Zuverlässigkeit von E-Autos wird zum Geschäftsrisiko für Werkstätten
Es gibt Probleme, die sind eigentlich Komplimente. Die Elektromobilität beschert der Werkstattbranche gerade so eines: Eine Antriebstechnik funktioniert so unauffällig, dass ein jahrzehntealtes Geschäftsmodell ins Wanken gerät. Wie groß der Umschwung wird, lässt sich in Nordeuropa bereits in Zahlen verfolgen. Und während die Branche rechnet, dürfen sich Millionen Autofahrer über genau das freuen, was den Werkstätten Kopfzerbrechen bereitet.
Warum verdienen Werkstätten an E-Autos weniger?
Einem Elektroantrieb fehlen schlicht die klassischen Verschleißteile eines Verbrenners.
Was nicht verbaut ist, kann weder altern noch ausfallen. Ein E-Auto braucht keinen Ölwechsel, keine neuen Zündkerzen, und wo weder Zahnriemen noch Kupplung oder Auspuffanlage existieren, gibt es auch nichts zu ersetzen. Aufwendige Eingriffe am Motor? Beim Stromer praktisch kein Thema. Damit verschwindet ein Großteil jener Routinetermine, die Kunden bisher zuverlässig auf die Hebebühne brachten.
Das trifft die Händler an ihrer Achillesferse. Am Neuwagenverkauf verdienen viele Betriebe seit jeher wenig, das eigentliche Geld wurde traditionell hinten im Haus gemacht: in der Werkstatt. Dieses Polster schmilzt nun, am stärksten natürlich dort, wo bereits viele Elektroautos im Kundenstamm existieren. Obendrein erledigen Hersteller immer mehr per Funk: Ein Software-Update über Nacht ersetzt den Termin, für den früher ein Vormittag draufging. Aus Kundensicht ist das schlicht Fortschritt. Eine Werkstatt muss sich diesem anpassen, denn sie sie kann sich ihm nicht entziehen.
Wie weit ist die Entwicklung in Skandinavien?
Deutlich weiter als hierzulande: Norwegen meldet 46 Prozent weniger Wartungsumsatz bei jungen E-Autos, Dänemarks Werkstätten spüren den Wandel ebenso deutlich
Der norwegische VW-Importeur Møller hat nachgerechnet, was die Antriebswende fürs Servicegeschäft bedeutet: Stromer mit bis zu vier Jahren auf dem Tacho bringen rund 46 Prozent weniger Wartungserlöse ein als vergleichbare Verbrenner. Bei der dänischen Bayern AutoGroup, einer BMW-Händlergruppe, kletterte der Elektro-Anteil am Werkstattvolumen innerhalb von zwölf Monaten von zehn auf 30 Prozent.
Deutschland dürfte bald folgen. Viele Autohäuser stecken aktuell Geld in Hochvoltschulungen, Spezialwerkzeug und eigene Ladepunkte, um für die elektrische Zukunft gerüstet zu sein. Hier werden also erst neue Investitionen getätigt müssen, damit dann neuartige Erlöse eingefahren werden können - die Skandinavier zeigen, dass dieser Umbau gelingt, wenn man ihn entschlossen angeht.
Was haben E-Auto-Fahrer davon?
Bares Geld: Der ADAC beziffert den Kostenvorteil bei Inspektion und Wartung auf rund ein Drittel, und auch bei den Pannenzahlen schneiden E-Autos besser ab als Verbrenner.
Jeder Euro, der den Werkstätten fehlt, fehlt auf einer Rechnung, die kein Kunde vermissen wird. Eine ADAC-Auswertung kommt zum Ergebnis, dass Elektroautos bei Inspektion und Wartung im Schnitt etwa ein Drittel günstiger wegkommen, bei manchen Fahrzeugen war der Abstand noch erheblich größer. Auch laufende Reparaturen schlagen seltener zu Buche, ein Elektroantrieb ist einfach die simplere Maschine.
Bleibt der Dauerbrenner Hochvoltbatterie. Das Schreckensszenario vom ruinösen Akkuschaden und dem liegengebliebenen Stromer hält der Alltagsrealität bislang nicht stand, gegenüber dem Verbrenner schon gar nicht. Die Technik ist schlicht besser als ihr Ruf - höchste Zeit, dass sich das herumspricht.
Wie können Werkstätten jetzt ihren Betrieb an E-Autos anpassen?
Vom Batteriecheck über Software-Services bis zu Lade- und Energieangeboten rund ums Elektroauto müssen angepasste Dienstleistungen angeboten werden.
Die Elektromobilität nimmt der Branche Arbeit weg und schiebt ihr zugleich neue zu. Reifen verschleißen weiterhin, Bleche verbeulen weiterhin, dazu entstehen Aufgaben, die es vorher gar nicht gab: Zustandsdiagnosen für Antriebsbatterien etwa, die beim Gebrauchtwagenkauf bares Geld wert sind, oder Dienstleistungen rund um Fahrzeugsoftware. Das größte Potenzial steckt im Themenfeld Energie - vom Ladepunkt auf dem eigenen Gelände bis zu Mobilitäts- und Stromangeboten fürs Elektroauto. Wer hier früh aufbaut, besetzt Geschäftsfelder, in denen die Konkurrenz noch dünn ist.
Fazit: Wer nur repariert, wird verlieren
Das alte Werkstattmodell lebte davon, dass Technik regelmäßig schwächelt - der Defekt war der Türöffner zum Kunden, und an diesem Besuch hingen Folgegeschäfte vom Zubehör bis zur Inzahlungnahme. Ein Auto, das einfach läuft, kappt diese Verbindung. Wer seine Kundschaft nur noch zum Reifenwechsel sieht, verliert sie schleichend ganz. Die Antwort darauf kann nicht lauten, der Vergangenheit nachzutrauern oder die Elektromobilität zum Sündenbock zu erklären, denn das Problem ist nicht das zuverlässige Auto, sondern ein Geschäftsmodell, das auf Verschleiß gebaut war. Zukunftsfähig sind Betriebe, die den Spieß umdrehen und aus dem seltenen Pflichtbesuch eine dauerhafte Beziehung machen: regelmäßige Batteriechecks, Energieberatung, Ladelösungen. So wird aus dem Reparaturbetrieb ein Energiedienstleister, der dem Kunden nicht erst dann begegnet, wenn etwas kaputt ist.
Eine öffentliche Ladestelle auf dem Werkstattgelände hätte übrigens einen unschätzbaren Vorteil: Sie würde eine Förderung, die sich Betriebe ganz ohne Staat selbst holen können, ermöglichen: die THG-Prämie. Öffentlich zugängliche Ladepunkte, etwa auf einem Kundenparkplatz, verdienen mit jeder geladenen Kilowattstunde mit, denn die abgegebenen Strommengen können zertifiziert und die Zertifikate verkauft werden. INSTADRIVE wickelt die THG-Prämie für Ladepunktbetreiber unkompliziert ab. Jetzt informieren und jährlich kassieren!
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Simona Marino
Verkaufsleiterin
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