
Geely E2: Günstig, geräumig und überraschend komplett?
Mit dem E2 bringt Geely einen Elektro-Kleinwagen nach Europa, der vor allem wegen seines niedrigen Einstiegspreises auffällt.
Der Name Geely ist in Deutschland zwar noch vergleichsweise wenig bekannt, der chinesische Konzern steht jedoch hinter Marken wie Volvo, Polestar und Smart. Der E2 selbst ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt: 2025 war das Modell laut IHS mit 465.775 verkauften Fahrzeugen weltweit der meistverkaufte Kleinwagen im A/B-Segment.
In Europa positioniert Geely den E2 als besonders günstigen, alltagstauglichen Elektro-Kleinwagen. In den ersten Fahrtests fällt vor allem auf, wie viel Platz, Ausstattung und Alltagstauglichkeit Geely in ein kompaktes Fahrzeug gepackt hat. Ganz ohne Kompromisse kommt der E2 allerdings nicht aus.
Vor allem beim Laden und auf schnellen Autobahnetappen zeigen sich die Grenzen. Das Gesamtpaket hinterlässt bei mehreren Testern aber einen deutlich stärkeren Eindruck, als es der Preis zunächst vermuten lässt. Wie sich der Geely E2 in der Praxis schlägt und wo seine Stärken und Schwächen liegen, zeigt unser ausführlicher Testbericht.
Was bietet der Geely E2 für knapp 20.000 Euro?
Der Geely E2 startet in Deutschland bei 19.990 Euro für die Einstiegsvariante Pro. Es folgen die Varianten Max für 23.990 Euro und Ultra für 26.990 Euro, die vor allem bei Batteriegröße, Leistung und Ausstattung zulegen.
Der Pro bildet den Einstieg und ist bereits umfangreich ausgestattet. Serienmäßig sind unter anderem Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Apple CarPlay und Android Auto sowie ein großes Assistenzpaket an Bord. Für 4.000 Euro Aufpreis folgt der Max mit größerer Batterie, stärkerem Motor sowie zusätzlichen Komfortfunktionen wie Sitz- und Lenkradheizung.
Der Ultra übernimmt die Technik des Max und ergänzt vor allem Ausstattungsdetails. Dazu gehören unter anderem Leichtmetallräder, elektrische Heckklappe, Zweifarblackierung, Ambientebeleuchtung, induktive Smartphone-Ladeschale und eine 540-Grad-Panoramakamera.
Damit positioniert Geely den E2 klar unter mehreren direkten Konkurrenten. Renault 5, VW ID. Polo und BYD Dolphin Surf starten jeweils teurer. Hinzu kommt eine Garantie von acht Jahren beziehungsweise 200.000 Kilometern. Gerade bei einer Marke, die in Deutschland erst ein Händler- und Servicenetz aufbaut, ist das ein wichtiger Punkt.
Wie viel Platz bietet der Geely E2?
Trotz nur 4,14 Metern Länge bietet der Geely E2 viel Platz für Passagiere. Für Gepäck stehen 375 Liter Kofferraum und zusätzlich ein ungewöhnlich großer 70-Liter-Frunk bereit.
Mit 4.135 Millimetern Länge und 1.805 Millimetern Breite gehört der E2 zum Kleinwagenformat. Sein Radstand von 2.645 Millimetern schafft allerdings gute Voraussetzungen für einen geräumigen Innenraum. Vor allem auf der Rückbank fällt das auf: Die Tester berichten von viel Knie- und Kopffreiheit, hinzu kommt ein ebener Fahrzeugboden ohne störenden Mitteltunnel. Selbst größere Erwachsene finden hinten ordentlich Platz.
Vorne bietet der E2 ebenfalls viel Platz und eine gute Kopffreiheit. Bei sehr großen Personen kann die Sitzposition allerdings etwas weniger bequem ausfallen. Durch den relativ hohen Fahrzeugboden werden die Beine stärker angewinkelt, außerdem wird der Platz in Richtung Lenkrad und Mittelkonsole knapper.
Der hintere Kofferraum fasst 375 Liter und wächst bei umgeklappter Rückbank auf 1.320 Liter. Damit bietet der kleine Geely ein ordentliches Ladeabteil, auch wenn die Umsetzung nicht überall perfekt ist. Die Tester bemängeln unter anderem die deutliche Stufe bei umgelegten Rücksitzen, die Ladekante und den fehlenden doppelten Ladeboden. Auch die Hutablage ist einfach ausgeführt und wird beim Öffnen der Heckklappe nicht automatisch angehoben.
Eine Besonderheit sitzt dafür unter der Fronthaube. Weil der Elektromotor an der Hinterachse arbeitet, bleibt vorne Platz für einen 70 Liter großen Frunk. Dort verschwinden nicht nur Ladekabel, sondern sogar größeres Handgepäck. Für ein Auto dieser Größe ist das ungewöhnlich viel zusätzlicher Stauraum.
Wie fährt sich der Geely E2?
Der Geely E2 fährt komfortabel, wendig und profitiert in der Stadt vom Heckantrieb. Auf der Autobahn setzt die auf 130 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit allerdings klare Grenzen.
Anders als die meisten Elektroautos dieser Klasse treibt der E2 die Hinterräder an. Die Basisversion leistet 60 kW, die beiden stärkeren Varianten kommen auf 85 kW. Das maximale Drehmoment beträgt jeweils 150 Nm. Für sportliche Fahrleistungen ist der Geely damit nicht ausgelegt: Mit dem größeren Akku vergehen 11,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, mit dem kleineren sind es 14,2 Sekunden.
Im Alltag passt diese Fahrleistungen jedoch gut zum Charakter des Autos. Die Tester beschreiben das Fahrwerk als weich und komfortabel abgestimmt, ohne dass der E2 auf normalen Straßen unangenehm nachschwingt. An der Hinterachse setzt Geely auf eine Mehrlenker-Konstruktion, die in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich ist. Zusammen mit dem Heckantrieb reagiert der Wagen besonders im Stadt- und Landstraßenverkehr angenehm agil.
Dabei hilft auch der Wendekreis von nur 9,9 Metern. Enge Straßen, Parkhäuser oder Wendemanöver machen dem E2 entsprechend wenig Mühe. Die Lenkung ist leichtgängig und lässt sich ebenso wie das Ansprechverhalten über verschiedene Fahrmodi anpassen. Zur Wahl stehen Eco, Komfort, Sport und Schnee.
Bei der Rekuperation gibt es drei Stufen. Vollständiges One-Pedal-Driving beherrscht der E2 jedoch nicht, und auch echtes Segeln ist laut Fahrtest nicht möglich. Zum Stillstand muss daher weiterhin mit dem Bremspedal verzögert werden.
Weniger zuhause fühlt sich der Geely bei höherem Autobahntempo. Ab etwa 80 km/h lässt der Beschleunigungsdruck spürbar nach, bei 130 km/h ist offiziell Schluss. In den Tests zeigte der Tacho zwar bis zu 137 beziehungsweise 138 km/h, per GPS wurden rund 135 km/h gemessen. Gleichzeitig nehmen Wind- und Abrollgeräusche deutlich zu. Auch die Straßenlage wirkt bei hohem Tempo weniger satt als bei einigen europäischen Konkurrenten. Für Stadt, Umland und normale Überlandfahrten passt die Abstimmung daher deutlich besser als für häufige schnelle Autobahnetappen.
Wie weit kommt der Geely E2 und wie schnell lädt er?
Je nach Version schafft der Geely E2 252 oder 345 Kilometer WLTP. Beim Schnellladen sind bis zu 80 kW möglich, beim AC-Laden gibt es dagegen eine klare Schwäche.
Geely bietet den E2 mit zwei LFP-Batterien an. Die kleinere Version speichert 35 kWh, die größere 47 kWh. EV Database kalkuliert für die kleine Batterie unter realistischen Bedingungen rund 215 Kilometer Reichweite, für die große etwa 280 Kilometer. Je nach Wetter und Einsatzprofil kann die Spanne deutlich größer ausfallen. Im Sommer nennt die Datenbank für die 47-kWh-Version beispielsweise bis zu 430 Kilometer in der Stadt, auf der Autobahn bei konstant 110 km/h dagegen nur rund 255 Kilometer.
Die Fahrtests zeichnen ein ähnliches Bild. Im Stadtverkehr wurden mit dem größeren Akku Verbrauchswerte von etwa 10 bis 11 kWh/100 km gemessen. Auf der Autobahn lagen die Werte bei rund 18 bis 19 kWh/100 km. Bei 130 km/h ergibt sich damit eine reale Reichweite von ungefähr 250 Kilometern. Bei 100 km/h waren in einem Test rund 13,5 kWh/100 km möglich, was rechnerisch deutlich mehr Reichweite erlaubt. Der E2 ist damit vor allem bei niedrigerem Tempo gut zu gebrauchen.
Beim DC-Laden unterscheiden sich die beiden Batteriegrößen. Die kleine Version erreicht maximal 60 kW, die größere bis zu 80 kW. Interessanter als der Spitzenwert ist die Ladekurve: In einem Praxistest benötigte die 47-kWh-Version von 10 auf 80 Prozent nur 26 Minuten und 10 Sekunden. Selbst bei 80 Prozent lag die Ladeleistung noch bei knapp 60 kW. Das spricht für ein vergleichsweise stabiles Ladeverhalten, auch wenn die absolute Spitzenleistung nicht besonders hoch ausfällt.
Geely bietet den E2 mit zwei LFP-Batterien an. Die kleinere Version speichert 35,35 kWh, die größere 47,14 kWh. EV Database kalkuliert für die kleine Batterie unter realistischen Bedingungen rund 215 Kilometer Reichweite, für die große etwa 280 Kilometer. Je nach Wetter und Einsatzprofil kann die Spanne deutlich größer ausfallen. Im Sommer nennt die Datenbank für die 47-kWh-Version beispielsweise bis zu 430 Kilometer in der Stadt, auf der Autobahn bei konstant 110 km/h dagegen rund 255 Kilometer.
Die Fahrtests zeichnen ein ähnliches Bild. Im Stadtverkehr wurden mit dem größeren Akku Verbrauchswerte von etwa 10 bis 11 kWh/100 km gemessen. Auf der Autobahn lagen die Werte bei rund 18 bis 19 kWh/100 km. Bei 130 km/h ergibt sich damit eine reale Reichweite von ungefähr 250 Kilometern. Bei 100 km/h waren in einem Test rund 13,5 kWh/100 km möglich, was rechnerisch deutlich mehr Reichweite erlaubt. Der E2 ist damit vor allem bei niedrigerem Tempo effizient.
Beim DC-Laden unterscheiden sich die beiden Batteriegrößen. Die kleine Version erreicht maximal 60 kW, die größere bis zu 80 kW. Geely gibt für den Ladevorgang von 30 auf 80 Prozent 25 Minuten an. In einem unabhängigen Praxistest schnitt die 47-kWh-Version besser ab: Von 10 auf 80 Prozent vergingen lediglich 26 Minuten und 10 Sekunden. Unter welchen Bedingungen der Herstellerwert ermittelt wurde, wissen wir allerdings nicht und auch die Bedingungen des Praxistests kennen wir nicht.
Problematisch ist das AC-Laden. Der E2 lädt nur einphasig mit maximal 6,6 kW. An einer üblichen 11-kW-Wallbox stehen deshalb lediglich rund 3,7 kW zur Verfügung. Erst an einer 22-kW-Wallbox kann das Auto seine maximale AC-Ladeleistung ausschöpfen. Gerade für Fahrer, die regelmäßig an öffentlichen AC-Säulen laden, ist das ein relevanter Nachteil.
Praktisch ist dagegen die Batterie-Vorkonditionierung. Außerdem unterstützt der E2 Vehicle-to-Load mit bis zu 3,3 kW, sodass externe Geräte über einen Adapter mit Strom aus der Fahrzeugbatterie versorgt werden können. Für häufige Langstrecken bleibt der E2 dennoch nur bedingt geeignet. Die überschaubare Autobahnreichweite und die moderate DC-Leistung sorgen dafür, dass längere Reisen viele Ladepausen verlangen.
Geely E2 Cockpitansicht
Wie gut sind Innenraum, Bedienung und Ausstattung des Geely E2?
Der Innenraum wirkt für diese Preisklasse überraschend hochwertig. Ausstattung und Infotainment überzeugen, bei der Bedienung gibt es aber einzelne Schwächen.
Geely spart sichtbar dort, wo es kaum stört. Armaturenbrett und Türverkleidungen bestehen teilweise aus Hartplastik, weich gepolsterte Armauflagen und sauber gestaltete Bedienelemente sorgen trotzdem für einen ordentlichen Gesamteindruck. Besonders positiv fallen die Sitze auf. Sie sind weich gepolstert, bieten guten Komfort und lassen sich je nach Ausstattung elektrisch verstellen.
Im Zentrum des Cockpits sitzt ein 14,6-Zoll-Touchscreen, ergänzt um ein 8,8-Zoll-Fahrerdisplay. Das Infotainment reagiert in den Tests schnell und flüssig, Apple CarPlay und Android Auto gehören zur Serienausstattung. Praktisch sind auch die zahlreichen Ablagen, darunter das große Fach unter der Mittelkonsole und das wie eine Schublade herausziehbare Handschuhfach.
Ganz auf Touch-Bedienung setzt Geely nicht. Lautstärke und Titelauswahl lassen sich über Tasten am Lenkrad steuern, auch für einige häufig genutzte Funktionen gibt es klassische Bedienelemente. Andere Einstellungen liegen dagegen tiefer im Menü. Das fällt zum Beispiel beim Geschwindigkeitswarner auf, dessen Deaktivierung mehrere Klicks erfordert.
Bei den Assistenzsystemen hinterlässt der E2 insgesamt einen ordentlichen Eindruck. Spurführung und adaptiver Tempomat funktionierten in den Fahrtests überwiegend ruhig und zuverlässig, bei der Verkehrszeichenerkennung gab es vereinzelt Fehlinterpretationen. Die Kameraansicht erleichtert zusätzlich das Rangieren und bietet unter anderem einen Blick auf den Bereich direkt neben den Rädern.
Gut gelöst ist außerdem die Navigation. Ladestopps werden automatisch in längere Routen eingebaut, zudem lassen sich bevorzugte Ladeanbieter gezielt filtern. Das ist gerade bei einem Elektroauto mit überschaubarer Autobahnreichweite ein nützliches Detail. Je nach Ausstattung kommen Komfortfunktionen wie Sitz- und Lenkradheizung, Ambientebeleuchtung, induktives Smartphone-Laden und eine elektrische Heckklappe hinzu.
Welche Vor- und Nachteile hat der Geely E2?
Der E2 punktet vor allem mit Preis, Platzangebot und Ausstattung. Nachteile zeigen sich insbesondere beim AC-Laden und auf längeren Autobahnfahrten. Hier unsere Übersicht:
Fazit: Der Geely E2 könnte den Preisdruck im Kleinwagen-Segment deutlich erhöhen
Der Geely E2 zeigt, wie stark der Preisdruck bei Elektro-Kleinwagen inzwischen geworden ist. Er dürfte die etablierten Hersteller aufhorchen lassen. Wenn ein Auto unter 20.000 Euro in vielen Bereichen konkurrenzfähig auftritt, steigt der Druck auf Marken, die ihre Einstiegsmodelle bislang deutlich höher positionieren.
Für Geely wird entscheidend sein, ob sich der Erfolg aus China auf Europa übertragen lässt. Dazu braucht es nicht nur attraktive Preise, sondern auch Vertrauen in Marke, Händlernetz, Service und langfristige Ersatzteilversorgung. Die lange Garantie hilft dabei, ersetzt aber kein dichtes und verlässliches Vertriebsnetz.
Spannend wird deshalb vor allem die Entwicklung der nächsten Jahre. Wenn Geely den E2 preislich stabil halten und gleichzeitig seine Präsenz in Europa ausbauen kann, könnte das Modell zu einem wichtigen Impulsgeber im Markt für günstige Elektro-Kleinwagen werden. Für Kunden würde das vor allem eins bringen: mehr Auswahl in einem Segment, das lange Zeit zu wenig bezahlbare Elektroautos geboten hat.
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