VW ID. Tiguan 2027: Reichweite, Technik & erste Fahrt

VW ID. Tiguan 2027 Erste Fahrt Front INSTADRIVE ecarso

Vom ID.4 zum ID. Tiguan: VW setzt auf Vertrautes

Der VW ID. Tiguan übernimmt künftig die Rolle von ID.4 und ID.5 und trägt dabei bewusst einen Namen, den Millionen Kunden bereits kennen. Statt die Elektro-Baureihe weiter mit einer reinen Zahlenlogik fortzuführen, rückt Volkswagen seine Stromer damit näher an die etablierten Modelle der Marke. Produziert wird der neue ID. Tiguan im Werk Emden.

Die ersten Fahreindrücke zeichnen bereits ein recht klares Bild: Volkswagen scheint vor allem dort nachgebessert zu haben, wo die bisherigen ID.-Modelle häufig Kritik einstecken mussten. Bedienung, Materialanmutung, Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit stehen stärker im Mittelpunkt. Bei Akku- und Ladetechnik fällt der Fortschritt dagegen auf den ersten Blick weniger deutlich aus.

Ob VW mit dem ID. Tiguan tatsächlich einen spürbaren Schritt nach vorne macht, werden vor allem die ersten ausführlichen Tests mit den finalen Serienfahrzeugen zeigen. Die bisherigen Fahreindrücke stammen noch von seriennahen Vorserienfahrzeugen. Besonders spannend wird, wie gut Antrieb, Reichweite, Platzangebot, Bedienung und Fahrkomfort im Alltag zusammenspielen. Was jetzt bereits bekannt ist, zeigen wir in unserem Artikel:

VW ID. Tiguan 2027 Erste Fahrt Heck INSTADRIVE ecarso

Welche Motoren, Akkus und Reichweiten bietet der VW ID. Tiguan?

Der ID. Tiguan startet mit drei bekannten Antriebskonzepten: 58 kWh LFP oder 77 kWh NMC, Heck- oder Allradantrieb und bis zu 300 PS. Je nach Version sollen bis zu 600 Kilometer WLTP-Reichweite möglich sein.

Technisch bleibt der ID. Tiguan dem Modularen E-Antriebs-Baukasten treu. Zum Einsatz kommt MEB+. Eine komplette technische Zäsur gegenüber dem ID.4 findet damit nicht statt, an einigen Stellen wurde das Konzept aber gezielt weiterentwickelt.

Den Einstieg bildet ein 58-kWh-Akku mit LFP-Zellchemie. Er versorgt einen 140 kW beziehungsweise 190 PS starken Heckmotor und soll eine WLTP-Reichweite von bis zu 450 Kilometern ermöglichen. Der Sprint auf 100 km/h dauert nach den bisher bekannten Angaben rund 8,5 Sekunden, bei 160 km/h wird elektronisch abgeregelt.

Darüber rangiert die Version mit 77-kWh-NMC-Akku und Heckantrieb. Hier stehen 210 kW beziehungsweise 286 PS zur Verfügung. 100 km/h sollen nach 6,6 Sekunden erreicht sein, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Gleichzeitig handelt es sich mit bis zu 600 Kilometern WLTP um die reichweitenstärkste Variante.

Das Topmodell kombiniert den 77-kWh-Akku mit einem zusätzlichen Elektromotor an der Vorderachse. Das ergibt 220 kW beziehungsweise rund 300 PS Systemleistung und Allradantrieb. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 6,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit bleibt ebenfalls auf 180 km/h begrenzt. Die WLTP-Reichweite soll bei rund 570 Kilometern liegen.

Zur verbesserten Reichweite trägt auch die Aerodynamik bei: Mit einem cw-Wert von 0,26 liegt der ID. Tiguan leicht unter dem bisherigen ID.4 mit 0,27. Bei höherem Tempo aber auch so ein geringer Unterschied, den Energiebedarf zu senken.

Gerade bei den beiden stärkeren Versionen zeigt sich allerdings auch, wie eng der ID. Tiguan technisch noch mit dem bisherigen ID.4 verwandt ist. Dessen 77-kWh-Akku bleibt trotz Modellwechsel erhalten. Erste Tester sehen darin einen der wenigen Punkte, an denen Volkswagen mutiger hätte nachlegen können. Mehr nutzbare Kapazität hätte auf längeren Autobahnetappen zusätzlichen Spielraum geschaffen.

Auch die Begrenzung auf 180 km/h wird teilweise kritisch gesehen. Für den Alltag spielt das kaum eine Rolle, bei einem knapp 300 PS starken Topmodell dürfte sie aber gerade auf deutschen Autobahnen für Diskussionen sorgen.

Wie schnell lädt der VW ID. Tiguan und reicht die 400-Volt-Technik noch aus?

Der ID. Tiguan lädt mit bis zu 105 kW beim kleinen und 165 kW beim großen Akku. Von 10 auf 80 Prozent sollen 26 beziehungsweise 29 Minuten vergehen.


Damit bleibt der technische Fortschritt beim Schnellladen überschaubar. Vor allem beim 77-kWh-Akku bewegt sich der ID. Tiguan auf jenem Niveau, das bereits aus dem ID.4 bekannt ist. Für ein neues Reise-SUV sind die Werte kein Ausreißer nach unten, aber eben auch kein großer Entwicklungssprung.

Einige erste Tester orten hier eine der verpassten Chancen des Modellwechsels. Andere bewerten die weiterhin eingesetzte 400-Volt-Architektur weniger kritisch. Denn für die Praxis zählt nicht nur der maximale Spitzenwert, sondern auch, wie stabil die Ladeleistung gehalten wird und wie viel Energie das Fahrzeug auf der Strecke tatsächlich verbraucht. Entscheidend wird deshalb sein, wie sich der ID. Tiguan über den gesamten Ladehub schlagen wird.

An der Wallbox sind weiterhin bis zu 11 kW AC-Ladeleistung vorgesehen. Zusätzlich soll der ID. Tiguan Vehicle-to-Load unterstützen. Damit lässt sich der Hochvoltakku auch zur Versorgung externer Elektrogeräte nutzen. Im Kofferraum ist außerdem eine 230-Volt-Steckdose zu finden.

Wie viel Platz und Alltagstauglichkeit bietet der VW ID. Tiguan?

Mit rund 544 Litern Kofferraum, bis zu 2,0 Tonnen Anhängelast und 90 kg Stützlast ist der ID. Tiguan auf Familien- und Reisealltag ausgelegt.


Die Karosserie misst rund 4,62 Meter in der Länge, 1,86 Meter in der Breite und 1,62 Meter in der Höhe. Damit ist der ID. Tiguan etwa vier Zentimeter länger als der bisherige ID.4. Der Radstand beträgt 2,77 Meter.

Optisch rückt der ID. Tiguan wieder näher an klassische Volkswagen-SUVs. Die Front steht steiler, die Linien wirken kantiger und statt versenkter Türgriffe kommen wieder konventionelle Bügelgriffe zum Einsatz. Je nach Ausstattung unterscheiden sich Style und R-Line bei Schürzen, Felgen und Lichtdetails. Die R-Line setzt dabei sichtbar stärker auf einen sportlichen Auftritt.

Vor allem im Fond soll sich der Radstand bemerkbar machen: Erste Fahreindrücke sprechen von viel Knie- und Kopffreiheit sowie einem großzügigen Raumgefühl. Der fehlende Mitteltunnel schafft zusätzlich Platz für die Füße auf dem mittleren Sitz.

Auch beim Gepäck setzt Volkswagen auf klassische SUV-Tugenden. Der Ladeboden lässt sich variieren, die Rücksitzlehne ist geteilt umklappbar und eine Durchreiche erleichtert den Transport längerer Gegenstände. Für das maximale Ladevolumen werden derzeit rund 1.600 Liter genannt, dieser Wert muss von Volkswagen aber noch final bestätigt werden.

Praktisch für Freizeit und Urlaub ist vor allem die höhere Zug- und Stützlast. Mit großem Akku sind bis zu 2,0 Tonnen Anhängelast möglich, mit dem kleineren Akku bis zu 1,8 Tonnen. Die Stützlast steigt auf 90 kg und schafft damit mehr Reserven für schwere Fahrradträger mit E-Bikes. Auf dem Dach dürfen weiterhin bis zu 75 kg transportiert werden.

Beim Frunk ist die Lage noch nicht abschließend geklärt. Beim bislang gefahrenen Allrad-Prototypen war unter der Fronthaube kein zusätzlicher Stauraum vorhanden. Ob andere Varianten später einen Frunk erhalten, ist bisher nicht bestätigt.

Optisch rückt der ID. Tiguan näher an klassische VW-SUVs. Die Front steht steiler, die Linien wirken kantiger und statt versenkter Griffe kommen wieder Bügeltürgriffe zum Einsatz. Je nach Ausstattung unterscheiden sich Style und R-Line zusätzlich bei Schürzen, Felgen und Lichtdetails. Mit einem cw-Wert von 0,26 bleibt der Luftwiderstand trotz des kräftigeren Auftritts vergleichsweise niedrig.

Wie sehr hat VW Innenraum und Bedienung beim ID. Tiguan verbessert?

Die größten Fortschritte zeigen sich bei Bedienung, Materialanmutung und Komfort. Besonders die Rückkehr echter Lenkradtasten dürfte viele Kritikpunkte der bisherigen ID.-Modelle entschärfen.


Im Innenraum fällt vor allem auf, dass Volkswagen einige frühere Bedienexperimente zurücknimmt. Am Lenkrad sitzen wieder echte haptische Tasten statt der vielfach kritisierten Touch-Flächen. Für weitere Funktionen, darunter die Klimabedienung, deuten die bislang gezeigten Vorserienfahrzeuge ebenfalls auf eine stärker tastengestützte Lösung hin. Da noch nicht alle Details final enthüllt wurden, sollte man diesen Punkt aber erst nach der Weltpremiere abschließend bewerten.

Das zentrale Infotainment-Display fällt deutlich größer aus als bei frühen ID.-Modellen und arbeitet laut ersten Tests mit spürbar schnellerer Hardware. Die Laderoutenplanung bietet unter anderem Filter für Ladeanbieter und Einstellungen zum gewünschten Ladezustand am Ziel. Apple CarPlay und Android Auto sind ebenfalls an Bord.

Bei den Materialien scheint Volkswagen ebenfalls nachgelegt zu haben. Gepolsterte Flächen, Mikrofaserbezüge, Ziernähte und beleuchtete Dekore sollen für einen hochwertigeren Eindruck sorgen. In besseren Ausstattungsvarianten kommen elektrisch verstellbare Sitze, Massagefunktion und Sitzbelüftung hinzu. Ganz verschwunden ist der Sparzwang aber offenbar nicht: Erste Tester bemängeln im Fond weiterhin größere Hartplastikflächen.

Für zusätzlichen Komfort sorgen je nach Ausstattung ein großes Panoramadach mit elektrischem Rollo sowie hochwertige Audiosysteme.

Volkswagen kehrt also beim ID. Tiguan zu einer klassischeren Bedienung zurück. Weniger Touch-Flächen, mehr echte Tasten und eine insgesamt vertrautere Anordnung dürften im Alltag vieles einfacher machen.

Wie fährt sich der neue VW ID. Tiguan?

Die ersten Fahreindrücke fallen positiv aus: Besonders Fahrkomfort, das adaptive Fahrwerk DCC (Dynamic Chassis Control), Bremsgefühl und Assistenzsysteme werden gelobt. Die Allradversion fährt sich trotz ihres Gewichts agil und souverän.

Das adaptive Fahrwerk gehört zu den Punkten, die in mehreren ersten Tests besonders hervorgehoben werden. Im Comfort-Modus soll es Unebenheiten sehr sauber wegfiltern, während sich die Abstimmung im Individual-Modus deutlich straffer wählen lässt. Dazu kommt eine Progressivlenkung, die dem rund zwei Tonnen schweren SUV in Kurven mehr Direktheit verleiht, als man angesichts der Fahrzeuggröße erwarten würde.

Auch bei der Bremse hat Volkswagen offenbar nachgebessert. Das Pedalgefühl wird als direkter und klarer beschrieben als beim bisherigen ID.4. Gleichzeitig soll der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse sehr harmonisch ausfallen. Nach bisher vorliegenden Einschätzungen kann der B-Modus den ID. Tiguan nun bis zum vollständigen Stillstand verzögern. Wer lieber segelt, kann weiterhin den D-Modus nutzen.

Die 300-PS-Allradversion bringt ihre Leistung über beide Achsen auf die Straße und bietet entsprechend viel Traktion. Dabei steht weniger maximale Sportlichkeit als ein souveräner Antritt im Vordergrund. Auffällig ist zudem das niedrige Geräuschniveau im Innenraum: Bei den ersten Fahrten waren wenig Abrollgeräusche wahrnehmbar, sonst blieb das Fahrzeug akustisch sehr zurückhaltend.

Bei den Assistenzsystemen baut Volkswagen auf den bekannten Travel Assist. Hinzu kommen unter anderem die automatische Geschwindigkeitsanpassung vor Kurven und Kreisverkehren. Dafür greift das System unter anderem auf Schwarmdaten anderer Volkswagen-Fahrzeuge zurück. Auch Ampelerkennung und weitere Funktionen sollen den Funktionsumfang erweitern. In den ersten Tests arbeiteten die Systeme unauffällig und präzise.

Positiv fällt außerdem der kleine Wendekreis auf, selbst bei der Allradversion. Zusammen mit dem komfortablen Fahrwerk und der präziseren Abstimmung wird das dem ID. Tiguan im Alltag sehr zugutekommen.

VW ID. Tiguan Heckdetail

VW ID. Tiguan 2027 Erste Fahrt Detail INSTADRIVE ecarso

Welche Stärken und Schwächen hat der VW ID. Tiguan?

Der ID. Tiguan punktet vor allem mit Komfort, Bedienung, Raumangebot und Alltagstauglichkeit. Weniger überzeugend wirken bislang die nur moderat weiterentwickelte Lade- und Batterietechnik sowie die begrenzte Höchstgeschwindigkeit. Hier unsere Übersicht:

Vorteile Nachteile
Sehr komfortables Fahrwerk mit variabler Abstimmung Schnellladeleistung kaum höher als beim bisherigen ID.4
Bis zu 600 km WLTP-Reichweite Weiterhin nur maximal 77 kWh beim großen Akku
Großzügiges Platzangebot und hohe Alltagstauglichkeit Nur 160 beziehungsweise 180 km/h Höchstgeschwindigkeit
Bis zu 2,0 Tonnen Anhängelast und 90 kg Stützlast Im Fond teilweise weiterhin einfache Hartplastikflächen
Echte Lenkradtasten und alltagstauglichere Bedienung Frunk bislang nicht bestätigt
Direkteres Bremsgefühl und überzeugende Assistenzsysteme Einige technische Detailverbesserungen fallen zu gering aus

Fazit: Der ID. Tiguan soll vor allem das bessere Gesamtpaket werden

Der ID. Tiguan ist weniger eine technische Revolution als eine umfassende Weiterentwicklung dessen, was Volkswagen mit dem ID.4 begonnen hat. Vielleicht liegt darin seine Stärke: Statt möglichst viele neue Konzepte einzuführen, konzentriert sich VW auf die Bereiche, die im Alltag tatsächlich über Zufriedenheit oder Frust entscheiden.

Wie groß dieser Schritt am Ende wirklich ausfällt, wird sich erst mit den finalen Serienfahrzeugen zeigen. Noch fehlen unter anderem die endgültigen Preise und einzelne bestätigte Detailangaben. Vor allem der Preis dürfte entscheidend dafür sein, ob der ID. Tiguan nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich als überzeugender Nachfolger von ID.4 und ID.5 wahrgenommen wird.

Der Marktstart ist für Anfang 2027 vorgesehen. Dann wird sich zeigen, ob Volkswagen mit dem bekannten Tiguan-Namen und einer deutlich gereiften Elektro-Plattform auch Kunden erreicht, die mit den bisherigen ID.-Modellen noch nicht so viel anfangen konnten.

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Simona Marino
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