Renault E-Space Concept: Elektro-Van statt SUV

Renault E-Space Concept Front INSTADRIVE ecarso

Ein Familienauto, das wir vermisst haben

Der SUV-Boom hat den klassischen Van zunehmend von der Bildfläche verdrängt. Selbst der einst so beliebte Renault Espace ist längst zum SUV geworden. Dabei erinnern wir uns gerne an die unverwechselbare Form des ursprünglichen Espace und vor allem an seinen großzügigen, offenen Innenraum, der das Reisen mit der Familie so angenehm machte. Umso erfreulicher, dass Renault mit dem E-Space Concept wieder an diese Idee anknüpft und sie für das Elektrozeitalter neu interpretiert. Uns gefällt diese Richtung ausgesprochen gut. Denn die Studie zeigt, wie viel Potenzial noch immer in einem Familienauto steckt,

Renault E-Space Concept Heck INSTADRIVE ecarso

Was macht den Renault E-Space Concept so besonders?

Der 4,70 Meter lange Elektro-Van knüpft an den ersten Renault Espace von 1984 an und setzt auf großzügige Platzverhältnisse statt SUV-Optik.


Schon damals hatte Renault mit dem Espace eine neue Fahrzeugklasse populär gemacht. Die Idee war ebenso einfach wie überzeugend: ein Familienauto, das auf überschaubarer Grundfläche möglichst viel Bewegungsfreiheit bietet. Mit dem E-Space Concept greifen die Franzosen diesen Gedanken wieder auf und orientieren sich an ihrer Philosophie der „voitures à vivre“, also Autos, in denen man sich gerne aufhält.

Optisch erinnert die Studie durchaus an ihren legendären Vorfahren, wirkt aber wesentlich futuristischer. Mit 2,02 Metern Breite und 1,67 Metern Höhe steht der E-Space satt auf der Straße. Die kurzen Karosserieüberhänge und riesigen 23-Zoll-Räder sorgen für moderne Proportionen. Besonders auffällig ist die großzügige Verglasung: Die Fenster reichen ungewöhnlich weit nach unten, während ein großes Glasdach und die beinahe schwebende C-Säule den Aufbau besonders leicht erscheinen lassen. Auch die Windschutzscheibe, die optisch in die Motorhaube übergeht, erinnert mit ihrem charakteristischen „TGV-Profil“ an den ersten Espace.

Die Inspiration dafür holten sich die Designer sogar aus der Architektur. Als Vorbild diente unter anderem das berühmte Farnsworth House von Ludwig Mies van der Rohe, dessen offene Glasbauweise auf maximale Transparenz ausgelegt ist. Tatsächlich entwickelte Renault zunächst den gewünschten Lebensraum und gestaltete erst anschließend die Karosserie darum herum.

Auch an der Front geht Renault eigene Wege. Eine breite, U-förmige Lichtsignatur umrahmt das beleuchtete Markenlogo. Klassische Außenspiegel sucht man vergeblich, stattdessen übernehmen kleine Kameras deren Aufgabe. Ein absenkbarer Splitter im vorderen Stoßfänger soll die Aerodynamik bei höheren Geschwindigkeiten optimieren. Der obere Heckspoiler erinnert dagegen an die zweite und dritte Espace-Generation. Der dunkel abgesetzte untere Karosseriebereich lässt das Fahrzeug zusätzlich schlanker wirken und greift zugleich den breiten grauen Seitenschutz des ersten Espace auf.

Insgesamt ist Renault damit ein bemerkenswert eigenständiger Entwurf gelungen, der sich angenehm von den üblichen Karosserieformen moderner Familienautos abhebt.

Renault E-Space Concept Innenraum

Renault E-Space Concept Innenraum INSTADRIVE ecarso

Wie verwandelt sich der Renault E-Space in ein Wohnzimmer?

Sechs Einzelsitze, ein ebener Fahrzeugboden und um 180 Grad drehbare Sitze in der zweiten Reihe machen den E-Space zu einer wandelbaren Familien-Lounge.

Schon der Einstieg ist ungewöhnlich: Die gegenläufig öffnenden Türen kommen ohne feste B-Säule aus und geben eine riesige Öffnung frei. Drinnen erinnert kaum etwas an die typische Sitzlandschaft eines Familienautos. Alle sechs Plätze sind gleich groß und identisch gestaltet. Ihre schlanken Rückenlehnen und lackierten Sitzschalen orientieren sich eher an modernen Designermöbeln als an herkömmlichen Autositzen.

Besonders interessant wird es in der zweiten Reihe. Werden die beiden Sitze nach hinten gedreht, entsteht zusammen mit der dritten Reihe eine gemütliche Vierer-Sitzgruppe, wie man sie aus dem Zug kennt. In der normalen Sitzposition stehen den Passagieren dagegen ausklappbare Tische mit integrierten 12,3-Zoll-Bildschirmen an den Rückenlehnen der Vordersitze zur Verfügung. Noch ungewöhnlicher: Die mittleren Sitze lassen sich vollständig umklappen und dienen dann selbst als großer Tisch für die Passagiere ganz hinten.

Damit nicht genug. Eine ferngesteuerte Konsole kann entlang der Fahrzeugmitte verschoben werden und beherbergt unter anderem einen kleinen Kühlschrank, einen Luftreiniger, Videospiel-Controller und sogar ein Vier-gewinnt-Spiel. Hier hat Renault offenbar auch an lange Urlaubsfahrten gedacht, bei denen die Beschäftigung der Kinder mindestens so wichtig sein kann wie das Reiseziel.

Für die wohnliche Atmosphäre sorgen außerdem ungewöhnliche Farben und Materialien. Scharlachrot, Violett und Granatrot erinnern an die farbenfrohen Renault-Innenräume der 1970er-Jahre. Auf dem Boden liegt ein drei Zentimeter dicker Wollteppich mit korallenfarbenem Zentrum, der zu den Rändern hin dunkler wird. Statt klassischer Holzdekore kommen gefärbtes Stroh und weitere biobasierte Werkstoffe zum Einsatz. Selbst der Innenraumlack enthält einen Anteil von 18 Prozent biobasiertem Harz.

Auch bei den kleineren Details haben sich die Designer Gedanken gemacht. Gesteppte Stoffbezüge schmücken die Türgriffe, klassische Türarmlehnen entfallen zugunsten der als Ablage nutzbaren Fensterkanten. Dazu kommen dezente Lichtleisten, beleuchtete Lautsprecher und verschiebbare Leseleuchten am Dachhimmel.

Das Ergebnis erinnert tatsächlich mehr an einen gemütlichen Aufenthaltsraum als an einen gewöhnlichen Fahrzeuginnenraum. Ob der dicke Wollteppich und die hellen Materialien den Belastungen eines Familienalltags dauerhaft gewachsen wären, ist natürlich eine andere Frage. An Ideen für ein angenehmeres Reiseerlebnis mangelt es Renault jedenfalls nicht.

Welche Technik steckt im Cockpit des Renault E-Space?

Ein 1,13 Meter breites Panorama-Display, zwei bewegliche Touchscreens und eine Steer-by-Wire-Lenkung machen das Cockpit des E-Space Concept zu einem echten Hingucker.

Das neue OpenR-Panorama-Display erstreckt sich nahezu über die gesamte Fahrzeugbreite und ersetzt die klassische Instrumententafel. Mit seinen Abmessungen von 1.130 × 110 Millimetern ist der gebogene Bildschirm ungewöhnlich schmal und möglichst nah an der Windschutzscheibe positioniert. Dadurch sollen wichtige Informationen leichter im Blick bleiben, ohne die Aufmerksamkeit zu weit vom Verkehrsgeschehen abzulenken.

Interessanterweise verzichtet Renault beim riesigen Bildschirm vollständig auf eine Touch-Funktion. Stattdessen erfolgt die Bedienung über zwei separate Touchscreens, die sich um einen röhrenförmigen Träger hinter dem Lenkrad schwenken lassen. Je nach Bedarf können darauf mehr oder weniger Informationen angezeigt werden. Unterhalb des Displays erstreckt sich eine geschwungene Ablage über die gesamte Cockpitbreite. Selbst die Mechanik der Pedale verschwindet hinter der Verkleidung.

Auch das Lenkrad hat mit einem herkömmlichen Volant wenig gemeinsam. Dank Steer-by-Wire gibt es keine mechanische Verbindung mehr zwischen Lenkrad und Vorderrädern. Das ermöglicht Renault größere Freiheiten bei der Gestaltung und Anpassung der Lenkung. Die feste Lenkradnabe beherbergt zudem berührungsempfindliche Bedienelemente für das Multimediasystem.

Besonders erfreulich: Zumindest das OpenR-Panorama-Display soll tatsächlich den Weg in die Serienproduktion finden. Renault hat bereits angekündigt, die Technologie in künftigen Modellen der höheren Fahrzeugklassen einzusetzen. Den Anfang sollen die nächsten Generationen von Scenic und Rafale machen.

Beim elektrischen Unterbau ist dagegen noch einiges offen. Als mögliche technische Basis einer späteren Serienversion kommt Renaults neue RGEV-Medium-2.0-Plattform mit 800-Volt-Architektur infrage. Sie ist auch für größere Elektrofahrzeuge vorgesehen und könnte entsprechend hohe Ladeleistungen ermöglichen. Eine Verwendung im E-Space Concept hat Renault bislang allerdings nicht bestätigt.

Fazit: Renault E-Space Concept: Bitte baut dieses Auto!

Wir würden den E-Space viel lieber irgendwann auf der Straße sehen als in einer Designausstellung. Renault hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass ungewöhnliche Fahrzeugideen durchaus erfolgreich sein können. Warum also nicht erneut etwas wagen? Gerade in einem Markt, in dem sich viele Modelle immer ähnlicher werden, könnte ein moderner Elektro-Van frischen Wind bringen und vielleicht sogar eine fast vergessene Fahrzeugklasse wiederbeleben.

Noch hat Renault keine Serienproduktion angekündigt, und auch Angaben zu Leistung, Batterie, Reichweite und Preis fehlen. Wir hoffen trotzdem, dass die positiven Reaktionen auf die Studie den Ausschlag geben, aus dem E-Space ein echtes Serienmodell zu machen. Es wäre jedenfalls ausgesprochen schade, wenn dieses sympathische Familienauto nur eine schöne Erinnerung an den Pariser Autosalon 2026 bleiben würde.

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Simona Marino
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