MG IM5 und IM6 im Check: 800 Volt, fünf Sterne, ein Haken

MG IM5 und IM6 im Check INSTADRIVE ecarso IM5 Front

Vom Schnäppchen zur Technologiemarke: MG erfindet sich neu

Wer MG kennt, kennt die Marke vor allem als Anbieter erschwinglicher Elektroautos. Der MG4, der MG ZS EV, der neue MGS6 - Fahrzeuge, die mit dem Versprechen antraten viel Auto für wenig Geld zu bieten. Mit der neuen Produktlinie MG IM schlägt die zum chinesischen SAIC-Konzern gehörende Marke nun ein neues Kapitel auf. Zwei Modelle stehen dabei im Mittelpunkt: die Limousine MG IM5 und das SUV-Coupé MG IM6. Beide sollen zeigen, dass MG mehr kann als Einsteiger-Elektromobilität - und beide bringen auf dem Papier beeindruckende Werte mit. Doch ein Blick auf die Details lohnt sich: Denn neben echten Stärken gibt es auch eine Schwachstelle, die im Alltagsbetrieb relevant sein könnte.

MG IM5 und IM6 im Check INSTADRIVE ecarso IM5 Heck

Was steckt hinter "MG IM"?

IM steht für "Intelligence in Motion" - und markiert MGs Versuch, vom Preis-Leistungs-Anbieter zur Technologiemarke zu werden.

Oliver Rittierodt, Director Sales von MG Motor Deutschland, hat betont, dass die IM-Baureihe fortschrittlichste Fahrzeugtechnologie auf den deutschen Markt bringen und das technische Potenzial der Marke aufzeigen soll. Das ist ein bemerkenswerter Anspruch für eine Marke, die hierzulande bislang vor allem mit günstigen Einstiegsmodellen assoziiert wird.
Bei IM handelt es sich um eine eigenständige Marke des SAIC-Konzerns, zu dem auch MG gehört. In China ist IM seit 2022 mit eigenen Modellen auf dem Markt. Für den europäischen Auftritt hat SAIC entschieden, die IM-Modelle unter dem bekannteren MG-Dach zu verkaufen - in Deutschland nicht als eigene Submarke, sondern als Produktlinie von MG. Am gesamten Fahrzeug findet sich lediglich ein einziges dezentes MG-Logo am Heck - ansonsten dominieren die IM-Badges.
Der Marktstart in Großbritannien, Norwegen und der Schweiz erfolgte bereits im Juli 2025. Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande folgen zeitgleich im Juli 2026.

Welche Variante des MG IM5 passt zu wem?

Drei Versionen, drei Profile: vom effizienten Alltagsreisenden bis zum Sportwagen-Sprinter.


Mit 4,93 Metern Länge und einem Radstand von 2,96 Metern ist der MG IM5 eine ausgewachsene Limousine - vergleichbar mit dem Hyundai Ioniq 6. Angeboten wird er in drei Varianten, die sich nicht nur in Leistung und Reichweite, sondern auch in Batterietechnologie und Ladetechnik deutlich voneinander unterscheiden.
Die Einstiegsvariante Standard Range setzt auf eine 75-kWh-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) und ein 400-Volt-Bordnetz. Sie leistet 217 kW (295 PS), beschleunigt in 6,8 Sekunden auf 100 km/h und kommt nach WLTP auf 490 Kilometer Reichweite. Die beiden größeren Varianten - Long Range und Performance - nutzen hingegen eine 100-kWh-NMC-Batterie und die modernere 800-Volt-Architektur, die deutlich höhere Ladeleistungen ermöglicht.
Der Long Range ist mit 300 kW (408 PS), 655 Kilometer WLTP-Reichweite und einem Verbrauch von nur 16 kWh pro 100 Kilometer die effizienteste Variante im gesamten IM-Portfolio. Das Performance-Modell schließlich bringt es auf 553 kW (752 PS), sprintet in 3,2 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 268 km/h - Werte, die sonst Sportwagen vorbehalten sind. Die Reichweite sinkt dabei auf 575 Kilometer, der Verbrauch steigt auf 19,7 kWh.

Beim Fahrwerk lohnt ein genauerer Blick: Britische Testberichte zeigen, dass Long Range und Standard Range deutlich komfortabler abgestimmt sind als das Performance-Modell, das auf 21-Zoll-Rädern rollt und kein Luftfahrwerk bekommt - dieses bleibt dem IM6 vorbehalten. Wer den IM5 als entspannten Langstreckenreisenden sucht, ist mit dem Long Range besser bedient. Ein kleiner Wermutstropfen in allen Varianten: Die Heckscheibe ist sehr klein geraten, was die Übersicht nach hinten einschränkt.

Beim Sicherheitstest überzeugt der IM5 mit fünf Sternen bei Euro NCAP (2025) - das gilt übrigens auch für den IM6. Mit einem Wendekreis von nur 9,98 Metern zeigt der IM5 zudem eine für diese Fahrzeuggröße bemerkenswerte Wendigkeit, die der serienmäßigen Allradlenkung zu verdanken ist.

Die wichtigsten Kennzahlen der drei IM5 Varianten im Überblick:

KenngrößeStandard RangeLong RangePerformance
Systemleistung217 kW (295 PS)300 kW (408 PS)553 kW (752 PS)
Batterie / Chemie75 kWh / LFP100 kWh / NMC100 kWh / NMC
Reichweite WLTP490 km655 km575 km
Verbrauch WLTP17,5 kWh/100 km16,0 kWh/100 km19,7 kWh/100 km
0-100 km/h6,8 s4,9 s3,2 s
Höchstgeschwindigkeit200 km/h220 km/h268 km/h
Spannungsebene400 V800 V800 V

Was bietet der MG IM6 gegenüber dem IM5?

Mehr Platz, eine Luftfederungsoption - dafür etwas mehr Verbrauch und Gewicht.


Der MG IM6 teilt sich die technische Basis mit dem IM5, setzt aber andere Prioritäten. Als SUV-Coupé mit 4,90 Metern Länge und 1,67 Metern Höhe bietet er deutlich mehr Platz - vor allem im Kofferraum, der mit 665 Litern spürbar großzügiger ausfällt als die 457 Liter des IM5. Für Familien oder alle, die regelmäßig viel Gepäck transportieren, ist das ein handfestes Kaufargument.
Anders als beim IM5 gibt es beim IM6 keine Einstiegsvariante mit kleinerem Akku: Beide Ausführungen nutzen ausschließlich die 100-kWh-NMC-Batterie mit 800-Volt-Architektur. Die Long-Range-Version leistet 300 kW (408 PS) und kommt nach WLTP auf 555 Kilometer. Das Performance-Modell bringt es auf 553 kW (752 PS), büßt dabei aber Reichweite ein und kommt auf 505 Kilometer - bei einem Verbrauch von 23,4 kWh pro 100 Kilometer.
Das höhere Gewicht gegenüber dem IM5 - je nach Variante zwischen 110 und 112 Kilogramm mehr - erklärt, warum der IM6 trotz identischer Antriebstechnik etwas mehr verbraucht und minimal langsamer ist. Ein Vorteil gegenüber dem IM5 zeigt sich beim Fahrwerk: Das Performance-Modell des IM6 ist optional mit adaptiven Dämpfern und Luftfederung erhältlich, was den Fahrkomfort spürbar verbessert. Der IM5 bekommt diese Option nicht.

Die wichtigsten Kennzahlen der beiden IM6 Varianten im Überblick:

KenngrößeLong RangePerformance
Systemleistung300 kW (408 PS)553 kW (752 PS)
Batterie / Chemie100 kWh / NMC100 kWh / NMC
Reichweite WLTP555 km505 km
Verbrauch WLTP18,2 kWh/100 km23,4 kWh/100 km
0-100 km/h5,4 s3,5 s
Höchstgeschwindigkeit235 km/h239 km/h
Leergewicht2.320 kg2.410 kg

MG IM5 Cockpitansicht

MG IM5 und IM6 im Check INSTADRIVE ecarso Cockpit IM5

MG IM6 Cockpitansicht

MG IM5 und IM6 im Check INSTADRIVE ecarso Cockpit IM6

Wie schnell lädt die IM-Reihe - und wo liegt der Haken?

DC-seitig gehört sie zur Weltspitze. Beim AC-Laden gibt es eine empfindliche Schwachstelle.


Beim Schnellladen zeigen MG IM5 und IM6 beeindruckende Werte. Die Long-Range- und Performance-Varianten beider Modelle unterstützen dank 800-Volt-Architektur maximale DC-Ladeleistungen von bis zu 396 kW. In der Praxis bedeutet das: Von 10 auf 80 Prozent vergehen laut Hersteller lediglich 17 Minuten - vorausgesetzt, der Schnelllader liefert mindestens 350 kW. Die durchschnittliche Netto-Ladeleistung in diesem Fenster liegt bei rund 238 kW. Für Langstreckenfahrer, die regelmäßig an Hochleistungsladern unterwegs sind, ist das ein echter Vorteil.
Die Einstiegsvariante IM5 Standard Range lädt mit ihrem 400-Volt-Bordnetz langsamer: Hier sind maximal 153 kW DC möglich, die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent beträgt rund 26 Minuten. Das ist solide, aber kein Spitzenwert mehr.
Und damit zum bereits angesprochenen Haken. Denn während die DC-Ladewerte beeindrucken, sieht es beim AC-Laden anders aus. Laut ADAC-Datenbank verfügen beide Modelle lediglich über einen einphasigen AC-Lader mit 7 kW. In Deutschland, wo einphasig in der Regel auf 4,6 kW begrenzt ist, bedeutet das: An einer handelsüblichen 11-kW-Wallbox sind effektiv nur 3,7 kW möglich. Zum Vergleich - viele Mitbewerber in dieser Klasse laden mit 11 kW dreiphasig, manche sogar mit bis zu 22 kW. Wer den IM5 oder IM6 täglich zu Hause lädt, braucht entsprechend mehr Zeit, um die große Batterie wieder aufzufüllen. Das ist ein Punkt, den Kaufinteressierte vorab einplanen sollten.

Was ist beim MG IM5 und beim MG IM 6 serienmäßig an Bord?

Mehr als man für den Preis erwarten würde - von der Allradlenkung bis zum 20-Lautsprecher-Audiosystem.


Was MG IM5 und IM6 serienmäßig mitbringen, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: viel. Zu viel, um einzeln darauf einzugehen - deshalb die wichtigsten Punkte im Überblick.
Das Cockpit wird von einem 26,3 Zoll großen Panoramadisplay dominiert, das Infotainment und Fahrzeugfunktionen vereint. Dazu gibt es einen 50-Watt-Wireless-Charger sowie ein Audiosystem mit 20 Lautsprechern. Der Fahrersitz ist 12-fach elektrisch verstellbar und verfügt über eine Memory-Funktion, der Beifahrersitz ist 6-fach elektrisch einstellbar. Beide Sitze sind beheizt und belüftet. Eine Wärmepumpe gehört ebenfalls zur Serienausstattung - ein wichtiger Faktor für die Effizienz im Winter.
Technisch besonders interessant ist die serienmäßige Allradlenkung. Sie ermöglicht beim IM5 einen Wendekreis von lediglich 9,98 Metern - bemerkenswert für ein fast fünf Meter langes Fahrzeug. Ergänzt wird sie durch den sogenannten Crab Mode, bei dem sich das Fahrzeug diagonal bewegen kann. Beide Funktionen sind bislang vor allem aus dem Premium- und Luxussegment bekannt.
Darüber hinaus bieten die Fahrzeuge viele softwarebasierte Assistenzfunktionen, darunter einen Rainy Night Mode, der bei schlechter Sicht die Umgebung auf dem Display abbildet, sowie eine automatische Einparkfunktion. Eine besondere Funktion: Das Fahrzeug merkt sich die zuletzt gefahrene Route und kann diese rückwärts automatisch nachfahren - bis zu 100 Meter weit, praktisch etwa beim Verlassen enger Einfahrten.

Was kosten MG IM5 und IM6 - und gegen wen treten sie an?

Offizielle DE-Preise fehlen noch. Die britischen Preise deuten auf ein konkurrenzfähiges Angebot hin.


Offizielle Preise für Deutschland hat MG bislang nicht kommuniziert. Als Orientierung sollen die britischen Preise dienen: Der IM5 startet dort ab rund 39.450 Pfund, der IM6 ab etwa 47.995 Pfund - umgerechnet grob 46.000 und 56.000 Euro. Für Deutschland werden Einstiegspreise in einem ähnlichen Rahmen erwartet.
Damit würden sich beide Modelle direkt gegen eine Reihe namhafter Wettbewerber positionieren. Im Limousinen-Segment trifft der IM5 auf Teslas Model 3, den BYD Seal oder den Xpeng P7+, aber auch auf deutsche Modelle wie den Volkswagen ID.7, den Audi A6 e-tron und den Mercedes-Benz EQE. Der IM6 wiederum konkurriert im SUV-Segment mit dem Tesla Model Y, dem BYD Sealion 7 sowie dem Volkswagen ID.4 und ID.5.
Rein auf dem Papier bringt die IM-Reihe dabei ein Paket mit, das in dieser Preisklasse ungewöhnlich ist und zum Beispiel mit 800-Volt-Technik, Allradlenkung und 20-Lautsprecher-Audiosystem glänzen kann. Hinzu kommt eine Garantie, die sich im Wettbewerbsvergleich sehen lassen kann: 7 Jahre bzw. 150.000 Kilometer auf Fahrzeug und Batterie gleichermaßen - mehr als BYD, deutlich mehr als Tesla beim Fahrzeug und weit mehr als deutsche Hersteller.

Fazit: Starkes Paket mit einer offenen Frage

MG IM5 und IM6 sind technisch ernstzunehmende Fahrzeuge, die etablierte Premiumhersteller unter Druck setzen. 800-Volt-Technik, Allradlenkung und ein 20-Lautsprecher-Audiosystem serienmäßig, dazu eine Fahrzeuggarantie von 7 Jahren, die länger ist als die von Tesla, BYD und allen deutschen Wettbewerbern - das ist ein starkes Gesamtpaket.

Die AC-Ladeproblematik zeigt aber, dass selbst ambitionierte Modelle wie die IM-Reihe blinde Flecken haben - ausgerechnet dort, wo die meisten deutschen Käufer täglich laden. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz auf eine 11-kW-Wallbox angewiesen ist, sollte einplanen, dass effektiv nur 3,7 kW ankommen. Das erfordert Planung und trübt den Gesamteindruck ein wenig.

Sobald MG die deutschen Preise offiziell kommuniziert, wird sich zeigen, ob das Paket überzeugt. Die britischen Erfahrungen der letzten zwölf Monate legen nahe: Es könnte knapp werden für die Konkurrenz.

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Simona Marino
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