Große Akkus, niedriger Verbrauch
Wer ein E-Auto mit großer Reichweite sucht, denkt zuerst an die Akkukapazität. Das ist nachvollziehbar - mehr kWh bedeuten erstmal mehr Energie an Bord. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt einen interessanten Effekt: Manche Elektroautos kombinieren einen großen Akku mit einem auffallend niedrigen Verbrauch, andere fressen ihre Kapazität trotz ähnlicher Akkugröße deutlich schneller auf. Warum ist das so, und welche Modelle gehören zur effizienten Spitze? Eine aktuelle Auswertung des Fachportals elektroauto-news.net liefert Antworten. Wir haben sie für euch aufbereitet.
Warum bringt ein doppelt so großer Akku keine doppelte Reichweite?
Weil mehr Kapazität auch mehr Gewicht bedeutet – und das frisst einen Teil des Reichweitenvorteils wieder auf.
Größere Batterien speichern mehr Energie - aber sie wiegen auch mehr. Und Mehrgewicht treibt den Verbrauch nach oben, weil das Auto bei jeder Beschleunigung, Steigung und Bremsung mehr Masse bewegen muss. Ein Teil der zusätzlich gespeicherten Energie wird also direkt wieder verbraucht, um das Eigengewicht zu transportieren. Deshalb skaliert die Reichweite nicht linear mit der Akkugröße.
Hier wird Aerodynamik zum entscheidenden Hebel. Sie holt aus jedem Kilowattstunden-Vorrat besonders viel heraus - und kann das Akku-Gewicht-Dilemma teilweise auflösen.
Welche E-Autos haben einen großen Akku und trotzdem einen niedrigen Verbrauch?
Sechs Limousinen und ein SUV mit Akkus zwischen 79 und 96 kWh und einem Verbrauch von maximal 16 kWh/100 km bei 110 km/h.
Das Portal elektroauto-news.net hat auf Basis aktueller Daten der EV Database sieben Elektroautos identifiziert, die zwei Kriterien gleichzeitig erfüllen: Akkukapazität von mindestens 79 kWh und ein Verbrauch von maximal 16 kWh pro 100 Kilometer, gemessen bei konstanten 110 km/h auf der Autobahn. Eine hohe Hürde, denn diese Geschwindigkeit ist ein durchaus realistischer Praxiswert - die offiziellen WLTP-Angaben fallen meist deutlich günstiger aus.
An der Spitze stehen zwei E-Limousinen mit fast identischer Reichweite: Der Audi A6 Sportback e-tron Performance und der Lucid Air Touring kommen jeweils auf rund 600 Kilometer reale Autobahnreichweite. Beide bringen mit rund 95 bis 96 kWh die größten Akkus der Liste mit - und auch beim Gewicht spielen sie in der oberen Liga: Der Audi wiegt 2.250 Kilogramm, der Lucid 2.070 Kilogramm. Trotzdem bewegen sich beide beim Verbrauch zwischen 15,8 und 16,0 kWh/100 km. Der Lucid Air Touring darf dabei für sich beanspruchen, mit einem cw-Wert von 0,197 das aerodynamischste Serienauto der Welt zu sein. Preislich liegen die beiden allerdings weit auseinander: Der Audi startet bei 75.600 Euro, der Lucid bei rund 99.000 Euro.
Mit etwas kleinerer Batterie, aber bemerkenswerter Effizienz folgt der Mercedes CLA 250+: 85 kWh, nur 14,5 kWh/100 km Verbrauch und damit 585 Kilometer Reichweite, bei einem Einstiegspreis von rund 55.870 Euro und 2.055 Kilogramm Leergewicht. Mercedes setzt hier auf die im Konzern bereits beim EQS entwickelte Aerodynamik-Philosophie, der CLA erreicht einen cw-Wert von 0,21.
Der BMW i4 eDrive 40 wiederum zeigt, dass auch eine Mischplattform aus Verbrenner- und E-Architektur konkurrenzfähig sein kann: 81,3 kWh Akku, 15,5 kWh/100 km Verbrauch, 525 Kilometer Reichweite und ein Listenpreis ab 60.500 Euro. Sein cw-Wert von 0,24 ist allerdings der schwächste in der Liste – und sein Leergewicht von 2.120 Kilogramm gehört zur Spitzengruppe.
Den koreanischen Beitrag liefert der Hyundai Ioniq 6 mit seinem 80-kWh-Akku, 14,7 kWh/100 km Verbrauch und 545 Kilometern Reichweite (ab 55.300 Euro). Hyundai vermarktet den Streamliner offensiv mit seiner Stromlinienform – cw-Wert 0,21, identisch zu Mercedes und Audi. Mit 1.892 Kilogramm in der Heckantrieb-Variante mit großem Akku ist der Ioniq 6 aber das leichteste 800-Volt-Modell der Liste.
Die beiden Tesla-Modelle bieten mit 79 kWh den kleinsten Akku. Effizienz-technisch ist gerade das Model 3 herausragend: Mit nur 13,6 kWh/100 km ist es das sparsamste Auto im gesamten Vergleich, was auch an seinem cw-Wert von 0,219 liegt - für eine Limousine in dieser Preisklasse ein bemerkenswerter Wert. Aus dem Akku zieht es 580 Kilometer Reichweite. Mit rund 1.823 Kilogramm Leergewicht ist es zudem das leichteste Fahrzeug der Auswahl. Das Model Y verbraucht aufgrund seiner SUV-Form mit 16,0 kWh/100 km mehr und schafft 495 Kilometer - beachtlich für ein SUV in dieser Klasse. Sein cw-Wert von 0,22 ist für ein Fahrzeug dieser Bauform außergewöhnlich niedrig und erklärt, warum es das einzige SUV in der Liste ist. Die beiden Teslas sind mit Listenpreisen ab 42.990 Euro (Model 3) und 50.970 Euro (Model Y) zugleich die günstigsten Modelle der Liste.
Übersicht: Sparsame E-Autos mit großem Akku
Wie erreichen E-Autos einen niedrigen Verbrauch trotz großer Batterie?
Vor allem durch Aerodynamik - bei Autobahntempo der mit Abstand wichtigste Hebel - ergänzt durch effiziente Motoren, 800-Volt-Technik und Gewichtsmanagement.
Aerodynamik ist der mit Abstand wichtigste Hebel. Bei Autobahntempo gehen bis zu 50 Prozent der Energie allein für die Überwindung des Luftwiderstands drauf - und der steigt überproportional mit dem Tempo: Bei doppelter Geschwindigkeit wirkt der vierfache Widerstand. Mercedes hat berechnet, dass ein um nur 0,01 niedrigerer cw-Wert bereits 2,5 Prozent zusätzliche Reichweite bedeutet.
Deshalb sind sechs der sieben Modelle in der Liste Limousinen oder Coupés mit cw-Werten um 0,21. Zum Vergleich: Ein typisches SUV liegt bei 0,30 bis 0,40, ein klassischer Geländewagen wie die Mercedes G-Klasse erreicht sogar einen cw-Wert von 0,54.
Auch beim Gewichtsmanagement lässt sich eine Tendenz erkennen: Trotz größerer Batterien gelingt es allen Modellen in der Liste, das Leergewicht im Rahmen zu halten - durch Gigacasting bei Tesla, Aluminiumkarosserien bei Audi und Lucid sowie zellbasierter Akku-Bauweise, die schwere Modulgehäuse einsparen. Das Tesla Model 3 zeigt mit unter 1.830 Kilogramm bei 79-kWh-Akku, was sich technisch erreichen lässt; selbst der schwerere Audi-Sportback mit 95-kWh-Akku bleibt unter 2,3 Tonnen.
Neben Aerodynamik und Gewicht spielen zwei weitere Faktoren eine Rolle: Moderne Permanentmagnet-Synchronmotoren erreichen Wirkungsgrade über 95 Prozent im optimalen Drehzahlbereich – Hersteller wie Tesla und Lucid legen diesen Bereich gezielt auf Autobahntempo aus. Und die 800-Volt-Architektur, die Hyundai, Audi, Mercedes und Lucid nutzen, reduziert Verluste in der Leistungselektronik gegenüber dem klassischen 400-Volt-Standard.
Was bringt ein sparsames E-Auto mit großem Akku im Alltag?
Weniger Stromkosten für Vielfahrer und bis zu 600 Kilometer Reichweite auf der Autobahn - auch im echten Fahrbetrieb.
Für Vielfahrer macht der Effizienzunterschied einiges aus. Wer 40.000 Kilometer im Jahr fährt und im Schnitt 50 Cent pro Kilowattstunde Strompreis bezahlt, kommt mit dem sparsamsten Auto in der Liste rund 480 Euro pro Jahr günstiger weg als mit dem durstigsten - allein durch den Verbrauchsunterschied von 2,4 kWh/100 km. Für Privatfahrer übersetzt sich die Effizienz in 500 bis 600 Kilometer reale Autobahnreichweite bei moderaten Sommerbedingungen und 110 km/h Geschwindigkeit. Im Winter und bei höherem Tempo fallen die Werte natürlich spürbar niedriger aus.
Fazit: Aerodynamik relativiert Wichtigkeit der Akkugröße
Wer mit einem E-Auto möglichst weit kommen will, sollte nicht nur auf die Akkukapazität schauen, sondern auf die Effizienz. Ein großer Akku bleibt die Grundvoraussetzung für 500-plus-Kilometer-Reichweiten, aber erst die Aerodynamik entscheidet darüber, wie viel Kapazität tatsächlich auf der Straße ankommt. Limousinen und Coupés mit cw-Werten um 0,21 dominieren diese Liste nicht zufällig - und SUVs werden aus physikalischen Gründen kaum jemals mithalten können, solange sie ihre kantige Silhouette behalten.
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Simona Marino
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