Leapmotor B03X im Test: Reichweite, Maße & Preis

Leapmotor B03X im Test INSTADRIVE ecarso

Ein neuer Herausforderer für Europas kompakte Elektro-SUVs

Der Leapmotor B03X möchte sich in einem Segment behaupten, das gerade deutlich spannender wird. Kompakte Elektro-SUVs sollen bezahlbar sein, im Alltag genügend Platz bieten und bei Reichweite, Laden und Ausstattung trotzdem keine großen Kompromisse verlangen. Hier soll der B03X etablierten europäischen Modellen Marktanteile abnehmen.
Die ersten Fahreindrücke fallen überwiegend positiv aus. Besonders Raumangebot, Komfort, Effizienz und Innenraum machen einen starken Eindruck. Gleichzeitig zeigen sich Schwächen bei Bedienung, Assistenzsystemen und Fahrdynamik. Wie überzeugend das Gesamtpaket am Ende wirklich ist, schauen wir uns im Detail an.

Leapmotor B03X im Test Heck INSTADRIVE ecarso

Wie groß ist der Leapmotor B03X, wie sieht er aus und welche Varianten gibt es?

Der B03X misst 4,27 Meter, setzt auf ein rundliches SUV-Design und ist als Life Pro sowie Design ProMax erhältlich.

Mit 4,27 Metern Länge, 1,81 Metern Breite und 1,635 Metern Höhe bleibt der B03X kompakt genug für die Stadt, ohne wie ein klassischer Kleinwagen aufzutreten. Der Radstand beträgt 2,605 Meter, die Bodenfreiheit 175 Millimeter. Damit nutzt Leapmotor eine für kleine Elektro-SUV typische Mischung aus überschaubaren Außenmaßen und vergleichsweise hoher Karosserie.

Optisch setzt der B03X auf weiche Formen statt scharfer Kanten. Auffällig sind vor allem die rund gezeichnete Front, die teilversenkten Türgriffe und die LED-Heckleuchten mit ihrer sogenannten „HAHA“-Lichtsignatur. Dachreling und 18-Zoll-Räder gehören ebenfalls zum Auftritt, wobei die Basisversion auf Stahlfelgen steht und die höhere Ausstattung Leichtmetallfelgen erhält. 

Leapmotor bietet den B03X in Deutschland als Life Pro und Design ProMax an. Schon der Life ist gut ausgestattet: Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera, Apple CarPlay, Android Auto und das große zentrale Infotainment sind bereits an Bord. In der Ausstattungslinie kommen unter anderem Sitze aus Premium-Synthetik-Leder, elektrische Fahrersitzverstellung, Sitz- und Lenkradheizung, elektrisch anklappbare Außenspiegel, Parksensoren vorne und eine 360-Grad-Kamera hinzu. Außerdem verfügt die Ausstattungslinie Design über zwölf statt sechs Lautsprecher sowie eine 64-farbige Ambientebeleuchtung

Die technischen Unterschiede bei Akku, Leistung und Reichweite schauen wir uns im weiteren Verlauf getrennt an.

Was kostet der Leapmotor B03X?

Der Leapmotor B03X startet bei 25.400 Euro, die besser ausgestattete Variante kostet 29.900 Euro.


Damit bleibt sogar die umfangreicher ausgestattete Version unter der Marke von 30.000 Euro. Die Preise verstehen sich als unverbindliche Preisempfehlung inklusive Mehrwertsteuer, Überführungskosten kommen noch hinzu.

Beim Blick auf die Konkurrenz ist der Abstand allerdings kleiner, als man bei einem chinesischen Hersteller vielleicht erwarten würde. Der VW ID. Cross startet laut den vorliegenden Quellen bei 27.995 Euro, der Škoda Epiq bei 25.900 Euro. Auch andere elektrische Klein-SUVs bewegen sich inzwischen in einem ähnlichen Bereich.

Der B03X versucht deshalb nicht allein über einen möglichst niedrigen Einstiegspreis zu punkten. Interessanter wird das Angebot vor allem in Verbindung mit der umfangreichen Serienausstattung und dem vergleichsweise geringen Aufpreis für die höher positionierte Variante. Welche Unterschiede bei Batterie, Reichweite und Laden damit einhergehen, zeigt der nächste Abschnitt.

Wie weit kommt der Leapmotor B03X und wie schnell lädt er?

Der B03X bietet 292 oder 382 Kilometer WLTP-Reichweite und lädt je nach Akku mit bis zu 100 oder 133 kW DC.


Zur Wahl stehen zwei LFP-Batterien mit 39,8 und 53,0 kWh Kapazität. Beim Verbrauch liegen beide Varianten laut WLTP eng beieinander: Für den kleineren Akku werden 15,5 kWh/100 km angegeben, für den größeren 15,7 kWh/100 km.
Im Stadtverkehr wurden bei milden bis sommerlichen Temperaturen Werte von rund 11 bis 12 kWh/100 km erreicht. Damit sind mit der großen Batterie unter günstigen Bedingungen auch Reichweiten von mehr als 400 Kilometern möglich. Auf der Autobahn hängt das Bild deutlich stärker vom Tempo ab: Bei etwa 100 km/h wurden rund 14 kWh/100 km gemessen, bei 130 km/h stieg der Verbrauch auf ungefähr 19 kWh/100 km. Daraus ergeben sich mit dem 53-kWh-Akku grob 380 Kilometer bei moderatem Tempo beziehungsweise rund 280 Kilometer bei konstant 130 km/h.
Unter winterlichen Worst-Case-Bedingungen werden für die kleinere Batterie rund 195 Kilometer im gemischten Betrieb und etwa 160 Kilometer bei konstant 110 km/h auf der Autobahn prognostiziert. Diese Werte sind allerdings Modellrechnungen und keine gemessenen Testergebnisse.
An der Wallbox laden beide Varianten dreiphasig mit maximal 11 kW. Beim Schnellladen schafft die kleinere Batterie bis zu 100 kW, die größere bis zu 133 kW. Entscheidend ist aber nicht der Spitzenwert: Laut Hersteller benötigen beide Akkus von 10 auf 80 Prozent nur 21 Minuten. Ein Praxistest mit dem großen Akku an einer auf 100 kW begrenzten Säule bestätigte zumindest ein stabiles Ladeverhalten mit knapp 95 kW bis etwa 70 Prozent Ladezustand.
Für längere Autobahnetappen bleibt der B03X damit eher ein kompakter Allrounder als ein ausgewiesenes Langstreckenauto. Die Ladezeiten sind für diese Fahrzeugklasse jedoch stark, und eine Batterie-Vorkonditionierung ist ebenfalls vorhanden. Zusätzlich unterstützt der B03X Vehicle-to-Load mit bis zu 3,3 kW, sodass sich externe Verbraucher über das Fahrzeug mit Strom versorgen lassen.

Wie viel Platz und Variabilität bietet der Leapmotor B03X?

Der B03X bietet viel Platz für seine Größe, 407 bis 475 Liter Kofferraum und eine besonders variable Rückbank.


Vor allem im Fond nutzt der B03X seine kompakten Außenmaße erstaunlich gut aus. Erwachsene finden reichlich Bein- und Kopffreiheit, auch wenn es mit drei Personen nebeneinander naturgemäß enger wird. Der ebene Fahrzeugboden erleichtert zusätzlich das Einsteigen und schafft mehr nutzbaren Raum im Fußbereich.

Praktisch sind die sogenannten Leap Flex Seats: Die Sitzflächen der Rückbank lassen sich hochklappen, sodass hinter den Vordersitzen ein hoher Stauraum entsteht. Damit können beispielsweise Pflanzen oder andere sperrige Gegenstände aufrecht transportiert werden. Zusätzlich lässt sich der Beifahrersitz umklappen, was bei besonders langen Gegenständen zusätzliche Möglichkeiten eröffnet.

Beim Kofferraum nennt Leapmotor 407 Liter bis zur Laderaumabdeckung und 475 Liter bei Beladung bis zum Dach. Werden die Rücksitze umgelegt, stehen bis zu 1.358 Liter zur Verfügung. Unter dem Ladeboden sitzt außerdem die 105 Liter große Leap Box, ein tiefes und leicht zu reinigendes Zusatzfach. Einen Frunk gibt es dagegen nicht.

Grenzen setzt eher das Gewicht als der verfügbare Raum. Die Nutzlast beträgt bei beiden Varianten 395 Kilogramm, die zulässige Dachlast liegt bei 75 Kilogramm. Eine reguläre Anhängelast ist nicht vorgesehen. Gerade bei vier Erwachsenen plus Gepäck sollte man die Zuladung deshalb im Blick behalten.

Wie gut sind Innenraum, Bedienung und Assistenzsysteme des Leapmotor B03X?

Der Innenraum wirkt hochwertig und komfortabel, bei Bedienung und Assistenzsystemen zeigt der B03X dagegen noch Schwächen.


Auffällig ist vor allem die Materialauswahl. Große Teile des Armaturenbretts und der Türverkleidungen sind weich ausgeführt, Hartkunststoff findet sich überwiegend weiter unten. In der höheren Ausstattungsvariante kommen ÖKO-TEX-zertifizierte Sitze aus Premium-Synthetik-Leder hinzu. Die Polsterung fällt weich aus und wurde in den ersten Tests mehrfach positiv hervorgehoben. Weniger gelungen ist, dass sich der Beifahrersitz nicht in der Höhe verstellen lässt.

Das Cockpit wird vom 14,6 Zoll großen Zentraldisplay geprägt, ergänzt durch ein 8,8-Zoll-Display direkt vor dem Fahrer. Viele Funktionen laufen über den Touchscreen, physische Tasten gibt es nur wenige. Das sorgt für eine aufgeräumte Optik, verlangt im Alltag aber Eingewöhnung. Selbst die Außenspiegel werden über Lenkradtasten eingestellt, und bei Klima- und Fahrzeugeinstellungen führen erst mehrere Schritte über das Display zum Ziel. Hinzu kommen ungewöhnliche Details: Die Fensterheber werden entgegen der gewohnten Schalterrichtung bedient, während der Warnblinkschalter im Dachhimmel sitzt.

Deutlich besser präsentiert sich das Kamerasystem. Vor allem die 360-Grad-Darstellung der Design-Version liefert ein scharfes Bild und erleichtert das Rangieren.

Bei den Fahrerassistenten ist der Eindruck weniger überzeugend. Zwar bringt der B03X eine breite Palette an Systemen mit, doch vor allem Spurhaltung und Abstandsregelung sorgten in den Fahrtests für Kritik. Der Spurhalteassistent greift teilweise zu stark ein, während die Spurzentrierung in engeren Kurven unruhig reagieren kann. Beim adaptiven Tempomaten wurde zudem ein vergleichsweise großer Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug bemängelt, wodurch der B03X bei einscherenden Autos mitunter stärker abbremst als nötig. Problematisch ist auch, dass sich einzelne Warnfunktionen nicht dauerhaft deaktivieren lassen beziehungsweise während der Fahrt wieder aktiv werden können.

Die Leapmotor-App bietet zahlreiche Funktionen, darunter Fahrzeugstatus, Klimatisierung, Ladeplanung und einen Bluetooth-Schlüssel. Software-Updates können drahtlos eingespielt werden.

Leapmotor B03X Cockpitansicht

Leapmotor B03X im Test Cockpit INSTADRIVE ecarso

Wie fährt sich der Leapmotor B03X?

Der B03X fährt komfortabel und handlich, wirkt bei höherem Tempo aber weniger präzise als einige europäische Konkurrenten.


Beide Varianten treiben die Vorderräder an. Der Life Pro leistet 130 kW, der Design ProMax 145 kW, jeweils mit 200 Nm Drehmoment. Für den Sprint auf 100 km/h benötigen beide 8,6 Sekunden, bei 160 km/h ist Schluss. Im stärkeren Modell wirkt der Antritt im Alltag durchaus kräftig, auch bei Überholmanövern auf der Landstraße. Teilweise wurde allerdings eine kurze Verzögerung beim spontanen Beschleunigen bemerkt.

In der Stadt spielt der B03X seine Stärken besonders gut aus. Der Wendekreis von nur zehn Metern macht ihn ausgesprochen handlich, dazu kommt die sehr leichtgängige Lenkung. Drei Lenkstufen stehen zur Wahl. Selbst in der sportlichsten Einstellung bleibt der Kraftaufwand gering, das Lenkgefühl wird aber etwas verbindlicher.

Das Fahrwerk ist klar auf Komfort abgestimmt. Unebenheiten, Bodenwellen und Gullideckel werden meist sauber weggefiltert, einzelne Tests bemerkten auf gröberen Fahrbahnschäden allerdings etwas Poltern oder Nachschwingen. Insgesamt passt die Abstimmung gut zum vorgesehenen Einsatz als Stadt- und Alltagsauto.

Weniger überzeugend wird der Eindruck bei schneller Kurvenfahrt. Die Karosserie gerät stärker in Bewegung, die Lenkung vermittelt wenig Rückmeldung und die Vorderachse kann beim kräftigen Herausbeschleunigen früh an ihre Traktionsgrenze kommen. Auf trockener Straße wurden mehrfach durchdrehende Vorderräder beobachtet. Für eine sportliche Fahrweise ist der B03X damit nicht gemacht.

Auf der Autobahn bleibt das Auto bei normalem Reisetempo angenehm ruhig. Die Einschätzungen zur Geräuschdämmung fallen allerdings nicht völlig einheitlich aus. Während einige Tester das niedrige Geräuschniveau loben, berichten andere bei höherem Tempo von deutlich hörbaren Windgeräuschen im Bereich der Seitenscheiben und zusätzlichen Abrollgeräuschen aus dem Fußraum.

Für den Stadtverkehr praktisch ist das echte One-Pedal-Driving bis zum Stillstand. Die Funktion lässt sich allerdings nicht in jeder Situation während der Fahrt aktivieren, was die Bedienung unnötig einschränkt. Insgesamt liegen die Stärken des B03X bei Komfort, Wendigkeit und entspannter Alltagsfahrt.

Welche Stärken und Schwächen hat der Leapmotor B03X?

Zu den Stärken zählen Platz, Komfort, Effizienz und Variabilität. Schwächen zeigen sich vor allem bei Bedienung, Assistenzsystemen und Fahrdynamik.

Vorteile Nachteile
Viel Platz für Passagiere und Gepäck Assistenzsysteme teils unruhig und zu aufdringlich
Sehr variabler Innenraum mit Leap Flex Seats und umklappbarem Beifahrersitz Touchscreen-lastige Bedienung mit wenigen physischen Tasten
Komfortable Fahrwerksabstimmung Sehr leichte Lenkung mit wenig Rückmeldung
Niedrige Praxisverbräuche bei Stadt- und Alltagsfahrten Begrenzte Fahrdynamik bei schneller Kurvenfahrt
Kurze DC-Ladezeit von 10 auf 80 Prozent Vorderachse kann beim kräftigen Beschleunigen Traktion verlieren
Hochwertige Materialanmutung und umfangreiche Ausstattung Mit 395 Kilogramm vergleichsweise geringe Nutzlast

Fazit: Der B03X könnte Europas Elektro-Kleinwagenmarkt ordentlich unter Druck setzen

Der Leapmotor B03X wirkt nicht wie ein Auto, das seinen niedrigen Preis mit offensichtlichen Sparmaßnahmen erkauft. Vielmehr zeigt er, wie schnell sich das Angebot im unteren Elektroauto-Segment weiterentwickelt. Für europäische Hersteller dürfte deshalb vor allem unangenehm sein, dass Leapmotor inzwischen nicht mehr nur über den Preis angreift.

Wie gut die Kunden den B03X tatsächlich annehmen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Besonders wichtig wird sein, wie schnell Leapmotor die noch vorhandenen Software-Schwächen beseitigt und wie sich das Auto im Langzeiteinsatz, im Winter und auf längeren Strecken bewähren wird. Gelingt hier der nächste Schritt, könnte der B03X zu einem der Modelle werden, an denen sich kommende bezahlbare Elektro-SUVs messen lassen müssen.

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Simona Marino
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