Vier Elektro-SUVs, ein überraschender Vergleich
BMW, Mercedes, Volvo und Tesla treten mit ihren Elektro-SUVs im ADAC-Vergleichstest gegeneinander an. Vier Hersteller, die unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein modernes Elektroauto auszeichnen soll. Im direkten Vergleich zeigt sich allerdings, dass eine gute Testnote nicht zwangsläufig auch die beste Kaufentscheidung bedeutet.
Denn während der ADAC die Fahrzeuge nach festen Kriterien bewertet, spielen für Käufer noch ganz andere Überlegungen eine Rolle. Wie groß sind die Unterschiede tatsächlich? Welche Vorteile machen sich im Alltag bemerkbar? Und vor allem: Wie viel sollte man dafür bezahlen?
Gerade beim Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt das Ergebnis des Vergleichstests zusätzliche Brisanz. Denn der Abstand zwischen dem besten Auto und dem möglicherweise vernünftigsten Kauf könnte größer sein, als es die Testnoten vermuten lassen.
Warum landet das Tesla Model Y auf dem letzten Platz?
Das Tesla Model Y Performance belegt im ADAC-Vergleichstest mit der Note 2,2 den vierten Platz. Hauptgründe sind Schwächen im Innenraum und bei der Sicherheit.
Den Testsieg holt sich der Mercedes GLC 400 EQ mit der Gesamtnote 1,8. Dahinter teilen sich der BMW iX3 50 xDrive und der Volvo EX60 P10 AWD mit jeweils 1,9 den zweiten Platz. Allerdings liegen die vier Elektro-SUVs insgesamt recht eng beieinander. Selbst der letztplatzierte Tesla erhält noch die Bewertung „gut“.
Besonders deutlich fällt der Rückstand beim Innenraum aus. Hier vergibt der ADAC für das Model Y lediglich die Note 2,9. Auch in der Kategorie Sicherheit schneidet Tesla mit 2,2 schlechter ab als die Konkurrenz. Kritik gibt es vor allem für das Bedienkonzept und die weniger zuverlässig arbeitenden Assistenzsysteme.
Dabei ist das Model Y keineswegs in allen Disziplinen unterlegen. Beim Antrieb kann es mit den Konkurrenten mithalten, bei den Fahreigenschaften schneidet es sogar besser ab als BMW und Volvo. Und ausgerechnet bei der Materialqualität im Innenraum erhält Tesla besonderes Lob.
Der vierte Platz ist deshalb kein vernichtendes Urteil. Er zeigt vielmehr, dass die Konkurrenz inzwischen in Bereichen überzeugt, in denen Tesla noch Nachholbedarf hat. Wie schwer diese Nachteile tatsächlich wiegen, hängt allerdings auch davon ab, welche Eigenschaften einem Käufer besonders wichtig sind.
Wo sind BMW, Mercedes und Volvo tatsächlich besser?
BMW bietet die größte Reichweite und den niedrigsten Verbrauch, Volvo lädt am schnellsten. Auch Mercedes liegt bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit deutlich vor Tesla.
Besonders eindrucksvoll ist das Abschneiden des BMW iX3. Mit seiner 108,7 kWh großen Batterie erreicht er im ADAC-Test 669 Kilometer Reichweite. Gleichzeitig benötigt er einschließlich Ladeverlusten nur 18,3 kWh pro 100 Kilometer. Bemerkenswert für ein großes Allrad-SUV mit 469 PS.
Der Mercedes GLC EQ schafft 559 Kilometer bei 20,4 kWh/100 km, der Volvo EX60 kommt mit 20,8 kWh/100 km auf 508 Kilometer. Das Tesla Model Y Performance verbraucht zwar vergleichsweise sparsame 20,2 kWh/100 km, muss wegen seiner kleineren Batterie aber bereits nach 443 Kilometern nachladen. Zwischen BMW und Tesla liegen damit immerhin 226 Kilometer.
Noch deutlicher werden die Unterschiede an der Schnellladesäule. Während BMW, Mercedes und Volvo bereits mit 800-Volt-Technik arbeiten, bleibt Tesla beim 400-Volt-System. Der Volvo benötigt für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent lediglich 17 Minuten. Mercedes schafft das in 23 Minuten, BMW in 25 Minuten. Das Model Y braucht dafür 35 Minuten.
Interessant ist allerdings, wie viel zusätzliche Reichweite während eines kurzen Ladestopps tatsächlich in der Batterie landet. Hier liegt BMW mit 271 Kilometern in zehn Minuten sogar knapp vor Volvo (266 km). Mercedes folgt mit 247 Kilometern. Tesla fällt mit 156 Kilometern deutlich zurück.
Auch beim Laden mit Wechselstrom sind die europäischen Konkurrenten im Vorteil. Volvo bietet serienmäßig 22 kW, BMW und Mercedes gegen Aufpreis. Tesla beschränkt sich auf 11 kW.
Gerade für Vielfahrer sind diese Unterschiede relevant. Während Tesla beim Stromverbrauch durchaus mithalten kann, ermöglichen die größeren Batterien und die leistungsfähigeren Ladesysteme der Konkurrenz längere Etappen und kürzere Ladepausen.
Welches Elektro-SUV überzeugt bei Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit?
Volvo bietet den besten Federungskomfort, Mercedes die überzeugendsten Fahreigenschaften. BMW punktet bei Bedienung und Assistenzsystemen, Tesla mit Sportlichkeit.
Beim Fahrverhalten hat der Mercedes GLC EQ die Nase vorn. Trotz seines Gewichts von mehr als 2,5 Tonnen fährt er ausgesprochen stabil und dynamisch. Aus 100 km/h steht er nach nur 32,4 Metern, dem kürzesten Bremsweg im Testfeld. Allerdings profitierte der Testwagen von einer optionalen Luftfederung und Hinterachslenkung. Die übrigen Kandidaten waren mit ihren serienmäßigen Fahrwerken unterwegs.
Am komfortabelsten reist man im Volvo EX60. Sein adaptives Fahrwerk schluckt Unebenheiten selbst mit den großen 22-Zoll-Rädern erstaunlich gut. BMW und Tesla sind deutlich straffer abgestimmt. Beim sportlichen Model Y Performance passt das zum Charakter, beim iX3 empfindet der ADAC die Federung dagegen als unnötig hart. Dafür ist Tesla beim Sprint von 0 auf 100 km/h mit 3,5 Sekunden der Schnellste. Beim Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h liegt wiederum Volvo knapp vorne.
Auch beim Platzangebot muss sich keines der vier Elektro-SUVs verstecken. BMW bietet im Fond die größte Beinfreiheit, Mercedes und Volvo besonders viel Kopffreiheit. Beim vom ADAC gemessenen Kofferraumvolumen führt Volvo mit 480 Litern vor Mercedes (470 Liter), BMW (440 Liter) und Tesla (420 Liter). Alle vier verfügen zusätzlich über einen Frunk. Wer einen schweren Anhänger ziehen möchte, ist bei Mercedes und Volvo mit jeweils 2,4 Tonnen Anhängelast am besten aufgehoben. Tesla erlaubt lediglich 1,6 Tonnen.
Weniger überzeugend sind manche Bedienkonzepte. BMW macht es mit seinem Panoramic-Vision-Display noch am besten, leistet sich aber ebenfalls ergonomische Schwächen. Mercedes setzt auf einen riesigen Bildschirm, versteckt einige häufig benötigte Funktionen jedoch in Untermenüs. Besonders konsequent verzichten Volvo und Tesla auf klassische Schalter. Beim Model Y muss sogar die Fahrstufe über den Touchscreen gewählt werden. Das mag modern aussehen, verlangt während der Fahrt aber unnötig viel Aufmerksamkeit.
Bei den Assistenzsystemen überzeugt vor allem der BMW. Seine Helfer arbeiten zuverlässig und unaufdringlich. Optional ist sogar freihändiges Fahren auf der Autobahn bis 130 km/h möglich. Tesla fällt dagegen durch eine nervösere Spurführung und weniger harmonische Geschwindigkeitsregelung auf.
Auch bei der Verarbeitung gibt es Überraschungen. Volvo hinterlässt insgesamt den sorgfältigsten Eindruck. Beim BMW enttäuschen dagegen einige Details, etwa die einfachen Verkleidungen im Kofferraum. Tesla leistet sich trotz hochwertiger Innenraummaterialien weiterhin Ungenauigkeiten bei den Karosseriespaltmaßen.
Rechtfertigen die Unterschiede den erheblichen Aufpreis?
BMW, Mercedes und Volvo kosten im ADAC-Vergleich mindestens 7.910 Euro mehr als der Tesla. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt vor allem von den persönlichen Ansprüchen ab.
Das Tesla Model Y Performance startet bei 62.990 Euro und ist damit das mit Abstand günstigste Fahrzeug im Testfeld. Für den BMW iX3 50 xDrive werden mindestens 70.900 Euro fällig, der Mercedes GLC 400 EQ beginnt bei 72.471 Euro. Der getestete Volvo EX60 P10 AWD kostet in der umfangreich ausgestatteten Ultra-Version 72.790 Euro. Zwischen Tesla und Volvo liegen somit knapp 10.000 Euro.
Dabei ist der Preisvergleich für die deutschen Premiummarken sogar noch schmeichelhaft. Während Tesla und Volvo bereits serienmäßig viel Ausstattung mitbringen, müssen Käufer bei BMW und Mercedes für zahlreiche Extras zusätzlich bezahlen. Wer die Fahrzeuge auf ein vergleichbares Ausstattungsniveau bringen möchte, muss mit einem noch größeren Preisunterschied rechnen.
Hinzu kommen Unterschiede bei Garantie und Wartung. Tesla gewährt vier Jahre beziehungsweise 80.000 Kilometer Fahrzeuggarantie und schreibt keine festen allgemeinen Wartungsintervalle vor. Mercedes bietet zwei Jahre Fahrzeuggarantie, Volvo drei Jahre beziehungsweise 100.000 Kilometer. BMW gewährt drei Jahre Gewährleistung. Auch bei der Batterieabsicherung ist Tesla großzügiger: Acht Jahre bis 192.000 Kilometer stehen jeweils 160.000 Kilometern bei den Konkurrenten gegenüber. Volvo ermöglicht allerdings unter bestimmten Voraussetzungen eine Verlängerung.
Noch interessanter wird die Rechnung mit dem Tesla Model Y Premium AWD. Die ebenfalls allradgetriebene Variante kostet nur 53.990 Euro und ist ähnlich umfangreich ausgestattet. Gegenüber den Einstiegspreisen von BMW und Mercedes ergibt sich damit ein Preisvorteil von rund 17.000 bis 18.500 Euro. Allerdings wurde diese Tesla-Version nicht vom ADAC getestet, sodass sich die Ergebnisse nicht einfach übertragen lassen.
Für Käufer stellt sich deshalb weniger die Frage, welches Elektro-SUV objektiv das beste ist. Entscheidend ist, ob die zusätzlichen Qualitäten der teureren Modelle im eigenen Fahralltag einen entsprechend hohen Gegenwert bieten. Wer etwa selten lange Strecken zurücklegt, wird manche technischen Vorteile kaum ausschöpfen. Für andere können genau diese Eigenschaften den höheren Kaufpreis rechtfertigen.
Fazit: Ist der ADAC-Testsieger auch der beste Kauf?
Der Mercedes GLC EQ gewinnt den Vergleichstest verdient. Doch die beste Gesamtnote macht ein Auto nicht automatisch zur vernünftigsten Kaufentscheidung. Denn der ADAC bewertet nach einem festen Kriterienkatalog, während Käufer ganz unterschiedliche Prioritäten setzen.
Für Tesla ist der vierte Platz durchaus ein Warnsignal. Der einstige Technologievorsprung reicht längst nicht mehr aus, um die etablierte Konkurrenz auf Abstand zu halten. Gleichzeitig zeigt der Vergleich, dass ein gutes Elektro-SUV nicht zwangsläufig aus dem teuersten Teil des Marktes kommen muss.
BMW, Mercedes und Volvo müssen ihre höheren Preise deshalb nicht nur mit besseren Testnoten, sondern mit einem spürbaren Mehrwert rechtfertigen. Tesla wiederum darf sich auf seinem Preisvorteil nicht ausruhen.
Für Käufer ist diese Entwicklung erfreulich. Der Wettbewerb wird intensiver, die Auswahl größer und die Entscheidung anspruchsvoller. Wer vor dem Kauf die eigenen Bedürfnisse kennt, dürfte deshalb mehr von diesem Vergleich haben als jemand, der einfach nur zum Testsieger greift.
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