
Ein Comeback, das Erwartungen weckt
Renault hat offenbar Gefallen daran gefunden, bekannte Namen wiederzubeleben. Nach dem Renault 5 und Renault 4 ist inzwischen auch der Twingo als Elektroauto zurück. Und auch dieser Name weckt Erinnerungen: Der ursprüngliche Twingo war frech, unkonventionell und hatte seinen ganz eigenen Charakter. Ob die vierte Generation daran anknüpfen kann?
Die Voraussetzungen sind jedenfalls spannend. Denn während Elektroautos in den vergangenen Jahren immer größer, schwerer und teurer wurden, wächst inzwischen auch das Angebot am anderen Ende der Preisskala. Genau dort mischt Renault mit dem neuen Twingo mit. Doch ein sympathischer Auftritt und ein attraktives Preisschild allein machen noch kein gutes Auto. Wir haben den kleinen Franzosen im Alltag und auf der Straße getestet. Dabei zeigte sich, dass er durchaus für Gesprächsstoff sorgen kann.
Wie gelungen ist das Design des Renault Twingo Electric?
Der neue Twingo überzeugt mit seiner verspielten Retro-Optik, markanten LED-Leuchten und kompakten Proportionen. Lediglich die Kunststoffverkleidung am Heck stört das Gesamtbild.
Vor allem die Front erinnert unverkennbar an den Twingo der ersten Generation. Die großen, ovalen Scheinwerfer verleihen dem kleinen Renault einen beinahe schelmischen Gesichtsausdruck. Dazu kommen ein angedeuteter Kühlergrill und eine weitgehend geschlossene Frontpartie. Dass Renault mit dieser Gestaltung einen Nerv getroffen hat, zeigte sich während unseres Tests: Immer wieder wurden wir auf den Twingo angesprochen. Manche Autofahrer stiegen sogar aus, um ihn sich genauer anzusehen.
Unser Testwagen trägt ein auffälliges Grün, das je nach Lichteinfall ein wenig unterschiedlich aussieht. Insgesamt stehen sechs Außenfarben zur Wahl. Auch am Heck setzt sich die verspielte Gestaltung fort, etwa mit dem geschwungenen Twingo-Schriftzug. Weniger gut gefällt uns die schwarze Einfassung der Heckscheibe, die etwas grob wirkt.
Mit 3,79 Metern Länge, 1,72 Metern Breite und 1,49 Metern Höhe zählt der Twingo zu den besonders kompakten Elektroautos. Der Radstand beträgt 2,49 Meter. Auffällig sind die kurzen Karosserieüberhänge, insbesondere am Heck, wo die Hinterräder weit außen sitzen. Zusammen mit den 16-Zoll-Rädern entsteht ein stimmiges Erscheinungsbild, das die geringe Fahrzeuggröße geschickt in Szene setzt.
Wie viel Platz und Komfort bietet der Renault Twingo Electric?
Der viersitzige Twingo bietet überraschend viel Stauraum: 260 bis 360 Liter Kofferraumvolumen, maximal 966 Liter. Die Sitze sind bequem, im Fond wird es allerdings eng.
Besonders clever sind die beiden einzeln verschiebbaren Rücksitze. Werden sie nach vorne geschoben, wächst der Gepäckraum auf 360 Liter. Brauchen die Passagiere mehr Beinfreiheit, lassen sie sich wieder zurückstellen. Für größere Transporte können die Rücksitze umgeklappt werden. In der Techno-Version lässt sich zusätzlich die Beifahrersitzlehne flach umlegen. So passen auch längere Gegenstände ins Auto, etwa kleinere Möbelstücke oder sperrige Kartons.
Im Fond geht es naturgemäß etwas beengter zu. Solange die Vordersitze nicht vollständig zurückgeschoben sind, können dort aber auch Erwachsene kürzere Strecken einigermaßen bequem zurücklegen. Die Polsterung gefiel uns sowohl vorne als auch hinten. Zwei ISOFIX-Befestigungen auf den Rücksitzen machen den Twingo zudem für Familien mit kleinen Kindern interessant.
Weniger praktisch sind die hinteren Seitenfenster. Sie lassen sich nicht versenken, sondern lediglich einen Spalt weit ausstellen. Gerade im Sommer dürfte das nicht jedem gefallen. Auch der doppelte Kofferraumboden hinterließ mit seiner einfachen Verarbeitung keinen besonders hochwertigen Eindruck.
Dafür hat Renault bei der Innenraumgestaltung einige originelle Ideen umgesetzt. Verspielte Muster auf den Fußmatten und am Dachhimmel erinnern an den ersten Twingo. Das Armaturenbrett trägt einen auffälligen Schriftzug, während die zahlreichen Ablagen Platz für allerlei Kleinigkeiten schaffen. Die Mittelkonsole lässt sich mit zusätzlichen Aufbewahrungsboxen und Getränkehaltern individuell gestalten. Besonders praktisch ist das optionale YouClip-Zubehör, darunter eine herausnehmbare Taschenlampe und Taschenhaken für den Kofferraum.
Eine induktive Smartphone-Ladeschale fehlt allerdings. Auch bei den Sitzbezügen lässt Renault keine individuelle Auswahl zu. Insgesamt wirkt der Innenraum dennoch durchdacht, funktional und erfreulich eigenständig.
Renault Twingo Electric Cockpitansicht

Welche Ausstattung lohnt sich beim Renault Twingo Electric?
Die Techno-Version ist unsere Empfehlung: Für 1.800 Euro Aufpreis bietet sie unter anderem Rückfahrkamera, adaptiven Tempomaten und Google-Navigation.
Den Einstieg macht der Twingo Evolution für 19.990 Euro, während der Techno laut österreichischem Renault-Konfigurator mittlerweile 21.790 Euro kostet. In unserem Videotest ist noch von 1.600 Euro Aufpreis die Rede. Das war zum damaligen Techno-Preis von 21.590 Euro korrekt. Inzwischen wurde der Listenpreis um 200 Euro angehoben.
Schon die Basisversion ist ordentlich ausgestattet. Dazu gehören Voll-LED-Scheinwerfer, eine manuelle Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorne, Parksensoren hinten und ein 10,1 Zoll großer Touchscreen. Auch ein digitales 7-Zoll-Instrumentendisplay und die kabellose Smartphone-Einbindung sind serienmäßig.
Bei Techno kommen weitere Komfortfunktionen hinzu, darunter die schlüssellose Zugangs- und Startfunktion, automatisch anklappbare Außenspiegel, ein Regen- und Lichtsensor sowie ein Fernlichtassistent. Auch bei der Rekuperation gibt es Unterschiede: Während Evolution zwei Stufen bietet, stehen bei Techno vier Stufen einschließlich One-Pedal-Driving zur Verfügung.
Allerdings ist selbst beim Topmodell nicht alles serienmäßig. Die beheizbaren Vordersitze kosten in Österreich weitere 240 Euro. Für das optionale Safety & Parking Paket werden 720 Euro fällig. Beide Extras sind für Evolution nicht erhältlich.
Besonders gelungen ist das Infotainment. Beim Techno setzt Renault auf das aus größeren Modellen bekannte OpenR-Link-System mit integrierten Google-Diensten. Google Maps, Google Assistant, Apple CarPlay und Android Auto sorgen für eine zeitgemäße Konnektivität. Die Bedienung über den Touchscreen funktioniert im Alltag gut, zumal Renault für die Klimatisierung weiterhin klassische Tasten und Regler verwendet. Das ist gerade während der Fahrt angenehm.
Auch der virtuelle Sprachassistent Reno gehört laut Renault zur Techno-Ausstattung. In unserem Test ließ er sich allerdings nicht nutzen, weshalb wir seine Funktionen nicht beurteilen konnten.
Unterm Strich ist der Mehrpreis für Techno gut angelegt. Gerade die zusätzlichen Komfortfunktionen und das umfangreichere Infotainment machen den kleinen Renault im Alltag angenehmer. Wer dagegen hauptsächlich ein möglichst günstiges Elektroauto für kurze Strecken sucht, bekommt bereits mit Evolution eine brauchbare Grundausstattung.
Wie fährt sich der Renault Twingo Electric?
Der Twingo fährt sich mit seinen 82 PS angenehm und bietet guten Federungskomfort. Im Test zeigten allerdings der Spurhalteassistent und die Verkehrszeichenerkennung Schwächen.
Mit 60 kW Leistung und 175 Nm Drehmoment ist der kleine Renault ausreichend motorisiert. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h benötigt er 12,1 Sekunden. Sportliche Ambitionen hat er damit nicht, Fahrspaß kommt aber trotzdem auf. Im normalen Fahrmodus erreicht der Twingo eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, im Eco-Modus waren bei unserer Autobahnfahrt nur rund 115 km/h möglich.
Besonders positiv fiel uns das Fahrwerk auf. Unebenheiten und kleinere Bodenschwellen werden erstaunlich souverän abgefedert. Selbst auf schlechteren Straßen bleibt das Fahrgefühl angenehm. Auf der Autobahn macht sich allerdings die vergleichsweise geringe Geräuschdämmung bemerkbar. Bei höherem Tempo wird es im Innenraum deutlich lauter als in größeren Elektroautos.
Gut gefallen hat uns auch das One-Pedal-Driving der Techno-Version. Über Schaltwippen hinter dem Lenkrad lässt sich die Rekuperation in vier Stufen einstellen. In der stärksten Stufe verzögert der Twingo bis zum Stillstand, sodass man gerade im Stop-and-go-Verkehr kaum noch das Bremspedal benötigt.
Weniger überzeugend arbeiteten einige Assistenzsysteme. Der Spurhalteassistent reagierte während unserer Testfahrten nicht immer zuverlässig. Teilweise blieb eine Korrektur sogar aus, obwohl das Fahrzeug die Fahrspur bereits verlassen hatte. Auch die Verkehrszeichenerkennung lag wiederholt daneben. Auf einem Autobahnabschnitt mit Tempo 130 zeigte das System beispielsweise nur 100 km/h als erlaubte Geschwindigkeit an. Dazu kommen recht empfindliche akustische Warnungen, insbesondere beim Müdigkeitswarner. Immerhin lassen sich die Signaltöne anpassen beziehungsweise deaktivieren.
Abgesehen von diesen Schwächen machte der Twingo hinter dem Lenkrad viel Freude. Gerade im Stadtverkehr passt sein unkomplizierter Charakter gut zum Fahrzeugkonzept.
Wie weit kommt der Renault Twingo Electric und wie schnell lädt er?
Renault gibt 247 bis 262 km WLTP-Reichweite an. Im INSTADRIVE-Test lag der Verbrauch bei 15,9 kWh/100 km. Schnellladen ist mit maximal 50 kW möglich.
Im Twingo steckt eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit 27,5 kWh nutzbarer Kapazität. Die Akkutechnik gilt als langlebig und kommt ohne Nickel und Kobalt im Kathodenmaterial aus. Der kombinierte WLTP-Verbrauch liegt je nach Konfiguration bei etwa 12,3 bis 12,8 kWh/100 km. Von diesen Normwerten entfernte sich unser Testwagen allerdings ein gutes Stück.
Unser Verbrauchswert entstand bei einer Mischung aus Stadt-, Landstraßen- und Autobahnfahrten. Dabei liefen häufig die Heizung und die Sitzheizung. Bei vollständig geladenem Akku zeigte der Bordcomputer eine prognostizierte Reichweite von 216 Kilometern an. Das war allerdings keine tatsächlich ausgefahrene Reichweite.
Wie stark die Bedingungen ins Gewicht fallen, zeigen auch die Berechnungen der EV Database. Sie prognostiziert im gemischten Betrieb rund 215 Kilometer im Sommer, bei winterlichen Temperaturen dagegen nur 155 Kilometer. Auf der Autobahn schrumpft die geschätzte Reichweite auf 170 beziehungsweise 130 Kilometer. Grundlage sind unter anderem 23 Grad im Sommer, minus 10 Grad im Winter und eine konstante Autobahngeschwindigkeit von 110 km/h. Es handelt sich also um Modellrechnungen und nicht um Messwerte aus unserem Test.
Beim Laden unterstützt der Twingo Wechselstrom mit bis zu 11 kW. An einer entsprechend leistungsfähigen Wallbox dauert eine vollständige Ladung laut EV Database etwa drei Stunden. An einer DC-Schnellladesäule sollen laut Renault rund 28 Minuten genügen, um den Akkustand von 15 auf 80 Prozent zu erhöhen. Die Ladezeiten haben wir im Praxistest nicht selbst überprüft.
Eine praktische Zusatzfunktion ist Vehicle-to-Load (V2L). Damit lassen sich über einen Adapter externe elektrische Geräte mit Strom aus dem Fahrzeugakku versorgen. Die maximale Ausgangsleistung beträgt laut EV Database 3,7 kW. Der notwendige Adapter kostet in Österreich zusätzlich 186 Euro.
Für den überwiegenden Einsatz in der Stadt und im näheren Umland reichen diese Eigenschaften durchaus aus. Wer regelmäßig längere Autobahnstrecken zurücklegt, muss dagegen häufigere Ladepausen einplanen. Die EV Database bewertet die Langstreckentauglichkeit entsprechend mit null von fünf Sternen. Für Vielfahrer ist der Twingo damit keine besonders praktische Wahl.
Fazit: Ein kleiner Renault, der vieles richtig macht
Der Renault Twingo Electric hat uns im Test ausgesprochen gut gefallen. Nicht nur wegen seines sympathischen Designs, sondern vor allem, weil er im Alltag mehr zu bieten hat, als man einem so kleinen und vergleichsweise günstigen Elektroauto zunächst zutrauen würde. Besonders der angenehme Fahrkomfort und das durchdachte Raumkonzept haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Ganz ohne Schwächen kommt der kleine Franzose allerdings nicht aus. Vor allem bei den Assistenzsystemen sollte Renault nachbessern. Die begrenzte Reichweite macht ihn zudem zu einem Fahrzeug, dessen Einsatzzweck man vor dem Kauf genau kennen sollte. Für regelmäßige Langstrecken gibt es geeignetere Elektroautos.
Wer dagegen hauptsächlich in der Stadt und im Umland unterwegs ist, bekommt mit dem Twingo ein erstaunlich erwachsenes Gesamtpaket. Unsere Wahl wäre die besser ausgestattete Techno-Version, deren Mehrpreis sich aus unserer Sicht lohnt.
Unterm Strich ist der neue Twingo ein überzeugendes Elektroauto für alle, die zwar wenig Platz brauchen, aber nicht auf Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit verzichten möchten.
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