalousie, das laut the car crash review zu den größten seiner Klasse zählt.
Beim Kofferraum sind sich alle drei Tester einig: Mit 295 Litern (erweiterbar auf ca. 1.200) fällt der Stauraum für ein Auto dieser Größe deutlich zu klein aus - JÖNOHS vergleicht ihn explizit mit dem VW ID.3, der mit 380 Litern spürbar mehr bietet. Erschwerend kommt laut Car Maniac hinzu, dass es keinen Frunk für die Unterbringung der Ladekabel gibt. the car crash review bemängelt zusätzlich den fehlenden Heckscheibenwischer.

Was taugen Cockpit, Software und Assistenzsysteme des Leapmotgor B05?

Auf dem Papier ist die Technik im Leapmotor B05 beeindruckend - im Alltag zeigen sich laut allen drei Testern aber Schwächen.


Im Cockpit dominieren ein 8,8-Zoll-Instrumenten-Display und ein 14,6-Zoll-Zentraldisplay mit 2,5K-Auflösung. Dank eines Snapdragon-8155-Chips läuft das Betriebssystem "LE OS 4.0" laut Car Maniac extrem flüssig. the car crash review lobt zusätzlich die 360-Grad-Kamera als "brutal scharf", sowie eine Funktion, die die Fahrzeugunterseite per Kamera virtuell sichtbar macht. Serienmäßig sind 21 Assistenzsysteme und 7 Airbags verbaut.sdssd

In den Praxistests sind auch einige Schwächen zu Tage getreten:. Car Maniac übt scharfe Kritik an der Sprachsteuerung, die er als "komplette Grütze" bezeichnet, sowie am Navigationssystem, das im Test versagte und ihn über Radwege oder nicht existierende Fähren führen wollte. Auch die fehlende Laderoutenplanung bemängelt er. JÖNOHS berichtet von Software-Bugs wie Verbindungsproblemen mit Apple CarPlay und fehlerhaften Gurt-Warnsignalen.

Bei den Assistenzsystemen fällt die Bewertung gemischt aus. JÖNOHS beschreibt den Spurwechselassistenten als unzuverlässig, da er Vorgänge oft abbricht, während die aktive Spurhaltung sehr konsequent eingreift - was beim manuellen Spurwechsel störend wirken kann. Der Abstandstempomat reagiert nach seiner Erfahrung konservativ: Er hält oft zu große Abstände und beschleunigt nach dem Abbremsen nur zögerlich wieder hoch. Zudem werden Lastwagen auf Nachbarspuren in Kurven manchmal fälschlicherweise als Hindernis in der eigenen Spur erkannt, was zu starken Bremsungen führt - ein Problem, das auch Car Maniac in ähnlicher Form beobachtet, wenn er von zu großen Abständen und abruptem Bremsen in Kurven spricht.

Immerhin: Car Maniac betont, dass Leapmotor sehr schnell auf Feedback reagiert und Software-Updates nachliefert. Auch the car crash review verweist auf die Möglichkeit von Over-the-Air-Updates, mit denen das Fahrzeug dauerhaft aktuell gehalten werden kann.

Wie weit kommt man mit dem Leapmotor B05 wirklich?

Auf dem Papier verspricht Leapmotor 401 beziehungsweise 482 Kilometer WLTP-Reichweite bei einem Verbrauch von ca. 15,8 kWh/100 km. In der Praxis hängt das laut den drei Tests aber natürlich stark vom Fahrprofil ab.


Car Maniac ermittelte auf einer 70 Kilometer langen Testfahrt über Autobahn, Landstraße und Stadt einen Verbrauch von lediglich 12 bis 13 kWh/100 km - in der Stadt sogar nur 8,8 kWh. Er hält damit eine reale Reichweite von über 500 Kilometern mit dem großen Akku für absolut machbar und betont, dass er das in dieser Preisklasse bei keinem anderen Elektroauto bisher erlebt hat. the car crash review bestätigt diesen Trend mit einem gemessenen Realverbrauch von rund 16,1 kWh/100 km, was nahe am WLTP-Normwert liegt.
JÖNOHS liefert den differenziertesten Blick, weil er gezielt die Autobahntauglichkeit bei 130 km/h getestet hat: Hier stieg der Verbrauch auf 18,3 kWh/100 km, was eine reale Autobahn-Reichweite von rechnerisch rund 350 Kilometern ergibt. Bei Stop-and-Go und Geschwindigkeiten zwischen 50 und 90 km/h sank sein Verbrauch dagegen auf 11,8 kWh/100 km, was eine Alltagsreichweite von rund 500 Kilometern ermöglicht. Die Botschaft aller drei Tests ist damit ähnlich: Im Stadt- und Alltagsverkehr ist der B05 deutlich effizienter als auf der Autobahn bei hohem Tempo.
Auch beim Laden zeigen sich Unterschiede zur Werksangabe von 16 bis 18 Minuten für 30 bis 80 Prozent. Car Maniac kritisiert diese Angabe sogar als Marketing-Trick, weil kaum jemand schon bei 30 Prozent an die Säule fährt - er rechnet realistisch mit 25 bis 30 Minuten für 10 bis 80 Prozent, was er im Vergleich zum BMW iX1 (rund 30 Minuten) immer noch als passabel einstuft. JÖNOHS kam im Test von 15 auf 80 Prozent auf 36 Minuten, merkt dabei aber an, dass die Ladeleistung durch Lastteilung an der Säule eingeschränkt war. Er verweist zudem auf den B10, der unter optimalen Bedingungen in unter 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden soll. Ein zusätzlicher Praxis-Wermutstropfen: Laut JÖNOHS lässt sich die Batterievorheizung bei einem Akkustand unter 20 Prozent nicht mehr manuell starten.

Leapmotor B05 Cockpitansicht

Leapmotor B05 Testerfahrungen Cockpit INSTADRIVE ecarso

Leapmotor B05: Vorteile/Nachteile in der Übersicht

Vorteile laut den Tests Nachteile laut den Tests
Preis (27.900 - 31.900 €) deutlich unter ID.3, Cupra Born und Astra Electric Kofferraum mit nur 295 Litern und ohne Frunk
Europäisch abgestimmtes Fahrwerk durch Stellantis-Tuning Software-Bugs bei Navigation, Sprachsteuerung, CarPlay und Gurtwarnung
Üppige Serienausstattung, kaum teure Aufpreis-Pakete nötig Teils nervige Assistenzsysteme (ACC, Spurwechsel, Fehlalarme bei LKWs)
Gute Effizienz und hohe reale Reichweite im Stadt- und Alltagsverkehr Deutlich höherer Verbrauch bei zügiger Autobahnfahrt (Tempo 130)
Stellantis-Servicenetz mit etablierten Partnerwerkstätten Fahrwerk bei schnellen Richtungswechseln teils schwammig
Viel Beinfreiheit im Fond durch langen Radstand Kein Heckscheibenwischer

Wird der Leapmotor B05 seine Käufer finden?

Alle drei Tester sind sich einig: Der B05 hat gute Chancen, deutschen und europäischen Herstellern Marktanteile abzunehmen.


Ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen China-Marken ist laut Car Maniac das Servicenetz: Durch die Kooperation mit Stellantis kann der Service bei etablierten Partnern wie Opel- oder Peugeot-Händlern erfolgen, sodass Kunden in Deutschland meist nicht länger als 30 Minuten zum nächsten Partner fahren müssen. the car crash review ergänzt, dass bereits 120 Händler in Deutschland zur Verfügung stehen, dazu 4 Jahre Garantie auf das Fahrzeug und 8 Jahre auf den Akku - Eckdaten, die potenziellen Käufern die übliche Sorge vor mangelnder Ersatzteilversorgung oder Garantieabwicklung bei einer noch jungen Marke nehmen sollen.
Preislich positioniert sich der B05 deutlich unter der etablierten Konkurrenz: Während der Opel Astra Electric bei 39.990 Euro und der Peugeot E-308 bei 42.435 Euro starten, beide aus dem eigenen Stellantis-Konzern, kommt auch der VW-Konzern mit dem ID.3 Neo (ab 33.995 Euro) und dem überarbeiteten Cupra Born (ab 39.990 Euro) nicht an den Einstiegspreis des B05 heran - beide bieten dafür allerdings mit bis zu 183 kW eine höhere maximale Ladeleistung und sollen laut Tests konstant auf hohem Niveau laden. Auch der exakt gleich lange Kia EV4 (ab 37.590 Euro) liegt preislich deutlich über dem Leapmotor.
Car Maniac fasst seinen Gesamteindruck so zusammen: Trotz kleinerer Software-Mängel und des knappen Kofferraums hält er den B05 für ein grundsolides und absolut massentaugliches Auto. JÖNOHS sieht trotz Schwächen bei den Assistenzsystemen, Software-Bugs und dem fehlenden Heckscheibenwischer kaum Konkurrenzmodelle wie von BYD oder MG, die bei dieser Verarbeitungsqualität und Akkugröße preislich mithalten können. the car crash review geht am weitesten und resümiert, dass die Zeiten minderwertiger China-Autos mit dem B05 endgültig vorbei seien - mit einer möglichen Förderung reduziere sich der Einstiegspreis theoretisch auf knapp über 20.000 Euro, was als phänomenal bezeichnet wird.

Fazit: Drei Tests, ein Fazit: Der Leapmotor B05 hat das Zeug zum Golf-Schreck

Was bei den Tests dieses Modells auffällt, ist die Einigkeit zwischen den Testern. Car Maniac, JÖNOHS und the car crash review kommen unabhängig voneinander zu einem fast identischen Urteil: Der Leapmotor B05 liefert für sein Geld mehr, als man es von einem Auto dieser Preisklasse gewohnt ist.
Die Schwächen sind dabei keineswegs verschwiegen worden. Kleiner Kofferraum, ruckelige Software und teils übergriffige Assistenzsysteme - das sind handfeste Kritikpunkte, die sich potenzielle Käufer bewusst machen sollten. Entscheidend ist aber, dass keiner der drei Tester diese Punkte als K.-o.-Kriterium einstuft. Stattdessen verweisen sie auf die Update-Fähigkeit des Fahrzeugs und auf einen Preis, der die Schwächen aufwiegt.
Für den Markt heißt das: Mit dem Stellantis-Servicenetz im Rücken tritt der B05 nicht als x-beliebiger China-Import auf, sondern als ernstzunehmender Angriff auf VW ID.3, Cupra Born und Opel Astra Electric. Ob sich das auch in Zulassungszahlen niederschlägt, wird sich zeigen - die Voraussetzungen dafür hat sich der B05 laut den Tests aber bereits geschaffen.

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Simona Marino
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