smart #2: Preise, Reichweite und Alltagstauglichkeit

smart #2 vl INSTADRIVE ecarso

Kleiner smart, große Erwartungen

Manche Autos wecken sofort große Begeisterung. Der neue smart #2 scheint dazuzugehören: Bei den ersten Vorstellungen gerät selbst manch erfahrener Auto-Tester ins Schwärmen. Der Nachfolger des Fortwo greift eine Idee auf, die bis heute ihren Reiz hat: ein Stadtwagen, der wenig Platz beansprucht und trotzdem reichlich Charakter und Alltagstauglichkeit mitbringt.

Entwickelt und gebaut wird der neue smart gemeinsam von Mercedes-Benz und dem chinesischen Geely-Konzern. Seit Mercedes-Benz die Hälfte der Marke smart an Geely verkauft hat, teilen sich die Partner die Aufgaben: Mercedes-Benz prägt die Gestaltung mit und stellt über sein Vertriebsnetz den Werkstattservice bereit. Geely steuert die technische Basis und die Fertigung bei.

Die Erwartungen an den neuen Zweisitzer sind hoch. Denn wer den elektrischen Fortwo mochte, musste bisher auch mit seinen Schwächen leben. Hier soll der smart #2 nachlegen, ohne die Eigenheiten aufzugeben, für die der kleine Zweisitzer geliebt wird. Die ersten Eindrücke machen neugierig. Sie zeigen aber auch, dass zwischen großem Habenwollen und einer Kaufentscheidung noch ein paar Fragen liegen.

smart #2 hl INSTADRIVE ecarso

Wie alltagstauglich ist der smart #2 als Stadtwagen?

Der smart #2 bietet auf rund 2,75 Metern Länge zwei Sitzplätze und 305 Liter Kofferraum. Sein Wendekreis beträgt knapp sieben Meter, die Zuladung ist auf 205 kg begrenzt.


Die Proportionen lassen keinen Zweifel daran, wessen Nachfolger hier steht. Kurze Überhänge, ein nahezu würfelförmiger Aufbau und das optisch abgesetzte Dach zeigen eindeutig den Fortwo-Nachfolger. Die zugespitzte Front und die markanteren Scheinwerfer geben dem Neuen allerdings einen etwas ernsteren Gesichtsausdruck. 

Unter der Karosserie steckt die eigens entwickelte Elektroauto-Plattform ECA. Die regulären Varianten messen exakt 2.746 mm in der Länge, die Couture Edition kommt durch ihre abweichende Karosseriegestaltung auf 2.764 mm. Mit Außenspiegeln ist der Wagen 1.939 mm breit und 1.555 mm hoch, der Radstand beträgt 1.875 mm. Im dichten Stadtverkehr und beim Wenden bleibt der geringe Platzbedarf sein offensichtlichster Vorteil.

Zwei Plätze, auch für große Menschen

Die Sitzproben der ersten Tests fallen bemerkenswert positiv aus. Selbst Personen mit knapp zwei Metern Körpergröße finden ausreichend Kopf- und Beinfreiheit. Auch nebeneinander wirkt das Sitzen nach den bisherigen Eindrücken keineswegs beengt. Wer dicht an einer Wand parkt, kann bei hochgeklappter Mittelarmlehne zur Beifahrerseite durchrutschen und dort aussteigen.

Beim Gepäck hilft die bekannte zweigeteilte Heckklappe. Für kleinere Taschen genügt es, den oberen Teil zu öffnen. Die nach unten klappende Hälfte trägt bis zu 120 kg und lässt sich beim Zwischenstopp als Sitzgelegenheit nutzen. Zwei eingelassene Becherhalter passen zu dieser Idee. Unter dem Ladeboden sorgen ein zusätzliches Fach und eine herausnehmbare Organizer-Wanne für Ordnung.

Das maximale Kofferraumvolumen beziffert smart auf 527 Liter. Für lange Gegenstände gibt es allerdings einen Rückschritt: Die Beifahrersitzlehne lässt sich nicht mehr vollständig nach vorne umklappen. Ein zusätzlicher Stauraum unter der Fronthaube, der sogenannte Frunk, fehlt ebenfalls.

Heckantrieb und ausreichend Tempo fürs Umland

Ein Elektromotor treibt die Hinterräder an und liefert 60 kW sowie 130 Nm Drehmoment. Für den Sprint auf 100 km/h nennt smart 11,6 Sekunden, bei 140 km/h endet die Beschleunigung. Damit beschränkt sich der Einsatz keineswegs auf Straßen zwischen zwei Ortsschildern. Wie souverän der Zweisitzer bei höherem Tempo fährt und wie komfortabel er schlechte Fahrbahnen verarbeitet, werden Fahrtests zeigen.

Die in einer Fahrzeug-Vorstellung beschriebene Fünflenker-Hinterachse klingt für einen Kleinstwagen aufwendig. Aus der Konstruktion allein lässt sich aber noch kein Urteil über Federung oder Fahrverhalten ableiten.

Eine handfeste Grenze setzt das Gewicht: Das Datenblatt nennt 1.140 kg Leergewicht und ein zulässiges Gesamtgewicht von 1.345 kg. Der verfügbare Stauraum lässt sich deshalb nicht beliebig mit schwerem Gepäck füllen. Für Einkäufe und die tägliche Fahrt zu zweit ist das Konzept gedacht; bei umfangreicherem Reisegepäck lohnt sich der Blick auf die Gewichtsgrenze.

Wie weit kommt der smart #2 und wie schnell lädt er?

Der smart #2 soll bis zu 290 km nach WLTP schaffen. DC-Laden von 10 auf 80 % dauert unter optimalen Bedingungen höchstens 20 Minuten. AC-Laden ist je nach Variante mit 7,4 oder 11 kW möglich.

Alle vier Ausstattungslinien erhalten dieselbe LFP-Batterie mit einer angegebenen Kapazität von 35,8 kWh. Auch die Basisversion bietet somit die volle Batteriekapazität und einen serienmäßigen DC-Schnellladeanschluss.
Der kombinierte WLTP-Verbrauch liegt bei 13,6 kWh je 100 Kilometer.

Wie viel Reichweite bleibt im Alltag?

Unabhängige Verbrauchsmessungen aus Fahrtests liegen noch nicht vor. Die verfügbaren Prognosen verorten die kombinierte Reichweite bei etwa 185 km im Winter und 255 km im Sommer. Im sommerlichen Stadtverkehr könnten rund 340 km möglich sein, auf der Autobahn werden etwa 150 km bei winterlichen und 195 km bei sommerlichen Bedingungen erwartet.

Für Stadtfahrten und viele Pendelstrecken versprechen die Werte einen deutlich größeren Aktionsradius als beim elektrischen Fortwo. Dessen rund 135 km WLTP-Reichweite machten häufiges Nachladen schnell zum festen Bestandteil des Tagesablaufs. Beim Nachfolger dürfte das Laden für viele Nutzer seltener anstehen.

Schnellladen gehört zur Serienausstattung

Bis zu 65 kW nimmt der smart #2 an einer DC-Säule auf. Das ist vor allem für diejenigen eine wichtige Verbesserung, die zu Hause keinen Ladeanschluss haben: Sie können während eines kurzen Stopps nachladen, statt das Auto mehrere Stunden an einer AC-Säule stehen zu lassen. Auch gelegentliche längere Fahrten werden dadurch praktikabler. Die überschaubaren Autobahnetappen bleiben allerdings ein Grund, für Urlaubsreisen etwas mehr Zeit einzuplanen.

Beim Wechselstromladen unterscheiden sich die Varianten. Der Pure besitzt einen einphasigen Onboard-Lader; ab Pure+ wird dreiphasig geladen. smart nennt für das Ladefenster von 10 auf 80 % beim Pure fünf Stunden, bei Pure+, Premium und Couture Edition drei Stunden.

Der optional erhältliche 22-kW-AC-Lader des Vorgängers entfällt. Wer regelmäßig an entsprechend leistungsfähigen öffentlichen AC-Säulen lädt, verliert damit eine nützliche Eigenschaft. Dafür ermöglicht der serienmäßige CCS-Anschluss erstmals beim elektrischen smart-Zweisitzer kurze Schnellladestopps. Welche Lösung im eigenen Alltag mehr bringt, hängt vor allem von den verfügbaren Lademöglichkeiten ab.

Strom für Geräte unterwegs

Die serienmäßige V2L-Funktion erlaubt es außerdem, externe Elektrogeräte aus der Fahrzeugbatterie zu versorgen. Über einen Adapter am Ladeanschluss lassen sich beispielsweise eine Kaffeemaschine oder ein Beamer betreiben. Eine belastbare Angabe zur maximalen Ausgangsleistung enthalten die vorliegenden Herstellerunterlagen nicht.

smart #2 Cockpitansicht

smart #2 Cockpit INSTADRIVE ecarso

Was bietet der smart #2 im Innenraum und bei Bedienung und Sicherheit?

Zwei Displays, Smartphone-Einbindung, Klimaautomatik und zahlreiche Fahrassistenten gehören zur Serienausstattung. Die höheren Ausstattungslinien ergänzen unter anderem Sitzheizung, Panoramadach und ein Sennheiser-Soundsystem.


Vertraute Handgriffe und eigene Design-Ideen

Schon beim Einsteigen bleibt der smart unkompliziert: Die klassischen Außentürgriffe müssen weder ausfahren noch aus einer bündigen Position herausgeklappt werden. Innen fallen dagegen ungewöhnlich geformte Griffe auf, die an die Bügel von Kugel-Hanteln erinnern.

Das geschwungene Armaturenbrett und die runden Lüftungsdüsen geben dem Cockpit einen eigenständigen Charakter.
Die Tester loben die Haptik und Verarbeitung. Je nach Variante kommen Stoff, eine Kombination aus Stoff und Kunstleder oder Kunstleder zum Einsatz. Die teureren Ausführungen erhalten außerdem eine mit Kunstleder verkleidete Instrumententafel.

Für wichtige Funktionen bleiben physische Bedienelemente erhalten. Dazu zählen Tasten am Lenkrad sowie Schalter für Fensterheber, Warnblinker und Klimafunktionen. Das 8,8-Zoll-Fahrerdisplay zeigt die Fahrinformationen direkt hinter dem Lenkrad an; der zentrale Touchscreen misst 10,1 Zoll. Über Apple CarPlay oder Android Auto lassen sich etwa die Navigation und Musik vom Smartphone auf dem zentralen Display bedienen.

Ein integriertes Navigationssystem gibt es bei der Premium und der Couture Edition.

Praktische Ablagen statt großer Mittelkonsole

Taschenhaken, ein Staufach in der Mittelarmlehne und ein ausklappbarer Getränkehalter nutzen die wenigen verfügbaren Flächen. Zwei USB-Anschlüsse und eine 12-Volt-Steckdose gehören ebenfalls zur Ausstattung. Pure und Pure+ bieten eine Smartphone-Halterung, während die höheren Varianten eine belüftete induktive Ladeschale erhalten. Ab Pure+ ist der Fahrersitz beheizbar. Premium und Couture Edition ergänzen eine Heizung für Beifahrersitz und Lenkrad sowie eine elektrische Sechswege-Verstellung des Fahrersitzes. Der Beifahrersitz bleibt manuell einstellbar. Ein zusätzlicher Haltegurt am Beifahrersitz verhindert, dass dort abgestellte Taschen verrutschen oder umkippen. Das feste Panoramaglasdach der Premium und Couture Edition besitzt eine manuelle Sonnenblende. Für Farbe im Innenraum sorgt eine Ambientebeleuchtung mit 256 wählbaren Farbtönen; das optionale Sennheiser-System gibt bei der Premium und Couture Edition den Ton auf sieben Lautsprecher aus.

Einige Details entdeckt man erst beim zweiten Hinsehen. Kleine Grafiken und versteckte Motive greifen die smart-Geschichte und die Herkunft des neuen Modells auf. Nett gestaltete Spielereien gehören auch zum charmanten Charakter des #2.

Viele Assistenten bereits im Basismodell

Beim Assistenzumfang müssen Käufer des Pure auf vergleichsweise wenig verzichten. Zur Serienausstattung gehören ein adaptiver Tempomat mit Stop-and-Go-Funktion, Spurhalte- und Totwinkelassistenten sowie Verkehrszeichenerkennung. Hinzu kommen unter anderem ein Stauassistent, eine Querverkehrswarnung hinten und eine Türöffnungswarnung.

Drei hintere Parksensoren unterstützen beim Rangieren. Premium und Couture Edition verfügen zusätzlich über eine Rückfahrkamera. LED-Scheinwerfer mit Fernlichtassistent und ein Regensensor sind dagegen schon beim Einstieg an Bord.

Sieben Airbags einschließlich eines Zentralairbags ergänzen die Sicherheitsausstattung. Für einen Kindersitz stehen Isofix-Halteösen am Beifahrersitz bereit. Wie gut die Assistenten im Verkehr tatsächlich arbeiten, lässt wird sich erst bei Fahrtests beurteilen lassen.

Was kostet der smart #2 und wann kommt er?

Der smart #2 kostet in Deutschland ab 19.990 Euro und ist bereits bestellbar. Die ersten Auslieferungen sind für das zweite Quartal 2027 angekündigt.


Zum Einstiegspreis gibt es die Basisversion Pure. Für den Pure+ verlangt smart mindestens 20.990 Euro, der Premium startet bei 24.490 Euro. Die Couture Edition ist mit einem Grundpreis von 25.690 Euro die teuerste der vier angebotenen Varianten.

Eine sportliche Brabus-Version ist für 2027 im Gespräch. Ein konkreter Preis wurde bislang nicht genannt.

smart #2: Vorteile und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Sehr kompakte Abmessungen und kleiner Wendekreis Nur zwei Sitzplätze
Gutes Platzangebot auch für große Personen Zuladung laut Datenblatt auf 205 kg begrenzt
Praktischer Kofferraum mit geteilter Heckklappe Beifahrersitzlehne nicht vollständig nach vorne umklappbar, kein Frunk
DC-Schnellladen und V2L serienmäßig Kein 22-kW-AC-Lader mehr erhältlich
Umfangreiche Assistenzsysteme bereits in der Basisversion Komfortextras überwiegend an höhere Ausstattungslinien gebunden
Deutlich mehr Reichweite als beim elektrischen Fortwo Auf längeren Autobahnfahrten häufigere Ladestopps zu erwarten

Fazit: Kleine Autos dürfen wieder begehrenswert sein

Die smart #2 Vorstellung macht Lust auf ein Auto, das für viele Fahrten völlig ausreichen kann. Das ist eine gute Nachricht in einem Markt, in dem selbst vermeintliche Kleinwagen immer größer werden. Wer wenig Auto braucht, möchte deshalb schließlich nicht automatisch auf Komfort, gute Verarbeitung oder eine ansprechendes Design verzichten.

Ob aus der Begeisterung bei den ersten Tests auch Verkaufserfolge werden, hängt allerdings davon ab, wie viele Käufer sich bewusst für einen Zweisitzer entscheiden. Als bloßes Zweitauto dürfte der smart manchen zu teuer sein. Als täglich genutztes Fahrzeug könnte er dagegen überzeugender sein als ein günstigerer, aber deutlich größerer Konkurrent.

Die kommenden Fahrtests müssen zeigen, ob er die hohen Erwartungen auch unterwegs erfüllen kann. Gelingt das, könnte der #2 andere Hersteller ermutigen, kleinen Stadtautos wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Platz dafür wäre auf unseren Straßen.

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Simona Marino
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