Der neue Mercedes GLA: Elektro und Verbrenner erstmals vereint
Elektro und Verbrenner unter einem Dach – bislang undenkbar bei Mercedes. Mit dem neuen GLA räumt die Marke damit auf: Beide Antriebe stehen jetzt erstmals auf der gemeinsamen MMA-Plattform. Den Anfang macht die Elektroversion, und die hat es in sich: 800-Volt-Technik, bisher größeren und teureren Modellen vorbehalten, hält damit erstmals Einzug ins Kompakt-SUV-Segment. Was der neue GLA sonst noch mitbringt und was er kosten wird, zeigt unser Überblick
Welche Elektro-Versionen gibt es beim neuen GLA?
Zum Start stehen drei Elektro-Varianten zur Wahl, alle mit 800-Volt-Architektur.
Der GLA 200 bildet den Einstieg: Heckantrieb, 224 PS und eine 58-kWh-Batterie mit LFP-Zellchemie. In 8,1 bis 8,4 Sekunden (je nach Quelle) geht es auf 100 km/h.
Darüber positioniert sich der GLA 250+, ebenfalls mit Heckantrieb, aber 272 PS und einer größeren 85-kWh-NMC-Batterie. Der Sprint auf 100 km/h dauert 7,3 Sekunden.
Die Spitze bildet der GLA 350 4Matic, die einzige Allradvariante im Line-up. Mit 354 PS Systemleistung schafft er den Standardsprint in 5,4 Sekunden – Werte, die man in diesem Segment bislang kaum kannte.
Ein vierter Antrieb ist bereits absehbar: Der GLA 250 (ohne Plus) soll den 200-kW-Motor des 250+ mit einer kleineren 71-kWh-Batterie kombinieren. Details dazu stehen noch aus.
Wie groß ist der neue Mercedes GLA Elektro?
Der GLA wächst auf 4,57 Meter Länge und rückt damit näher an die Mittelklasse als an klassische Kompaktwagen.
Mit 4,57 Metern Länge (Radstand: 2,79 Meter, plus 6 cm gegenüber dem Vorgänger) bewegt sich der GLA am oberen Ende des Kompakt-SUV-Segments – er ist länger als BMW X1 (4,50 m), Audi Q3 (4,53 m) und VW Tiguan (4,54 m) und kommt fast an die Länge eines VW ID.4 heran. Breite und Höhe liegen bei 1,87 respektive 1,60 Metern.
Der Kofferraum fasst 410 Liter, bei umgeklappter Rückbank (40:20:40 geteilt) wächst das Volumen auf bis zu 1.400 Liter. Eine Fernentriegelung vom Heck aus gibt es allerdings nicht. Im Vergleich zur Fahrzeuggröße fällt der Wert eher knapp aus, die Konkurrenz bietet hier teilweise deutlich mehr.
Einen echten Vorteil hat die Elektroversion dagegen unter der Fronthaube: Mit 107 Litern bietet der Frunk mehr Stauraum als bei vielen Konkurrenten üblich – ein echter Megafrunk fürs Ladekabel oder die Tasche, ganz ohne den Kofferraum zu belegen. Diesen Zusatzstauraum gibt es ausschließlich beim Elektroantrieb, der Verbrenner muss ohne auskommen.
Bei der Anhängelast zeigt sich der GLA überraschend stark: Bis zu 2 Tonnen sind mit Allradantrieb möglich, die Stützlast liegt bei 80 kg – ausreichend für einen Fahrradträger mit E-Bikes.
Wie schnell lädt der GLA mit 800-Volt-Technik?
Die 800-Volt-Architektur bringt beim GLA echte Ladezeiten unter 25 Minuten – ein Wert, den es bislang nur in größeren Mercedes-Modellen gab.
Beim GLA 200 mit der kleineren LFP-Batterie dauert der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent 20 Minuten, das ergibt eine durchschnittliche Netto-Ladeleistung von rund 122 kW.
GLA 250+ und GLA 350 4Matic mit der größeren NMC-Batterie schaffen die gleiche Spanne in 22 Minuten. Mercedes gibt hier eine maximale Ladeleistung von 320 kW an, die durchschnittliche Netto-Ladeleistung liegt bei rund 162 kW. In eigenen Tests hat Mercedes diesen Wert bei anderen Modellen der Plattform bereits übertroffen.
An der AC-Wallbox liegt die Ladeleistung serienmäßig bei 11 kW, gegen Aufpreis sind 22 kW möglich.
Wie weit kommt der elektrische GLA ?
Bei der Reichweite liegen die drei Varianten je nach Ausstattung und Fahrweise in ähnlichen Bereichen, trotz unterschiedlicher Batteriegrößen.
Der GLA 200 kommt mit der 58-kWh-Batterie laut WLTP auf 394 bis 447 km, der Verbrauch liegt bei 14,8 bis 17 kWh/100 km.
Der GLA 250+ mit der größeren 85-kWh-Batterie schafft 577 bis 657 km, bei einem Verbrauch von 15,1 bis 17,3 kWh/100 km. Damit erreicht er von allen dreien die höchste Reichweite.
Der GLA 350 4Matic liegt mit Allradantrieb trotz gleicher Batteriegröße etwas darunter: 555 bis 643 km bei 15,1 bis 17,6 kWh/100 km – der Allradantrieb kostet also einige Kilometer Reichweite.
Ein Tester hat für die 85-kWh-Version zusätzlich einen eigenen Praxiswert geschätzt: unter 20 kWh/100 km auf der Autobahn, was auf über 400 km Autobahnreichweite hinauslaufen würde. Das liegt spürbar unter dem WLTP-Bestwert, zeigt aber, dass auch im Alltag ordentliche Strecken möglich sein sollten.
Was zeichnet Innenraum und Cockpit des GLA aus?
Der Superscreen und eine KI-gestützte Sprachassistenz mit drei Systemen im Hintergrund prägen das Cockpit des neuen GLA.
Der um 6 cm gewachsene Radstand sorgt für mehr Bein- und Kopffreiheit auf allen Plätzen. Ein Unterschied zwischen den Antriebsarten bleibt trotzdem bestehen: Bei der Elektroversion liegt die Batterie im Boden, wodurch die Sitzbank tiefer positioniert ist und die Beine stärker angewinkelt werden müssen. Der Verbrenner bietet dagegen sogenannte Fußgaragen, Ausbuchtungen im Boden, die die Sitzposition der Beine angenehmer machen – dafür schränkt der Kardantunnel dort die Beinfreiheit zur Mitte hin ein.
Zentrales Element im Cockpit ist der optionale Superscreen mit drei physisch getrennten Displays, in der Breite zwischen 10,25 und 14 Zoll. Ein Tester bemängelt dabei die Ergonomie: Die Displays stehen zu steil und zu nah am Fahrer, was schnell zur Reizüberflutung führen kann. Ein optionales Beifahrerdisplay ermöglicht zudem Videostreams während der Fahrt.
Das neue Betriebssystem MB.OS reagiert nach Testerangaben sehr schnell und unterstützt Over-the-Air-Updates. Die Sprachassistenz gleicht Informationen aus drei KI-Systemen ab – ChatGPT, Google Gemini und Bing –, um möglichst zuverlässige Antworten zu liefern. Erfreulich für alle, die lieber mit echten Knöpfen arbeiten: Mercedes hat echte Tasten und Walzen ans Lenkrad zurückgebracht.
Die Navigation setzt auf Google Maps und bezieht bei der Elektroversion Topografie, Wetter und Windverhältnisse in die Reichweitenprognose mit ein. Sie kommuniziert außerdem mit anderen Mercedes-Modellen, um Ladestopps möglichst genau zu berechnen – im Test wurden für eine Strecke nach Hamburg fünf Stopps ermittelt.
Serienmäßig ist ein Panoramaglasdach mit Infrarot-Reflektierung verbaut, das sich weder öffnen noch verdunkeln lässt. Optional gibt es die dimmbare Variante mit integrierten Sternen, die mit der Ambientebeleuchtung korrespondieren und sich auch per Sprachbefehl steuern lassen. Bei den Materialien ist Kunstleder/Stoff Standard, echtes Leder gibt es gegen Aufpreis. Kritisiert wird von einem Tester der Kunststoffanteil im unteren Innenraumbereich.
Mercedes GLA Elektro Cockpitansicht
Was kostet der Mercedes GLA Elektro und wann kommt er?
Die Preise für den elektrischen GLA starten bei 48.600 Euro und reichen je nach Ausstattung bis über 70.000 Euro.
Der Einstieg gelingt mit dem GLA 200 für 48.600 Euro. Der GLA 250+ kostet 54.978 Euro, die Allradvariante GLA 350 4Matic startet bei 58.108 Euro. Wer sich für höherwertige Ausstattungslinien wie AMG Line Plus oder spezielle Lackierungen entscheidet, kommt mühelos über die 70.000-Euro-Marke.
Zur Wahl stehen vier Ausstattungslinien: Style als Basis, Progressive, AMG Line sowie AMG Line Plus. Zum Marktstart gibt es außerdem eine Sondermodell-Variante mit matt-schwarzer Lackierung.
Die Elektroversion macht den Anfang, die Hybridmodelle mit 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo und 48-Volt-Startergenerator sollen Anfang 2027 folgen. Deren Preise stehen noch nicht fest, dürften aber unter denen der Elektroversion liegen.
Fazit: Ein GLA, der die Konkurrenz unter Druck setzt
Mit 800-Volt-Technik, die bislang größeren (und teureren) Modellen vorbehalten war, hebt Mercedes die Kompakt-SUV-Klasse auf ein neues Niveau. Ladezeiten von 20 bis 22 Minuten und ein Frunk, den in dieser Klasse kaum ein Wettbewerber bietet, machen den Elektro-GLA zur starken Wahl innerhalb der eigenen Modellpalette - mehrere Tester ziehen die Elektroversion dem parallel angebotenen Verbrenner explizit vor, einer bezeichnet den Benziner in diesem Fall sogar als überflüssig.
Schwächen bleiben trotzdem: Das Kofferraumvolumen von 410 Litern fällt für die Fahrzeuggröße mager aus, und wer voll ausstattet, landet schnell jenseits der 70.000-Euro-Marke. Auch bietet die chinesische Konkurrenz teils größere Batterien und schnelleres Laden zu niedrigeren Preisen. Wer aber Wert auf Verarbeitungsqualität, Ladeleistung und einen praktischen Zusatzstauraum legt, bekommt mit dem neuen GLA einen der derzeit stärksten Elektro-Kompakt-SUVs auf dem Markt.
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