Der Autoschlüssel kommt bei VW auch aufs Handy
Das Smartphone ersetzt längst Geldbörse, Fahrkarte und bei manchen sogar den Haustürschlüssel. Nun kann es auch bei Volkswagen den Autoschlüssel ersetzen. Für ausgewählte Modelle führt VW den Digital Key ein und schließt damit zu Herstellern auf, die diese Funktion schon länger anbieten.
Doch was kann ein digitaler Autoschlüssel tatsächlich? Welche Technik steckt dahinter und wie sicher ist sie? Wir zeigen, was Volkswagen anbietet, welche Lösungen andere Hersteller nutzen und wo die Unterschiede liegen.
Führt Volkswagen jetzt endlich einen digitalen Autoschlüssel ein?
Ja. Für ausgewählte und entsprechend ausgestattete Modelle der ID. Familie bietet Volkswagen nun einen digitalen Autoschlüssel an.
Damit schließt Volkswagen bei einer Funktion auf, die andere Autohersteller schon länger anbieten. Bereits im März 2026 hatte VW den Digital Key zusammen mit der neuen Softwaregeneration für seine Elektroautos angekündigt. Inzwischen steht die Funktion für geeignete Fahrzeuge tatsächlich zur Verfügung.
Der klassische Funkschlüssel wird dadurch nicht ersetzt. Vielmehr kommt mit Smartphone oder Smartwatch eine zusätzliche Möglichkeit hinzu, das Auto zu nutzen. Welche ID. Modelle dafür infrage kommen, was der Digital Key konkret kann und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, klären wir im nächsten Abschnitt.
Was kann der VW Digital Key und welche Voraussetzungen gibt es?
Der VW Digital Key macht ein kompatibles Smartphone oder eine Smartwatch zum zusätzlichen Autoschlüssel.
Seit dem 18. August 2026 wird die Funktion in Europa für mehrere Modelle der ID. Familie ausgerollt. Genannt werden ID. Polo, ID. Cross, ID.3 Neo, ID.4, ID.5, ID.7 und ID. Buzz. Voraussetzung ist allerdings die passende Fahrzeuggeneration: Der Wagen muss ab dem 27. April 2026 produziert worden sein, mindestens mit ID. Software 6.0.1 laufen und über das Optionspaket „Preparation for Digital Key“ verfügen. Fahrzeuge mit älterer Hardware unterstützen die Funktion nicht.
Ist der Digital Key eingerichtet, übernimmt das Mobilgerät die wesentlichen Aufgaben des klassischen Schlüssels. Das Auto lässt sich damit öffnen und verriegeln, außerdem wird der Fahrzeugstart freigegeben. Volkswagen bindet den Schlüssel direkt in die Wallet des jeweiligen Geräts ein. Unterstützt werden Apple Wallet auf iPhone und Apple Watch sowie Google Wallet auf kompatiblen Android Geräten. Eine eigene VW App muss für die eigentliche Schlüsselnutzung also nicht geöffnet werden.
Praktisch für gemeinsam genutzte Autos: Der Besitzer kann zusätzliche digitale Schlüssel an andere Personen weitergeben und später wieder entziehen. Volkswagen nennt dafür beispielsweise Familienmitglieder, Freunde oder weitere Nutzer. Samsung bietet bei seiner Wallet Umsetzung zusätzlich eine Funktion zum Öffnen des Kofferraums aus der Ferne und erlaubt beim Teilen die Vergabe von Berechtigungen. Diese Zusatzfunktionen beziehen sich ausdrücklich auf die Samsung Wallet Integration und sollten nicht automatisch auf jedes unterstützte Smartphone übertragen werden.
Ganz ohne Einrichtung geht es nicht. Volkswagen verlangt ein Volkswagen ID Benutzerkonto, eine Identitätsprüfung und einen separaten VW Connect Vertrag. Außerdem muss das verwendete Smartphone oder die Smartwatch den Digital Key unterstützen. Ob ein bestimmtes Gerät kompatibel ist, bestimmt letztlich dessen Hersteller.
Wie funktioniert ein digitaler Autoschlüssel?
Digitale Autoschlüssel nutzen je nach System NFC, Bluetooth Low Energy und UWB, um Smartphone und Fahrzeug miteinander zu verbinden und die Zugangsberechtigung zu prüfen.
Der digitale Schlüssel wird auf dem Smartphone oder der Smartwatch hinterlegt. Bei Systemen nach dem Standard des Car Connectivity Consortium liegen die sensiblen Schlüsseldaten in einem besonders geschützten Hardwarebereich, dem sogenannten Secure Element. Dort werden auch die kryptografischen Schlüssel verarbeitet, mit denen sich Mobilgerät und Fahrzeug gegenseitig authentifizieren. Apple setzt bei seinen digitalen Autoschlüsseln ebenfalls auf dieses Verfahren.
Welche Funktechnik anschließend zum Einsatz kommt, hängt vom jeweiligen System ab. Bei modernen Digital Keys können NFC, Bluetooth Low Energy und UWB zusammenarbeiten, wobei jede Technik eine andere Aufgabe übernimmt.
NFC steht für Near Field Communication. Dabei erzeugt ein NFC Lesegerät ein elektromagnetisches Feld, über das auf sehr kurze Distanz Daten ausgetauscht werden können. Für einen digitalen Autoschlüssel bedeutet das: Das Smartphone muss bis auf wenige Zentimeter an den vorgesehenen Bereich des Fahrzeugs gebracht werden, beispielsweise an den Türgriff. Fahrzeug und Smartphone tauschen dabei verschlüsselte Informationen aus und prüfen, ob ein gültiger Schlüssel vorliegt.
Die geringe Reichweite ist gleichzeitig ein Sicherheitsvorteil. Ein Angreifer müsste die Kommunikation aus unmittelbarer Nähe beeinflussen. Wer zusätzliche Sicherheit möchte, kann bei manchen Wallet Lösungen außerdem verlangen, dass die Nutzung des Schlüssels erst nach einer Entsperrung oder Bestätigung am Smartphone möglich ist.
Bluetooth Low Energy, kurz BLE, funkt über eine wesentlich größere Entfernung. Das Smartphone sendet beziehungsweise empfängt dabei kleine Datenpakete mit vergleichsweise geringem Energieverbrauch. Fahrzeug und Mobilgerät können so bereits eine Verbindung herstellen, während sich der Fahrer dem Auto nähert. Bei modernen Digital Key Systemen wird BLE unter anderem für die gegenseitige Authentifizierung und zum Aufbau der Kommunikation genutzt.
Bluetooth allein kann allerdings nicht präzise genug feststellen, wie weit das Smartphone tatsächlich vom Fahrzeug entfernt ist. Genau das wäre bei einem System problematisch, das die Tür automatisch öffnen soll, sobald sich der Fahrer nähert. Deshalb wird BLE bei solchen Digital Keys häufig mit UWB kombiniert.
UWB, kurz für Ultra Wideband, bestimmt die Entfernung deutlich genauer. Dafür werden sehr kurze Funkimpulse zwischen Smartphone und mehreren Empfängern im Fahrzeug ausgetauscht. Gemessen wird, wie lange die Signale für den Weg zwischen beiden Geräten benötigen. Aus dieser Laufzeit lässt sich die Entfernung berechnen. Mehrere UWB Antennen am Fahrzeug ermöglichen zusätzlich eine räumliche Einordnung des Smartphones. Das Auto kann dadurch beispielsweise erkennen, ob sich das Gerät neben der Fahrertür oder bereits im Innenraum befindet.
Das ist nicht nur bequem, weil das Smartphone beim Öffnen in der Tasche bleiben kann. Die präzise Entfernungsmessung dient auch der Sicherheit. Bei sogenannten Relay Attacken versuchen Angreifer, das Funksignal eines weiter entfernten Schlüssels bis zum Fahrzeug zu verlängern. UWB misst dagegen die tatsächliche Signallaufzeit und erschwert es damit, dem Auto eine geringere Entfernung vorzutäuschen. Das Car Connectivity Consortium bezeichnet dieses Verfahren als „Secure Ranging“.
NFC und UWB sollte man deshalb nicht als sichere und weniger sichere Variante derselben Technik betrachten. NFC schützt unter anderem durch seine sehr geringe Reichweite. UWB wird vor allem für Systeme wichtig, die automatisch reagieren sollen, während das Smartphone in der Tasche bleibt. Bluetooth stellt bei solchen Lösungen die Verbindung her, während UWB die tatsächliche Entfernung überprüft.
Unabhängig von der Funktechnik sollte das Smartphone mit PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung geschützt sein. Auch Updates für Betriebssystem, Wallet und Fahrzeugsoftware sollten zeitnah installiert werden. Nicht mehr benötigte digitale Schlüssel und Freigaben für andere Personen gehören ebenfalls gelöscht.
Welche Hersteller bieten digitale Autoschlüssel an?
Neben Volkswagen bieten zahlreiche weitere Hersteller einen digitalen Autoschlüssel an, darunter Tesla, BMW, Audi, Volvo, Hyundai, Kia, BYD und XPENG.
Volkswagen steigt damit in einen Markt ein, der längst nicht mehr nur aus einzelnen Pilotprojekten besteht. Allerdings unterscheiden sich die Lösungen deutlich. Einige Hersteller setzen auf standardisierte Schlüssel in Apple Wallet, Google Wallet oder Samsung Wallet, andere verwalten den Zugang über eine eigene Fahrzeug App. Auch bei der Funktechnik gibt es Unterschiede. Unsere folgende Tabelle führt einige
Digitale Autoschlüssel im Herstellervergleich: Welche Hersteller nutzen NFC, Bluetooth oder UWB?
| Hersteller | Digital Key verfügbar | Technik | Öffnen & Starten | Schlüssel teilen | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| Volkswagen | Ja, ausgewählte ID. Modelle | NFC, UWB | Ja | Ja | Integration in kompatible Wallets auf iPhone, Apple Watch und Android Geräten |
| Tesla | Ja | Bluetooth | Ja | Ja | Nutzung über die Tesla App statt über einen Wallet Schlüssel |
| BMW | Ja, ausgewählte Modelle | NFC, Bluetooth, UWB | Ja | Ja | Digital Key und Digital Key Plus, je nach Fahrzeug auch berührungsloser Zugang |
| MINI | Ja, ausgewählte Modelle | NFC, Bluetooth, UWB | Ja | Ja | Digital Key Plus ermöglicht bei geeigneten Modellen automatischen Zugang beim Annähern |
| Audi | Ja, ausgewählte Modelle | NFC, Bluetooth Low Energy, UWB | Ja | Ja | Mehrere digitale Schlüssel und unterschiedliche Berechtigungen möglich |
| Volvo | Ja, ausgewählte Modelle | NFC, Bluetooth, UWB | Ja | Je nach Modell | Bei neueren Modellen wie EX30, EX90 und ES90 verfügbar |
| Polestar | Ja | Bluetooth beziehungsweise NFC, Bluetooth und UWB | Ja | Je nach Modell | Polestar 2 nutzt eine App Lösung, neuere Modelle unterstützen modernere Wallet Systeme |
| Hyundai | Ja, ausgewählte Modelle | NFC, Bluetooth Low Energy, UWB | Ja | Ja | Digital Key 2 Touch mit NFC, neuere Varianten zusätzlich mit UWB |
| Kia | Ja, ausgewählte Modelle | NFC, Bluetooth Low Energy, UWB | Ja | Ja | Digital Key 2, je nach Smartphone auch berührungsloser Zugang über UWB |
| BYD | Ja, ausgewählte Modelle | NFC, je nach Modell weitere Funktechniken | Ja | Ja, bei unterstützten Systemen | Unterstützung unter anderem über Apple Wallet, Google Wallet und Samsung Wallet |
| XPENG | Ja, ausgewählte Modelle | Bluetooth, UWB, NFC | Ja | Je nach Modell | Mehrere digitale Zugangsmöglichkeiten, abhängig von Modell und Ausstattung |
| Toyota / Lexus | Ja, ausgewählte Modelle | Bluetooth Low Energy | Ja | Je nach Modell und Markt | Smart Digital Key über die jeweilige Hersteller App |
Was passiert bei leerem Akku oder verlorenem Smartphone?
Ein leerer Smartphone Akku bedeutet nicht immer sofort das Aus für den Digital Key. Bei Verlust lässt sich der digitale Schlüssel in der Regel aus der Ferne sperren oder löschen.
Bei einigen Smartphones bleibt der digitale Autoschlüssel noch eine gewisse Zeit nutzbar, nachdem sich das Gerät wegen eines leeren Akkus ausgeschaltet hat. Apple und Samsung nennen für kompatible Systeme eine Reserve von bis zu fünf Stunden, Google spricht bei unterstützten Android Geräten von einigen Stunden. Ob diese Funktion zur Verfügung steht, hängt allerdings vom Smartphone, Fahrzeug und den gewählten Einstellungen ab.
Eine wichtige Ausnahme betrifft zusätzliche Sicherheitsabfragen. Bei manchen Systemen lässt sich festlegen, dass der Digital Key vor jeder Nutzung noch einmal per PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung bestätigt werden muss. Ist das Smartphone vollständig entladen, kann diese Bestätigung nicht mehr erfolgen. Die Notstromfunktion steht dann unter Umständen nicht zur Verfügung. Ohne eine solche zusätzliche Abfrage kann der digitale Schlüssel bei geeigneten Geräten dagegen noch einige Zeit funktionieren.
Geht das Smartphone verloren oder wird es gestohlen, sollte der Digital Key möglichst schnell deaktiviert werden. Bei einem iPhone lässt sich das Gerät über „Wo ist?“ als verloren markieren, wodurch auch die in der Wallet hinterlegten Autoschlüssel deaktiviert werden. Google und Samsung bieten vergleichbare Möglichkeiten, verlorene Geräte aus der Ferne zu sperren oder zu löschen. Je nach Fahrzeug können hinterlegte digitale Schlüssel außerdem direkt über das Auto oder das Benutzerkonto entfernt werden.
Auch beim Wechsel auf ein neues Smartphone muss der Schlüssel nicht immer komplett neu eingerichtet werden. Apple und Google ermöglichen bei unterstützten Kombinationen die Übertragung auf ein neues Gerät. Wie genau das funktioniert, hängt jedoch vom Fahrzeughersteller und dem verwendeten Digital Key System ab.
Trotz dieser Rückfallebenen kann es sinnvoll sein, den klassischen Schlüssel zumindest auf längeren Fahrten nicht vollständig abzuschreiben. Wer ausschließlich mit dem Smartphone unterwegs ist, sollte vorher wissen, welche Funktionen das eigene Fahrzeug bei leerem Akku oder verlorenem Handy tatsächlich bietet.
Fazit: Ein digitaler Autoschlüssel ist praktisch, aber kein Muss
Der digitale Autoschlüssel macht den Alltag bequemer: Das Smartphone ist ohnehin fast immer dabei, kann das Auto öffnen und starten und lässt sich bei Bedarf auch als Schlüssel für andere Personen nutzen. Mit dem Digital Key bietet Volkswagen diese Möglichkeit nun ebenfalls für ausgewählte ID. Modelle an und schließt damit zu Herstellern auf, die schon länger entsprechende Lösungen im Programm haben.
Technisch steckt deutlich mehr dahinter als nur eine weitere Smartphone Funktion. NFC, Bluetooth und UWB sorgen je nach System dafür, dass Fahrzeug und Mobilgerät einander erkennen und die Berechtigung zuverlässig prüfen. Moderne Sicherheitsmechanismen können dabei auch bekannte Schwachstellen klassischer Keyless Systeme entschärfen.
Unverzichtbar ist der digitale Schlüssel deshalb noch lange nicht. Wer lieber beim klassischen Autoschlüssel bleibt, verpasst nichts Grundlegendes. Für alle anderen ist er aber ein durchaus praktisches Extra, sofern Fahrzeug, Smartphone und Umsetzung zuverlässig zusammenspielen.

