THG Prämie 2027: Das müssen E-Fahrzeughalter wissen

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Was bringt die THG-Prämie 2027?

Nach den starken THG-Prämien im Jahr 2026 müssen sich viele Fahrer von E-Autos 2027 voraussichtlich auf niedrigere Auszahlungen einstellen. Mehrere Änderungen am THG-Markt sprechen inzwischen recht deutlich dafür, dass die Prämien im kommenden Jahr unter Druck geraten werden.

Wie stark der Rückgang ausfallen wird, ist allerdings noch offen. Denn die THG-Prämie ist keine staatlich festgelegte Förderung, sondern hängt unter anderem davon ab, wie viel CO₂-Einsparung einem Fahrzeug angerechnet wird und welchen Preis diese Menge am Markt erzielt.

Die gute Nachricht: 2027 könnte sich lediglich als vorübergehende Preisdelle erweisen. Für 2028 werden THG-Mengen am Markt bereits wieder höher bewertet als für 2027. Was hinter der Entwicklung steckt und was sie für E-Autos, E-Motorräder, Nutzfahrzeuge, Busse und schwere E-Lkw bedeutet, zeigen wir in diesem Artikel.

Wie hoch wird die THG-Prämie 2027?

Für E-Auto-Fahrer dürfte die THG-Prämie 2027 deutlich niedriger ausfallen als 2026. Nach den derzeitigen Marktpreisen und Berechnungsgrundlagen erscheint ein Rückgang in der Größenordnung von rund 30 Prozent durchaus realistisch

Wie hoch die Auszahlung tatsächlich ausfallen wird, kann heute niemand auf den Euro genau vorhersagen. Die THG-Prämie ist keine staatlich festgelegte Förderung. Entscheidend ist unter anderem, welchen Preis die gebündelten THG-Mengen am Markt erzielen und welche Konditionen der jeweilige Anbieter seinen Kunden bietet.

Die derzeitigen Marktpreise zeigen bereits deutlich, wohin die Reise geht. Laut Marktberichten von 14degrees, einem auf den THG-Quotenmarkt spezialisierten Anbieter, wurden frei handelbare THG-Zertifikate für 2026 im August überwiegend zwischen 490 und 525 Euro je Tonne CO₂-Äquivalent gehandelt. Für 2027 lagen die Preisindikationen dagegen nur bei rund 400 bis 415 Euro. Auch der internationale Marktbeobachter S&P Global Commodity Insights sah Mitte August für 2027er THG-Mengen Preise, die rund 20 bis 21 Prozent unter vergleichbaren Mengen für 2026 lagen.

Besonders wichtig: 2027 ändern sich die Berechnungsgrundlagen für die THG-Menge eines E-Fahrzeugs.
Beides zusammen spricht dafür, dass die Prämien 2027 deutlich unter dem Niveau von 2026 liegen werden.

Die Details erklären wir im nächsten Abschnitt.

Warum wird die THG-Prämie 2027 wahrscheinlich sinken?

Für den erwarteten Rückgang gibt es zwei Hauptgründe: 2027 werden große Quotenüberschüsse aus früheren Jahren wieder nutzbar. Gleichzeitig sinkt durch die höhere gesetzliche THG-Quote die CO₂-Einsparung, die pro E-Fahrzeug als THG-Menge vermarktet werden kann.


Alte Quotenüberschüsse belasten den Markt 2027

Der erste Grund reicht einige Jahre zurück. Vor allem 2023 und 2024 kamen große Mengen vermeintlich besonders klimafreundlicher Biokraftstoffe auf den deutschen Markt, darunter viele Importe aus China. Bei einem Teil bestand der Verdacht, dass Rohstoffe falsch deklariert und dadurch höhere CO₂-Einsparungen angerechnet wurden, als tatsächlich gerechtfertigt waren. Gleichzeitig gerieten sogenannte UER-Projekte in die Kritik, über die sich Mineralölunternehmen weitere Emissionsminderungen anrechnen lassen konnten.

Das dadurch erzeugte große zusätzliche Angebot ließ die Preise am THG-Markt stark fallen. Die Bundesregierung reagierte und setzte die Übertragung von Quotenüberschüssen vorübergehend aus. Überschüsse aus 2024 konnten dadurch nicht 2025 genutzt werden, Überschüsse aus 2025 nicht 2026.

Die Mengen verschwanden allerdings nicht. Sie wurden lediglich aufgeschoben und können ab 2027 wieder angerechnet werden. Branchenschätzungen gehen davon aus, dass sich bis Ende 2026 insgesamt ein Quotenvorrat von mehr als 11 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent aufgebaut haben könnte. Darin enthalten sind allerdings nicht nur die zurückgehaltenen Überschüsse aus 2024 und 2025, sondern auch weitere Quotenmengen. Nicht alles davon muss sofort 2027 eingesetzt werden. Dennoch steigt das verfügbare Angebot deutlich und setzt die Preise unter Druck.

Die Bundesregierung hat darauf bereits reagiert und die THG-Quote für 2027 stärker angehoben als ursprünglich vorgesehen. Statt 16 Prozent gelten nun 17,5 Prozent. Das erhöht zwar die Nachfrage nach THG-Mengen, reicht aber nicht aus, um das zusätzliche Angebot vollständig auszugleichen.

Die höhere THG-Quote drückt die Prämie zusätzlich

Die höhere THG-Quote wirkt sich noch auf eine zweite Art aus. Sie bestimmt mit, wie viel CO₂-Einsparung einem E-Auto überhaupt als handelbare THG-Menge angerechnet werden kann.

Der Gesetzgeber setzt für 1 Gigajoule Energie aus fossilem Kraftstoff 94 Kilogramm CO₂e an. Mineralölunternehmen müssen ihre durchschnittlichen Emissionen bereits aufgrund der gesetzlichen THG-Quote senken. Deshalb wird der fossile Ausgangswert von 94,0 kg CO₂e/GJ zuerst um diese Quote reduziert. Nur die Einsparung, die über dieses gesetzliche Ziel hinausgeht, kann ihnen über die THG-Quote eines E-Autos angerechnet werden.

2026 sieht die Rechnung deshalb so aus:

94,0 kg CO₂e/GJ (fossiler Ausgangswert) × 0,88 (nach Abzug der THG-Quote von 12 Prozent) = 82,7 kg CO₂e/GJ (verbleibender Vergleichswert).

2027 steigt die THG-Quote auf 17,5 Prozent:

94,0 kg CO₂e/GJ (fossiler Ausgangswert) × 0,825 (nach Abzug der THG-Quote von 17,5 Prozent) = 77,6 kg CO₂e/GJ (verbleibender Vergleichswert).

Für den Ladestrom werden 2026 nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Anpassungsfaktor 47,6 kg CO₂e/GJ angesetzt. Zieht man diesen Wert vom Vergleichswert ab, bleiben 2026 rund 35,1 kg CO₂e/GJ anrechenbare CO₂-Einsparung. Unterstellt man für 2027 zunächst denselben Stromwert, wären es aufgrund der höheren THG-Quote nur noch rund 30,0 kg CO₂e/GJ. Der für 2027 maßgebliche Emissionswert basiert auf dem deutschen Strommix 2025 und wird voraussichtlich im Oktober oder November 2026 veröffentlicht.

Die Folge: Bei einem E-Pkw sinkt die vermarktbare THG-Menge nach aktuellem Stand von rund 0,76 Tonnen CO₂e im Jahr 2026 auf etwa 0,65 bis 0,68 Tonnen im Jahr 2027.

Für E-Auto-Fahrer treffen damit zwei ungünstige Entwicklungen zusammen: Pro Fahrzeug kann weniger THG-Menge verkauft werden und gleichzeitig wird diese Menge am Markt derzeit niedriger bewertet. Daher spricht vieles dafür, dass die THG-Prämie 2027 deutlich unter dem Niveau von 2026 liegen wird.

Wie hoch ist die THG-Prämie 2027 für E-Autos und E-Motorräder?

Für E Autos und zulassungspflichtige E Motorräder dürfte die THG Prämie 2027 deutlich niedriger ausfallen als 2026. Ein Rückgang in der Größenordnung von rund 30 Prozent erscheint nach aktuellem Stand realistisch.

Für E Autos und zulassungspflichtige E Motorräder dürfte die THG Prämie 2027 deutlich niedriger ausfallen als 2026. Der Hauptgrund ist die im vorherigen Abschnitt erklärte Kombination aus geringerer anrechenbarer CO₂ Einsparung und niedrigeren Marktpreisen.

Bei E-Pkw sinkt die vermarktbare THG Menge nach heutigem Stand von rund 0,76 Tonnen CO₂e im Jahr 2026 auf etwa 0,65 bis 0,68 Tonnen im Jahr 2027. Gleichzeitig werden 2027er THG-Mengen derzeit deutlich niedriger bewertet als Mengen für 2026.

Für Kunden bedeutet das: Selbst wenn sich der Marktpreis bis zur tatsächlichen Vermarktung noch verändert, spricht momentan wenig dafür, dass die hohen Prämien von 2026 im kommenden Jahr gehalten werden können. Ein Rückgang in der Größenordnung von rund 30 Prozent erscheint nach aktuellem Stand realistisch.

Für zulassungspflichtige E Motorräder gilt grundsätzlich dieselbe Entwicklung. Auch hier basiert die THG Prämie auf einer pauschal angerechneten Strommenge und der daraus berechneten CO₂ Einsparung. Die höhere THG Quote und die schwächeren Marktpreise wirken deshalb in dieselbe Richtung wie beim E Auto.
Für leichte und mittelschwere E-Nutzfahrzeuge der Klassen N1 und N2 gilt ebenfalls dieselbe Tendenz. Weil für diese Fahrzeuge höhere Strommengen angesetzt werden, fällt ihre THG-Menge grundsätzlich höher aus als bei einem E-Pkw. 2027 dürfte sie aus denselben Gründen aber ebenfalls niedriger ausfallen.

Bei schweren E Lkw und E Bussen sieht die Situation allerdings anders aus. Für diese Fahrzeugklassen ändert sich 2027 ein zusätzlicher Berechnungsfaktor, der den negativen Markteffekt zumindest teilweise ausgleichen kann.

Wie entwickelt sich die THG-Prämie 2027 für schwere E-Lkw und E-Busse?

Für schwere E-Lkw und E-Busse sieht die Entwicklung 2027 günstiger aus als für E-Autos. Der Anrechnungsfaktor steigt von 3 auf 4. Dadurch kann mehr THG-Menge vermarktet werden. Ob die Prämie am Ende tatsächlich höher ausfällt als 2026, ist aber noch offen.


Für schwere E-Lkw der Klasse N3 und E-Busse der Klasse M3 funktioniert die Berechnung grundsätzlich genauso wie beim E-Auto. Zuerst wird ermittelt, wie viel CO₂ gegenüber fossilem Kraftstoff eingespart wird. Danach wird diese Einsparung mit einem gesetzlich festgelegten Faktor multipliziert, mit dem Strom für E-Fahrzeuge bei der THG-Quote zusätzlich begünstigt wird. Bei N3-Lkw und M3-Bussen steigt dieser Faktor 2027 von 3 auf 4. Der Faktor selbst erhöht sich damit um rund 33 Prozent.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass auch die gesamte vermarktbare THG-Menge eines Fahrzeugs um 33 Prozent steigt. Denn gleichzeitig steigt die gesetzliche THG-Quote von 12 auf 17,5 Prozent. Dadurch fällt die anrechenbare CO₂-Einsparung pro Kilowattstunde zunächst niedriger aus.

Ein E-Bus der Klasse M3 mit pauschal 72.000 kWh Strom pro Jahr zeigt den Effekt:

2026:

35,1 kg CO₂e/GJ (anrechenbare CO₂-Einsparung) × 259,2 GJ (72.000 kWh Strom) × 3 (Anrechnungsfaktor) = rund 27,3 Tonnen CO₂e (vermarktbare THG-Menge)

2027, wenn man zunächst mit demselben Stromemissionswert wie 2026 rechnet:

30,0 kg CO₂e/GJ (anrechenbare CO₂-Einsparung) × 259,2 GJ (72.000 kWh Strom) × 4 (Anrechnungsfaktor) = rund 31,1 Tonnen CO₂e (vermarktbare THG-Menge)

Damit steigt die vermarktbare THG-Menge in diesem Beispiel nur um rund 14 Prozent.

Fällt der Emissionswert des deutschen Strommix 2027 niedriger aus, kann der Zuwachs größer werden. Wie stark die THG-Menge tatsächlich steigt, lässt sich deshalb erst genauer einschätzen, wenn dieser Wert feststeht.

Der Marktpreis bestimmt dann am Ende, wie viel die zusätzliche THG-Menge wert ist und damit auch, wie hoch die THG-Prämie ausfällt. Der höhere Faktor wirkt positiv, die derzeit niedrigeren Preise für 2027 dagegen negativ. Insgesamt haben schwere E-Lkw und E-Busse 2027 aber deutlich bessere Voraussetzungen als E-Autos. Ob der Mengenanstieg den niedrigeren Marktpreis vollständig ausgleicht oder sogar übertrifft, lässt sich derzeit aber noch nicht sicher sagen.

Steigt die THG-Prämie 2028 wieder?

Dafür gibt es erste Anzeichen. Am THG-Markt werden Mengen für 2028 bereits wieder höher bewertet als für 2027. Das Niveau von 2026 wird bislang allerdings nicht erreicht.


Ende August 2026 lagen die Preisindikationen für THG-Mengen des Jahres 2027 laut 14degrees bei rund 410 bis 425 Euro je Tonne CO₂e. Für 2028 wurden dagegen bereits 435 bis 445 Euro aufgerufen. Zum Vergleich: Für 2026 lag die Spanne bei 490 bis 525 Euro.

Der Markt rechnet derzeit also nicht damit, dass das schwächere Preisniveau von 2027 dauerhaft bestehen bleibt. Das passt auch zur weiteren Entwicklung der gesetzlichen THG-Quote: Nach 17,5 Prozent im Jahr 2027 steigt sie 2028 auf 19,5 Prozent und 2029 auf 22,5 Prozent. Mineralölunternehmen müssen damit in den kommenden Jahren immer größere Mengen an CO₂ einsparen und benötigen entsprechend mehr Möglichkeiten, ihre Quote zu erfüllen.

Gleichzeitig dürften die aufgeschobenen Quotenüberschüsse den Markt nicht dauerhaft im gleichen Ausmaß belasten. Wie schnell diese Mengen tatsächlich abgebaut werden, lässt sich allerdings nicht vorhersagen.

Die aktuellen Marktpreise sprechen damit dafür, dass 2027 eine vorübergehende Preisdelle sein könnte und sich der THG-Markt 2028 wieder etwas erholt. Eine Garantie für höhere THG-Prämien ist das allerdings nicht. Gerade für 2028 gibt es bislang noch deutlich weniger Handel als für 2026 und 2027, sodass sich die Preisindikationen noch stärker verändern können. Zudem liegen die heutigen 2028er Preise weiterhin unter dem Niveau von 2026.

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Auch für andere Bereiche bietet INSTADRIVE die THG-Vermarktung an. Dazu gehören E-Lkw sowie größere Fahrzeugflotten. Wer öffentliche Ladepunkte betreibt, kann zudem den tatsächlich geladenen Strom vermarkten lassen. Die Vergütung erfolgt dabei kWh-genau und kann sich insbesondere bei stark frequentierten Ladesäulen lohnen.

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Fazit: THG-Prämie 2027 unter Druck

Für die meisten E-Fahrzeuge spricht derzeit vieles für niedrigere THG-Prämien 2027. Bei schweren E-Lkw und E-Bussen wirkt der neue Berechnungs-Faktor 4 dagegen positiv.

2027 könnte allerdings nur eine vorübergehende Schwächephase sein: Für 2028 werden THG-Mengen am Markt bereits wieder höher bewertet. Ob sich daraus auch wieder höhere Prämien ergeben, bleibt abzuwarten.

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Simona Marino
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