VW ID.3 GTI: Sind 200 km/h genug für einen GTI?

VW ID.3 GTI nur 200 kmh Front INSTADRIVE ecarso

Der ID.3 GTI muss mehr können als schnell sein

Volkswagen bringt eine seiner bekanntesten Modellbezeichnungen ins Elektrozeitalter: Der ID.3 GTI wurde jetzt vorgestellt und soll 2027 auf den Markt kommen. Damit steht VW vor einer besonderen Herausforderung. Denn bei einem GTI geht es traditionell nicht nur darum, von A nach B zu kommen.
Die ersten Reaktionen auf das Auto zeigen bereits, wie die Diskussion verlaufen dürfte. Einerseits versucht Volkswagen, viele typische GTI-Eigenschaften auf den elektrischen ID.3 zu übertragen. Andererseits werfen gerade die Fahrleistungen die Frage auf, ob das für jene Fans genügt, die den GTI seit Jahrzehnten mit einem ganz bestimmten Performance-Anspruch verbinden. Denn obwohl der elektrische Ableger auf dem Papier deutlich mehr Leistung mitbringt, fällt sein Vorsprung bei den Fahrleistungen überraschend klein aus. Bei der Höchstgeschwindigkeit dreht sich das Verhältnis sogar um.
Ob aus dem ID.3 GTI ein echter GTI werden kann, der eingefleischte Fans überzeugt, ist also die große Frage. Wir sehen genauer hin.

VW ID.3 GTI nur 200 kmh Heck INSTADRIVE ecarso

Wie schnell ist der VW ID.3 GTI?

Der VW ID.3 GTI leistet 326 PS, beschleunigt in 5,6 Sekunden auf 100 km/h und erreicht maximal 200 km/h.


Mit 240 kW und 545 Nm ist der ID.3 GTI der stärkste Serien-GTI, den Volkswagen bisher auf die Straße gebracht hat. Die Kraft geht ausschließlich an die Hinterräder. Damit unterscheidet sich der elektrische GTI nicht nur beim Antrieb grundlegend von seinen bisherigen Namensvettern.

Für längere Strecken verbaut VW eine Batterie mit 79 kWh nutzbarer Kapazität. Damit sollen bis zu 601 Kilometer nach WLTP möglich sein. An einer entsprechend leistungsfähigen Schnellladesäule nimmt der ID.3 GTI maximal 183 kW auf. Für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent nennt Volkswagen rund 29 Minuten.

Bei den Leistungsdaten fällt allerdings eine Zahl besonders auf: die Höchstgeschwindigkeit. Trotz seiner 326 PS wird der ID.3 GTI bei 200 km/h elektronisch abgeregelt. Warum Volkswagen ausgerechnet diese Grenze gewählt hat, erklärt der Hersteller bislang nicht. Hier wird dann der Vergleich mit dem klassischen Golf GTI interessant.

Ist der VW ID.3 GTI schneller als der Golf GTI?

Trotz 61 PS und 175 Nm mehr beträgt der Vorsprung des ID.3 GTI beim Sprint auf 100 km/h nur 0,3 Sekunden. Bei der Höchstgeschwindigkeit liegt der Golf GTI deutlich vorne.


Der klassische Golf GTI leistet 265 PS und 370 Nm. Damit beschleunigt er in 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der deutlich stärkere ID.3 GTI nimmt ihm beim Standardsprint also gerade einmal drei Zehntelsekunden ab.
Noch größer ist der Unterschied bei der Höchstgeschwindigkeit. Während beim ID.3 GTI bei 200 km/h Schluss ist, darf der Golf GTI bis 250 km/h weiterbeschleunigen. Für einen elektrischen Nachfolger, der leistungsmäßig an der Spitze der bisherigen GTI-Geschichte steht, ist das zumindest eine ungewöhnliche Rollenverteilung.
Auch innerhalb der Golf-Familie gibt es einen interessanten Vergleich: Der Golf GTI Clubsport kommt mit 300 PS ebenfalls in 5,6 Sekunden auf 100 km/h und erreicht serienmäßig 250 km/h. Mit dem optionalen Race-Paket sind sogar 267 km/h möglich.
Natürlich entscheidet die Höchstgeschwindigkeit allein nicht darüber, wie sportlich sich ein Auto fährt. Bei einem GTI haben solche Zahlen aber seit Jahrzehnten auch Symbolkraft. Gerade deshalb muss der ID.3 GTI an anderer Stelle zeigen, was die drei Buchstaben beim Elektroauto künftig ausmachen sollen.

Was soll den ID.3 GTI trotzdem zum echten GTI machen?

Hinterradantrieb, DCC-Sportfahrwerk und Progressivlenkung sollen dem ID.3 GTI den Fahrspaß geben, den Fans von einem GTI erwarten.


Besonders interessant ist der Wechsel der angetriebenen Achse. Während der Golf GTI traditionell seine Vorderräder antreibt, verteilt der elektrische Ableger seine Kraft ausschließlich auf die Hinterachse. Damit bekommt erstmals in der 50-jährigen Geschichte des GTI ein Serienmodell Hinterradantrieb.

Volkswagen hat auch beim Fahrwerk nachgeschärft. An der Vorderachse kommen MacPherson-Federbeine zum Einsatz, hinten arbeitet eine Fünflenkerachse. Federn, Dämpfer, Stabilisatoren und die Elastokinematik wurden eigens abgestimmt. Dazu kommen spezielle Reifen und ein adaptives DCC-Sportfahrwerk, das seine Dämpfung laufend an Fahrsituation und gewählte Einstellung anpassen kann.

Auch die Progressivlenkung gehört zum Paket. Sie übersetzt mit zunehmendem Lenkeinschlag direkter und soll damit vor allem auf kurvigen Straßen für ein agileres Fahrgefühl sorgen.

VW setzt beim ID.3 GTI also nicht darauf, den Golf einfach mit mehr elektrischer Leistung zu übertrumpfen. Ein wesentlicher Teil des GTI-Charakters soll über Fahrwerk, Lenkung und Hinterradantrieb entstehen. Ob das den vergleichsweise zurückhaltenden Fahrleistungen aus Sicht klassischer GTI-Fans genug entgegensetzen kann, dürfte allerdings erst eine Fahrt mit dem fertigen Auto zeigen.

VW ID.3 GTI Cockpitansicht

VW ID.3 GTI nur 200 kmh Cockpit INSTADRIVE ecarso

Warum hat der ID.3 GTI einen eigenen GTI-Modus?

Der GTI-Modus bündelt die sportlichsten Einstellungen für Antrieb, Fahrwerk und Lenkung und aktiviert zusätzliche GTI-Funktionen.


Die Bezeichnung wirkt zunächst etwas kurios: Man kauft einen ID.3 GTI und kann dann zusätzlich per eigener Taste am Lenkrad den Fahrmodus „GTI“ einschalten. Neben Eco, Comfort, Sport und Individual ist er ein weiteres wählbares Fahrprofil.

Wird der GTI-Modus aktiviert, wechseln Leistungsentfaltung, Progressivlenkung und DCC-Sportfahrwerk in ihre sportlichste Abstimmung. Außerdem steht die Launch Control für ein möglichst schnelles Anfahren aus dem Stand zur Verfügung. Auch im Innenraum macht VW aus dem Wechsel ein kleines Spektakel: Das Fahrerdisplay erhält eine spezielle GTI-Darstellung und die Ambientebeleuchtung wechselt auf Rot.

Selbst beim Klang versucht Volkswagen, einen Teil der vertrauten GTI-Welt ins Elektroauto zu holen. Im Innenraum wird im GTI-Modus ein Verbrenner-Sound eingespielt. Dazu kommt ein neu entwickelter Außensound, der sich im Sport-Modus bis 50 km/h unter anderem nach Geschwindigkeit, Gaspedalstellung und abgefordertem Drehmoment verändert.

Damit geht VW deutlich weiter als bei einer rein technischen Fahrwerksabstimmung. Der ID.3 GTI soll sich nicht nur anders fahren, sondern seinen besonderen Status auch akustisch und optisch vermitteln. Ob gerade der künstlich erzeugte Verbrennerklang bei GTI-Fans für zusätzliche Emotion sorgt oder eher das Gegenteil bewirkt, dürfte dabei Geschmackssache sein.

Fazit: Sind 200 km/h für einen GTI wirklich zu wenig?

Natürlich braucht im Alltag niemand 250. Darum geht es bei einem GTI aber nur bedingt. Ein GTI wurde schließlich nie ausschließlich nach dem beurteilt, was man vernünftigerweise braucht. Leistung und Fahrleistungen gehören genauso zu seinem Reiz wie Fahrwerk, Lenkung und das Gefühl hinter dem Lenkrad.

Volkswagen macht es sich beim ID.3 GTI nicht leicht. 326 PS klingen zunächst nach einer Ansage. Gegenüber dem normalen Golf GTI fällt der tatsächliche Vorsprung beim Sprint aber erstaunlich klein aus, während bei 200 km/h bereits Schluss ist. Für den stärksten Serien-GTI aller Zeiten ist das zumindest auf dem Papier wenig spektakulär.

Hinterradantrieb, DCC-Sportfahrwerk und Progressivlenkung können den ID.3 GTI trotzdem zu einem richtig guten Fahrerauto machen. Auch der eigene GTI-Modus und die vielen Anspielungen auf die Geschichte der Baureihe zeigen, wie ernst Volkswagen das Thema Emotion nimmt. Nur: Ersetzen solche Details für eingefleischte GTI-Fans automatisch den klassischen Performance-Anspruch?

Genau darin liegt die schwierige Aufgabe des ID.3 GTI. Volkswagen muss nicht beweisen, dass ein Elektroauto schnell sein kann. Das wissen wir längst. VW muss jene Fahrer überzeugen, für die drei Buchstaben seit Jahrzehnten auch für Leistung und Performance stehen. Mit 200 km/h Höchstgeschwindigkeit und nur einem kleinen Vorsprung beim Sprint gegenüber dem normalen Golf GTI dürfte das deutlich schwieriger werden.


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