Warum Autos wieder physische Tasten brauchen

VW ID.3 Neo im Check Cockpit INSTADRIVE ecarso

Tasten kommen zurück - warum die Automobilbranche endlich aufgewacht ist

Es gibt eine alte Designweisheit: Gute Technik verschwindet bei ihrer Benutzung. Sie fällt nicht auf. Sie ist einfach da, funktioniert, und lässt den Menschen tun, was er tun möchte. Schlechte Technik hingegen drängt sich in den Vordergrund. Sie verlangt Aufmerksamkeit, Geduld, manchmal sogar Unterwerfung. Das ist in den letzten Jahren in vielen Fahrzeugen, einige von ihnen Elektrofahrzeuge zuhauf passiert: Die Bedienungselemente des Fahrzeugs haben aufgehört, dem Fahrer zu dienen - und haben angefangen, ihn zu sehr zu beschäftigen. Wie es dazu kommen konnte und wie aktuell wieder der alte Weg eingeschlagen wird, sehen wir uns heute genauer an.

Warum hat die Automobilbranche auf Touchscreens gesetzt?

Touchscreens wurden aus dem Wunsch nach Modernität eingeführt, ohne die Nutzung im Auto ausreichend zu hinterfragen.

Man muss fair sein: Die Idee war verführerisch. Als Apple 2007 das iPhone vorstellte, veränderte sich die Art, wie Menschen mit Technologie umgehen, fundamental. Der Touchscreen wurde zur universellen Metapher für Modernität, Eleganz und Zukunft. Kein Wunder, dass die Automobilbranche ansprang. Wer wollte schon mit einem Armaturenbrett voller Knöpfe, Schalter und Regler als rückständig gelten, wenn man stattdessen eine glatte, glänzende, futuristische Fläche anbieten konnte?

VW-Markenchef Thomas Schäfer beschreibt es rückblickend so: Ein „Geist von Design und Bedienung im Stil des iPhones" hatte die Branche erfasst – und es war, so Schäfer, „schwierig, die Designer von dieser Idee abzubringen."

Warum sind Touchscreens im Auto ein Sicherheitsproblem?

Touchscreens zwingen Fahrer zum Hinsehen und erhöhen dadurch die Ablenkung während der Fahrt.


Wer auf einem modernen Touchscreen die Temperatur ändern, die Lautstärke anpassen oder die Sitzheizung einschalten möchte, muss oft erst das richtige Menü finden, dann die richtige Unterebene, dann den richtigen Regler. Das kostet Zeit. Aber selbst dort, wo die Funktion nur einen Tipp entfernt ist, bleibt ein grundlegendes Problem: Eine Touchfläche gibt keine haptische Rückmeldung. Man muss hinschauen – um zu treffen, um zu kontrollieren, ob man getroffen hat, und manchmal um zu prüfen, ob die Eingabe überhaupt registriert wurde. Ein physischer Schalter hingegen lässt sich blind bedienen. Man spürt, dass man ihn gefunden hat. Man spürt, dass er eingerastet ist. Der Blick bleibt auf der Straße.

Der ADAC hat in einem "Bedienbarkeits-Vergleichstest" verschiedener Fahrzeuge das Modell mit den wenigsten physischen Tasten auf dem letzten Platz gelistet.
Euro NCAP hat auch Konsequenzen gezogen und zieht seit Anfang 2025 bei seinen Sicherheitstests Bewertungspunkte ab, wenn ein Fahrzeug zu stark auf Touchscreens setzt.
Und China hat im Februar 2026 per Gesetz festgelegt, dass zentrale Fahrzeugfunktionen wieder über physische Schalter erreichbar sein müssen.

Touchscreens hinter dem Steuer sind kein ästhetisches Problem. Sie sind ein Sicherheitsproblem.

Warum führen Touch-Bedienelemente zu Frust beim Autofahren?

Fehlende Haptik und unzuverlässige Reaktionen sorgen für Frust und Fehlbedienungen.

Ablenkung ist aber nur die eine Seite. Die andere ist schlicht Frust. Und der entsteht nicht nur durch zu viele Menüebenen, sondern durch Technik, die schlicht nicht perfekt funktioniert.

Das bekannteste Beispiel sind die kapazitiven Bedienelemente am Lenkrad – jene berührungsempfindlichen Flächen, die VW-Markenchef Schäfer in einem Interview kürzlich ohne Umschweife „berührungsempfindlichen Mist" nannte. Wer je versucht hat, mit einem kapazitiven Schieberegler am Lenkrad die Lautstärke zu regeln – und dabei entweder keine Reaktion, eine verzögerte Reaktion oder die völlig falsche Reaktion bekommen hat – weiß, wovon er spricht. VW hat das erkannt: Der ab sofort bestellbare ID.3 Neo wurde bereits ohne diese Touch-Elemente am Lenkrad designt. Dort sitzen wieder physische Tasten.

Ähnliche Kritik traf den Touchschieberegler unterhalb des Hauptdisplays bei Skoda-Elektromodellen wie dem Enyaq: träge Reaktion, keine haptische Rückmeldung, kaum ohne Hinsehen bedienbar. Und damit sind wir beim nächsten Problem: Kapazitive Flächen und Touchleisten haben keine physische Form. Man kann sie nicht ertasten. Bei Nacht, bei direkter Sonneneinstrahlung oder schlicht bei schlechter Beleuchtung - ein Problem, das in Testberichten mehrfach auftauchte - sind sie schwer zu erkennen, geschweige denn zu bedienen. Ein klassischer Drehregler oder Schalter hingegen liegt immer dort, wo man ihn erwartet. Blind. Ohne Nachdenken. Genau so, wie es sein sollte.

Warum kehren Hersteller wieder zu physischen Tasten zurück?

Daten, Tests und Nutzerfeedback zeigen klar, dass physische Bedienelemente überlegen sind.


VW ist nicht allein. Mercedes-Software-Chef Magnus Östberg brachte es im September 2025 auf den Punkt: „Die Daten zeigen, dass physische Tasten besser sind." Die neuen Modelle GLC EQ und CLA Shooting Brake setzen entsprechend wieder auf Wipptasten, Drehregler und Knöpfe. Bei VW selbst wird der ID.Polo - geplant für Herbst 2026 - das erste Modell sein, das das neue Bedienkonzept konsequent umsetzt: physische Tasten am Lenkrad, echte Schalter für Heizung und Lautstärke, vier separate Fensterheberschalter. Der Touchscreen bleibt – aber es dreht sich nicht mehr alles um ihn. Und VW-Designchef Andreas Mindt hat bereits Anfang 2025 bestätigt, dass dieser Ansatz für alle künftigen Volkswagen-Modelle gelten wird.

Fazit: Warum intuitive Bedienung im Auto entscheidend ist

Am Ende ist das alles keine technische Frage. Es ist eine menschliche. Der Philosoph Martin Heidegger beschrieb Werkzeuge einmal als „zuhanden" - sie verschwinden im Gebrauch, wenn sie gut sind. Man greift zum Hammer und denkt nicht an den Hammer, man denkt an den Nagel. Genauso sollte ein Lenkradtaster funktionieren: Man greift hin, drückt, es passiert etwas. Fertig. Kein Hinschauen, kein Suchen, kein zweites Antippen, weil das erste nicht registriert wurde.

Der Touchscreen-Hype im Auto war der Versuch, ein Werkzeug durch ein Erlebnis zu ersetzen. Das mag im Wohnzimmer funktionieren. Im Auto, wo Sekunden und Reflexe über Sicherheit entscheiden, ist Intuition keine Komfortoption – sie ist eine Notwendigkeit. Es ist gut, dass die Branche das wieder versteht.

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Simona Marino
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