E-Auto abschleppen: Wie Rechnungen bis 20.000 € möglich sind

Hohe Abschleppkosten bei Elektroautos verstehen

Elektroautos sind heute für viele Menschen Alltag. Dennoch herrscht rund um einige Themen noch Unsicherheit. Dazu gehört zum Beispiel das Abschleppen von E-Autos nach einem Unfall. Begriffe wie Hochvoltbatterie, Brandgefahr oder spezielle Sicherheitsmaßnahmen sorgen schnell für ein Schulterzucken – sowohl bei Fahrern als auch bei manchen Dienstleistern.

In den vergangenen Jahren sind Fälle bekannt geworden, in denen für das Abschleppen eines Elektroautos extrem hohe Rechnungen ausgestellt wurden – teilweise im fünfstelligen Bereich. Wie zu erwarten ist dabei nicht jede Maßnahme rund um ein beschädigtes E-Auto automatisch notwendig oder gerechtfertigt.

Es lohnt sich deshalb, die Hintergründe zu kennen. Wenn du weißt, welche Arbeiten beim Abschleppen tatsächlich erforderlich sind und welche nicht, kannst du Kosten besser einschätzen und im Zweifel auch kritisch hinterfragen.

Warum können Abschlepprechnungen für Elektroautos so hoch ausfallen?

Zusatzleistungen bei Bergung und Transport haben einzelne Abschlepprechnungen für Elektroautos über 20.000 Euro steigen lassen.


Hin und wieder tauchen Berichte über besonders hohe Abschleppkosten bei Elektroautos auf. Ein bekannt gewordener Fall betrifft beispielsweise einen verunfallten Peugeot e-208. Für dessen Bergung und Transport stellte das Abschleppunternehmen eine Rechnung von mehr als 20.000 Euro aus. Die Kosten wurden zwar letztlich von der Versicherung übernommen, der Fall sorgte jedoch für erhebliche Aufmerksamkeit und macht deutlich, welche Summen in Einzelfällen auf einen zukommen können.

Solche Fälle existieren nicht völlig isoliert. Auch Versicherungsunternehmen beobachten seit einiger Zeit auffällige Unterschiede bei den Abschleppkosten von Elektroautos und Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb. Eine Auswertung der Allianz Versicherung zeigt beispielsweise, dass beim Abschleppen von Elektrofahrzeugen im Durchschnitt fast doppelt so hohe Rechnungen eingereicht werden. Grundlage dieser Einschätzung sind überprüfte Abschlepprechnungen aus dem Jahr 2025. Die Spannweite der Beträge ist dabei groß. Der höchste Betrag, der gegenüber der Allianz geltend gemacht wurde, lag bei 19.217 Euro.

Entscheidend ist dabei, dass die hohen Kosten in der Regel nicht durch das eigentliche Abschleppen entstehen. Vielmehr treiben zusätzliche Leistungen rund um Bergung, Transport und besondere "Sicherheitsmaßnahmen" die Rechnungen nach oben. In einzelnen Fällen tauchen auf Abschlepprechnungen beispielsweise Posten wie eine „Vorbesprechung vor dem Transport“ in Höhe von rund 1.700 Euro auf. Zusätzlich werden teilweise sogenannte Batterieexperten hinzugezogen, deren Honorar in einem dokumentierten Fall mit 1.650 Euro berechnet wurde.

Auch Maßnahmen direkt am Fahrzeug können als zusätzliche Kostenposition erscheinen. In einem Fall wurde etwa der Akku eines beschädigten Elektroautos aus dem Fahrzeug herausgeschnitten und anschließend in einer speziellen Sicherheitsbox gelagert. Diese Maßnahme wurde dann mit 2.450 Euro netto berechnet. Darüber hinaus können weitere Positionen wie der Einsatz spezieller Bergungsfahrzeuge auf der Rechnung auftauchen. Diese "Zusatzleistungen" können dann dazu führen, dass einzelne Abschlepprechnungen exorbitant teuer werden.

Wie gefährlich sind beschädigte Elektroautos wirklich – und wann ist Quarantäne sinnvoll?

Beschädigte Hochvoltbatterien können unter bestimmten Bedingungen kritisch reagieren, weshalb Fahrzeuge in Einzelfällen vorsorglich auf speziellen Quarantäneflächen abgestellt werden.

Elektroautos speichern ihre Energie in Lithium-Ionen-Batterien. Nach einem Unfall stellt sich deshalb die Frage, ob von der Batterie eine besondere Gefahr ausgehen kann. Grundsätzlich gilt: Ein Brand oder eine kritische Reaktion entsteht nicht automatisch durch eine Kollision. Damit eine Batterie brennt, müssen mehrere Faktoren zusammenkommen.

Eine mögliche Ursache ist eine mechanische Beschädigung der Batterie. Wird die Struktur einzelner Zellen beschädigt, kann es zu einem internen Kurzschluss kommen. Dieser kann wiederum eine starke Erwärmung auslösen.
Kritische Prozesse innerhalb der Batterie beginnen in der Regel erst bei sehr hohen Temperaturen. Als Richtwert wird häufig ein Bereich von etwa 150 °C genannt. Erst unter solchen Bedingungen kann eine sogenannte thermische Reaktion entstehen.

Explosionen gelten als sehr unwahrscheinlich. Moderne Batteriesysteme verfügen über Überdruckventile, die einen gefährlichen Druckaufbau verhindern sollen. Dennoch gibt es Anzeichen, die auf eine mögliche Beteiligung der Batterie an einem Brand hindeuten können. Dazu zählen beispielsweise Rauchentwicklung, Zisch- oder Pfeifgeräusche sowie Funkenbildung.

Aus Vorsicht werden beschädigte Elektroautos in bestimmten Situationen zunächst gesondert abgestellt und beobachtet. Solche Maßnahmen kommen vor allem dann infrage, wenn die Batterie stark beschädigt sein könnte oder wenn Hinweise auf eine mögliche Reaktion vorliegen. Ziel ist es, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und ein Übergreifen eines Brandes auf andere Fahrzeuge oder Gebäude zu verhindern. Bleiben Auffälligkeiten wie Temperaturanstiege oder Rauchentwicklung aus, kann das Fahrzeug in der Regel nach einigen Tagen wieder normal weiterbehandelt werden. Die Entscheidung darüber basiert auf einer technischen Risikobewertung sowie auf Vorgaben der Fahrzeughersteller.

Was dürfen Abschleppunternehmen machen – und warum gehört die Batterie in die Werkstatt?

Abschleppdienste transportieren, Fachbetriebe reparieren.


Beim Abschleppen eines Elektroautos gelten grundsätzlich ähnliche Abläufe wie bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Die Aufgabe des Abschleppdienstes besteht in erster Linie darin, das beschädigte Fahrzeug zu bergen und sicher zu transportieren. Technische Arbeiten am Hochvoltsystem gehören dagegen in der Regel nicht zu den Aufgaben eines Abschleppunternehmens.

Für den Umgang mit Elektrofahrzeugen im Abschleppalltag ist normalerweise eine sogenannte fachkundig unterwiesene Person (FuP 1S) erforderlich. Diese ist dazu berechtigt, einfache Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystem durchzuführen, etwa das Bergen oder Transportieren eines beschädigten Elektroautos. Eingriffe in das Hochvoltsystem selbst sind jedoch nicht vorgesehen.

Die Hochvoltbatterie eines Elektroautos ist ein komplexes Bauteil, dessen Diagnose oder Ausbau spezielles Fachwissen und entsprechende Ausrüstung erfordert. Solche Arbeiten sind deshalb in der Regel Werkstätten vorbehalten, die über entsprechend qualifizierte Fachkräfte verfügen. Dort stehen auch Werkzeuge, Messgeräte sowie weitere Sicherheitsausrüstung zur Verfügung, die für Arbeiten am Hochvoltsystem notwendig sind.

Hinzu kommt, dass eine zuverlässige Bewertung des Batteriezustands häufig nur mit Hilfe der Diagnosevorgaben des Fahrzeugherstellers möglich ist. Diese Informationen stehen typischerweise nur autorisierten Werkstätten oder spezialisierten Betrieben zur Verfügung. Deshalb wird der technische Zustand der Batterie nach einem Unfall normalerweise erst in der Werkstatt genauer untersucht, nachdem das Fahrzeug dorthin transportiert wurde.

Welche neuen Branchenregeln sollen Abschleppkosten transparenter machen?

Eine neue Handlungsempfehlung der Automobilbranche soll klare Standards für Bergung, Transport und Umgang mit beschädigten Elektroautos schaffen.


Um mehr Klarheit in den Umgang mit havarierten Elektroautos zu bringen, hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam mit verschiedenen Fachorganisationen eine umfassende Handlungsempfehlung erarbeitet. Das Dokument wurde im Dezember 2025 veröffentlicht. Ziel ist es, den sicheren und normgerechten Umgang mit beschädigten Elektrofahrzeugen zu beschreiben und damit für alle Beteiligten eine gemeinsame Grundlage zu schaffen.

An der Erstellung dieser Empfehlungen waren unterschiedliche Bereiche beteiligt. Neben der Automobilindustrie wirkten auch Vertreter der Versicherungswirtschaft, Abschleppverbände sowie Ausbildungsstätten der Feuerwehr mit. Die Handlungsempfehlung bündelt damit Fachwissen aus mehreren Branchen, die im Ernstfall gemeinsam mit beschädigten Elektrofahrzeugen zu tun haben.

Ein wichtiger Schwerpunkt der Empfehlungen liegt auf klaren Zuständigkeiten. So wird beschrieben, welche Aufgaben beispielsweise bei der Feuerwehr liegen, welche Tätigkeiten Abschleppunternehmen übernehmen und welche Arbeiten ausschließlich in spezialisierten Werkstätten erfolgen sollten. Ziel dieser Struktur ist es, unnötige Maßnahmen zu vermeiden und gleichzeitig einen sicheren Umgang mit beschädigten Hochvoltfahrzeugen zu gewährleisten.

Solche gemeinsamen Standards sollen helfen, Unsicherheiten zu reduzieren. Wenn alle Beteiligten nach ähnlichen Leitlinien arbeiten, lassen sich Entscheidungen rund um Bergung, Transport und Sicherung eines beschädigten Elektroautos besser nachvollziehen. Das kann langfristig auch dazu beitragen, Streit über überhöhte Rechnungen oder fragwürdige Zusatzmaßnahmen zu vermeiden.

Fazit: Wie können sich E-Auto-Fahrer vor überraschend hohen Abschleppkosten schützen?

Elektroautos stellen Abschleppdienste, Werkstätten und Einsatzkräfte vor neue technische Fragen. Gleichzeitig zeigt die Diskussion über einzelne sehr hohe Rechnungen, dass rund um Bergung und Transport beschädigter Elektrofahrzeuge noch nicht überall klare und einheitliche Abläufe etabliert sind. Deshalb bemühen sich Branchenverbände, Versicherungen und Hersteller inzwischen stärker um gemeinsame Standards und nachvollziehbare Verfahren.

Für Fahrer eines Elektroautos bedeutet das vor allem eines: Ein gewisses Grundverständnis der Abläufe kann helfen, Situationen besser einzuordnen. Wer weiß, welche Aufgaben ein Abschleppdienst tatsächlich übernimmt und welche Arbeiten normalerweise erst in einer Werkstatt stattfinden, kann Maßnahmen und Kosten im Zweifel auch kritisch hinterfragen.

Das bedeutet nicht, dass jede hohe Rechnung automatisch ungerechtfertigt ist. Nach schweren Unfällen können zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen durchaus sinnvoll sein. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Diskussion, dass fehlende Informationen leicht zu Missverständnissen oder überhöhten Erwartungen führen können. Sich mit den grundlegenden Abläufen vertraut zu machen, ist daher ein wichtiger Schritt, um im Ernstfall nicht von unerwartet hohen Abschleppkosten überrascht zu werden. Einen guten Überblick bietet die Handlungsempfehlung des Verbands der Automobilindustrie zum Umgang mit havarierten Elektrofahrzeugen.

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Simona Marino
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