XPeng X9 2026: Vier reale Testerfahrungen im Vergleich

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XPeng X9: Was vier unabhängige Tests zeigen

Ein chinesischer Luxus-Van soll der Mercedes V-Klasse das Fürchten lehren – zumindest wenn man den ausführlichen YouTube-Tests glaubt, die in den letzten Wochen erschienen sind. Wir haben vier unabhängige YouTube-Reviews des XPeng X9 aufbereitet: unterschiedliche Strecken, unterschiedliche Wetterbedingungen, unterschiedliche Tester. Das Ergebnis ist über weite Strecken erstaunlich konsistent - nur bei der Ladeleistung unter Extrembedingungen zeigen sich Unterschiede, die einen genaueren Blick lohnen. Wer wissen will, was der X9 wirklich kann und wo er an seine Grenzen stößt, bekommt hier die Antworten.

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Wie groß und schwer ist der XPeng X9?

Der XPeng X9 ist rund 5,31 Meter lang, 1,99 Meter breit, 1,79 Meter hoch und bleibt mit unter 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse mit Führerschein Klasse B fahrbar.


Mit seinen 5,31 Metern Länge ist der X9 auf Augenhöhe mit der Mercedes V-Klasse (EQV) - YouTuber Carmaniac hebt dabei den für einen Van bemerkenswert niedrigen Cw-Wert von 0,237 hervor, der die Effizienz des Fahrzeugs spürbar verbessert. Der Radstand liegt bei 3,16 Metern.

Beim Gewicht bringt der X9 je nach Ausstattung rund 2,7 bis 2,8 Tonnen auf die Waage, bei einer Nutzlast von 600 bis 685 kg. Die zulässige Gesamtmasse von 3.340 kg bleibt damit knapp unter der 3,5-Tonnen-Marke - wichtig für alle, die das Fahrzeug mit einem regulären Pkw-Führerschein der Klasse B bewegen wollen. Möglich macht das unter anderem ein rund 400 kg geringeres Gewicht gegenüber der vergleichbaren Mercedes V-Klasse (EQV).

Für die Wendigkeit sorgt eine serienmäßige Hinterachslenkung, die den Wendekreis auf unter 11 Meter drückt - mehrere Tester beschreiben den Van trotz seiner Länge übereinstimmend als überraschend handlich im Alltag.

Der Kofferraum fasst rund 720 bis 730 Liter im Normalzustand. Klappt man die elektrisch versenkbare dritte Sitzreihe komplett in den Boden, wächst der Stauraum auf 2.200 bis 2.250 Liter bei einer Ladelänge von 1,50 Metern - und das bei einer besonders niedrigen Einladehöhe von nur 60 cm. Zusätzlich lässt sich das Heck über das serienmäßige Zweikammer-Luftfahrwerk zum Beladen gezielt absenken. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es trotz der Fahrzeuggröße nicht.

Welche Antriebsvarianten bietet der XPeng X9 und was kosten sie?

Der XPeng X9 ist in drei Antriebsvarianten erhältlich: Standard Range ab 77.600 Euro, Long Range ab 81.600 Euro und AWD Performance ab rund 86.000 Euro.

Die Standard-Range-Variante startet mit einem 95-kWh-LFP-Akku, Frontantrieb und 320 PS (235 kW) bei 77.600 Euro. Die Long Range-Version setzt auf eine rund 105 kWh große Batterie, ebenfalls mit Frontantrieb, 320 PS und einem Drehmoment von 450 Nm, für 81.600 Euro. An der Spitze steht die AWD-Performance-Variante mit Allradantrieb und rund 503 PS, die bei etwa 86.000 Euro beginnt - voll ausgestattet landet man bei rund 88.000 Euro.

Bei der Höchstgeschwindigkeit liegen alle Varianten in einem ähnlichen Bereich um 200 bis 205 km/h. Car Maniac vergleicht mit der Mercedes V-Klasse und kommt auf einen Vorsprung von 33 km/h. Alle drei Varianten lassen sich laut Car Maniac auf der XPeng-Webseite in unter zwei Minuten konfigurieren.

Wie weit kommt der XPeng X9 mit einer Akkuladung?

Je nach Antriebsvariante liegt die WLTP-Reichweite des XPeng X9 zwischen 435 und 615 Kilometern, wobei Tests in der Praxis teils deutlich darüber liegen.


Nach WLTP-Norm kommt die Standard-Range-Version auf 435 Kilometer, die Long-Range-Variante auf rund 600 bis 615 Kilometer und die AWD-Performance-Variante auf 580 Kilometer. Jens von "Move Electric" verweist zusätzlich auf Tests in Norwegen, bei denen der X9 den WLTP-Wert um bis zu 25 Prozent übertroffen hat.
Beim tatsächlichen Verbrauch auf der Autobahn liefern die Tester ähnliche Werte: Car Maniac misst bei 100 bis 120 km/h einen Verbrauch von 18,3 kWh/100 km und beschreibt 150 km/h als eine Art Sweet Spot, bei dem das Fahrzeug ruhig und effizient bleibt. Bei Vollgas steigt der Verbrauch laut Car Maniac auf bis zu 46 kWh/100 km. YouTuber JÖNOHS ermittelt bei 120 bis 130 km/h auf einer 700 Kilometer langen Testfahrt durch Spanien bei bis zu 40 Grad Außentemperatur einen Verbrauch von 23 bis 26 kWh/100 km. YouTuber Tarik kommt bei seinem Langstreckentest bei 37 Grad auf einen Durchschnittsverbrauch von 17,7 kWh/100 km.
Bei seinem Langstreckentest von Genf nach München zeigt sich, was das in der Praxis bedeutet: Tarik startet mit vollem Akku in Frankreich, hat nach 167 Kilometern noch 75 Prozent Ladung, nach 250 Kilometern 62 Prozent und erreicht die deutsch-österreichische Grenze nach 374 Kilometern mit 42 Prozent. Nach insgesamt 509,5 Kilometern kommt er mit 13 Prozent Restladung an der Ladesäule an. Hochgerechnet auf die Testbedingungen ergibt das eine reale Gesamtreichweite von etwa 570 bis 580 Kilometern.

Wie schnell lädt der XPeng X9?

Dank der 800-Volt-Architektur kann der X9 theoretisch bis zu 530 bis 546 kW Ladeleistung ziehen, real gemessene Spitzenwerte schwanken je nach Bedingungen aber zwischen rund 180 und knapp 400 kW.


Jens von "Move Electric" rechnet vor, dass eine volle Ladung an einer entsprechend leistungsstarken Säule (350 bis 400 kW) in spätestens 15 Minuten möglich sein soll.
In der Praxis zeigen die Tests jedoch ein differenzierteres Bild. Tarik lässt bei seinem Langstreckentest die Batterie vor der Ionity-Ladesäule bei 37 Grad Außentemperatur aktiv vorkühlen und erreicht dort einen Spitzenwert von 279 kW; die Säule könnte bis zu 350 kW liefern. In 10 Minuten lädt er dabei rund 41 bis 44 kWh nach, was etwa 250 realen Autobahnkilometern entspricht; von 10 auf 100 Prozent würde das Fahrzeug so geschätzt 29 Minuten benötigen. Car Maniac kommt an einer 400-kW-Säule auf einen Spitzenwert von 396 kW und lädt dabei 92 kWh in 18 Minuten nach - selbst bei einem Ladestand von 91 Prozent zieht der Wagen laut seinen Angaben noch 196 kW.
Deutlich niedriger fallen die Werte bei JÖNOHS aus: Auf seiner 700 Kilometer langen Testfahrt durch Spanien bei bis zu 40 Grad Außentemperatur erreicht der X9 an zwei verschiedenen Schnelladern, darunter ebenfalls Ionity, trotz aktiver Batteriekühlung nur Spitzenwerte von 178 bis 200 kW. Die beworbenen 350 beziehungsweise 540 kW bleiben damit unerreicht, und die Ladezeit liegt deutlich über den angekündigten 12 Minuten.
Dass die beworbene Spitzenladeleistung unter Extrembedingungen wie sommerlicher Hitze in Südeuropa nicht immer erreicht wird, ist dabei kein XPeng-spezifisches Problem, sondern ein branchenweites Phänomen: Bei hohen Außentemperaturen und entsprechend warmer Batterie drosselt das Thermalmanagement praktisch aller Elektroautos die Ladeleistung stärker, um die Zellen zu schützen. Der Vergleichswert von Car Maniac bei offenbar moderateren Bedingungen zeigt gleichzeitig, dass die Hardware des X9 grundsätzlich zu den leistungsfähigsten am Markt gehört.

Wer den X9 unterwegs nicht nur zum eigenen Fahren, sondern auch als mobile Stromquelle nutzen will, kann über die bidirektionale Lademöglichkeit (Vehicle-to-Load) mit bis zu 6 kW externe Geräte direkt aus dem Fahrzeug heraus versorgen, etwa beim Camping oder auf der Baustelle.
Ein praktischer Kritikpunkt betrifft die Türgestaltung: Laut Car Maniac lässt sich die hintere rechte Schiebetür während des Ladevorgangs nicht vollständig öffnen, da sie mit dem Ladestecker kollidieren würde.

Wie fährt sich der Luxus-Van Xpeng X9 im Alltag?

Trotz seiner Länge wirkt der XPeng X9 laut mehreren Testern überraschend wendig, während die Fahrwerksabstimmung bei schnellen Richtungswechseln noch nicht ganz an deutsche Premiumkonkurrenz heranreicht.

Entscheidend für das Fahrverhalten ist das serienmäßige Zweikammer-Luftfahrwerk, das sich in der Höhe von 3 Zentimetern Tieferlegung bis 4 Zentimetern Höherlegung verstellen lässt und die Modi Komfort, Standard und Sport bietet. Car Maniac beschreibt die Federung als majestätisch, merkt aber an, dass die Mercedes V-Klasse beim Überfahren von Bodenwellen minimal komfortabler bleibe, aber auf einem Niveau, das er mit einem Rolls-Royce vergleicht. Für überraschend hohe Wendigkeit sorgt außerdem die serienmäßige Hinterachslenkung, die sowohl Tarik als auch Jens und JÖNOHS unabhängig voneinander positiv hervorheben.

JÖNOHS testete den X9 auf einer 700 Kilometer langen Strecke durch Spanien bei Temperaturen von bis zu 40 Grad und beschreibt die Abstimmung als weich und, in seinen Worten, chinesisch. Das Fahrzeug neige selbst im Sport-Modus zum Aufschaukeln und Wanken, filtere Bodenwellen aber ordentlich heraus.

Zur Rekuperation stehen verschiedene Stufen sowie ein X-Pedal-Modus für echtes One-Pedal-Driving zur Verfügung. Bei der Geräuschdämmung zieht Car Maniac einen direkten Vergleich zur V-Klasse: Bei 170 km/h empfindet er den X9 als ähnlich leise wie den Mercedes bei 130 km/h.

XPeng X9 Innenraum

XPeng X9 2026 Test Erfahrungen Innenraum INSTADRIVE ecarso

Was bietet der Innenraum des Xpeng X9 an Luxus und Technik?

Der Innenraum des XPeng X9 wird als außergewöhnlich hochwertig gelobt. Materialien wie Nappaleder, Alcantara und Echtholz sowie umfangreiche Entertainment-Technik gehören dazu.


In der zweiten Reihe sorgen Zero-Gravity-Sitze für den Komfort-Mittelpunkt des Fahrzeugs. Sie bieten Heizung, Belüftung und Massage, lassen sich dank Oberschenkelstütze in eine flache Liegeposition bringen und verfügen über ausklappbare Tische, induktive Ladeschalen sowie 60-Watt-USB-C-Anschlüsse. Jens von "Move Electric" bezeichnet den Innenraum deshalb als regelrechte Wellnessoase, JÖNOHS spricht von einer Privatjet-Atmosphäre.

Für Entertainment sorgt ein elektrisch aus der Decke ausfahrbarer Bildschirm mit 21 bis 21,4 Zoll Diagonale, über den sich Streamingdienste wie YouTube, Apple TV, Disney+ und Prime Video nutzen lassen, wahlweise per Touch oder Fernbedienung. Ergänzt wird das durch serienmäßigen 5G-Empfang und einen internen WLAN-Hotspot, sodass mobiles Streaming auch unterwegs zuverlässig funktioniert. Der Fahrer selbst blickt laut JÖNOHS auf ein 17,3 Zoll großes Hauptdisplay.

Zur Grundausstattung gehört außerdem ein elektrisch ausfahrbarer Kühlschrank, der in einem Temperaturbereich von 0 bis 44 Grad sowohl kühlen als auch Speisen warmhalten kann. Für Ruhe im Innenraum sorgt zusätzlich eine Akustikverglasung, die Tarik als spürbar geräuschreduzierend beschreibt, während eine hochwertige Soundanlage mit Subwoofer und zahlreichen Lautsprechern für den passenden Klang sorgt.

Die dritte Sitzreihe punktet mit elektrisch verstellbaren Rückenlehnen und Kopfstützen, eigener Sitzheizung sowie Materialien wie Mikrofaser und Alcantara. Car Maniac bewertet die gesamte Verarbeitung mit der Note 1 mit Stern und hebt dabei besonders die echten Metallknöpfe hervor, die er von deutschen Herstellern in diesem Segment so nicht kennt.

Einen Kritikpunkt nennt JÖNOHS: Die hinteren USB-C-Anschlüsse sitzen an der C-Säule, wo man beim Aussteigen leicht anstoßen kann.

Wo hakt es beim XPeng X9 bei Software und Assistenzsystemen?

Trotz ausgereifter Basisfunktionen kritisieren mehrere Tester eine übertrieben empfindliche Fahrerüberwachung und eine unzuverlässige Verkehrszeichenerkennung, für die XPeng Deutschland bereits ein Software-Update angekündigt hat.

Bei den reinen Assistenzfunktionen zeigen sich die Tester überwiegend zufrieden. Tarik hebt hervor, dass das Head-up-Display beim Blinken gestochen scharfe Bilder der Totwinkelkameras zeigt und beim Rückwärtsfahren sogar die Rückfahrkamera einblendet. Die Sprachbedienung reagiert seiner Erfahrung nach extrem schnell auf natürliche Befehle direkt hintereinander, etwa beim Einstellen von Massage, Klimaanlage oder Fensteröffnung. Auch der Einparkassistent steuert das Fahrzeug laut Tarik souverän in Lücken oder manövriert es autonom wieder heraus. JÖNOHS ergänzt, dass sich die Assistenzsysteme inzwischen über eine eigene Taste am Lenkrad aktivieren lassen und dass Spurzentrierung sowie Spurwechselassistent gut umgesetzt seien.

An zwei Stellen äußern die Tester jedoch klare Kritik. JÖNOHS bemängelt eine unzuverlässige Verkehrszeichenerkennung, die beispielsweise 50 statt 100 km/h erkannt habe. Er sieht XPeng zwar als führend unter den chinesischen Herstellern, aber bei der Souveränität der Assistenzsysteme noch hinter VW oder Audi zurück.

Deutlich schärfer fällt die Kritik von Tarik und Car Maniac an der Fahrerüberwachung aus. Tarik bezeichnet die EU-Regulierung der Assistenzsysteme als nervtötend: Der Aufmerksamkeitswarner lasse sich nicht dauerhaft deaktivieren, sobald Lenkassistent und Tempomat aktiv seien, und die Hände-am-Lenkrad-Warnung reagiere trotz korrektem Griff ständig überempfindlich. Car Maniac beschreibt das ständige Gebimmel als Zumutung und kritisiert, dass schon ein kurzer Blick auf das Display zur Zurechtweisung führen könne, im Extremfall bis zum Entzug des Lenkassistenten, bis das Fahrzeug geparkt wird.

Beide Tester verweisen aber auch auf eine mögliche Lösung. Laut Tarik hat XPeng Deutschland ein zeitnahes Software-Update angekündigt. Car Maniac berichtet sogar, ein entsprechendes Update bereits in einem P7 Plus getestet zu haben, und bestätigt, dass XPeng Deutschland die Empfindlichkeit der Warnungen für den europäischen Markt bereits anpasst. Ohne dieses Update, so seine Einschätzung, könnte die Software-Bevormundung aktuell noch ein Dealbreaker für Kunden sein.

Fazit: Ist der XPeng X9 ein großer Wurf?

Der XPeng X9 zeigt in allen vier Tests ein bemerkenswert konsistentes Bild: viel Raum, viel Luxus, eine solide technische Basis und eine Ladeleistung, die unter normalen Bedingungen zu den besten am Markt gehört.

Preislich macht der X9 tatsächlich das, was Car Maniac ihm nachsagt: Für rund 88.000 Euro in der Topausstattung bietet er mehr Platz, mehr Technik und eine großzügigere Serienausstattung, als sie ein vergleichbar ausgestatteter Mercedes-Benz V-Klasse (EQV) für rund 120.000 Euro liefert. Bei nahezu identischen Außenmaßen und einem in mehreren Punkten überlegenen Datenblatt, etwa bei Ladeleistung oder Reichweite, wird die Preisdifferenz schwer zu rechtfertigen, wenn Marke allein nicht ausschlaggebend ist.

Dass selbst deutsche Traditionshersteller diese Entwicklung ernst nehmen, zeigt sich an der rund zehnprozentigen Beteiligung von Volkswagen an XPeng, die Car Maniac als Beleg dafür wertet, dass man in Wolfsburg von der chinesischen Konkurrenz lernen will. Für die Mercedes V-Klasse bedeutet der X9 damit tatsächlich eine ernstzunehmende Herausforderung, zumindest bei Käufern, die primär nach Ausstattung und Preis-Leistung entscheiden.

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Simona Marino
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